Der Botaniker Dr. Anselm Krumbiegel hat die Analyse der Mauerkronenbegrünung von St. Nicolai abgeschlossen. Nach 13 Jahren sollte nun der Erfolg dieses einstigen Modellprojektes dokumentiert werden.

Zerbst l Die 17,5 Meter hohen Gerüste stehen noch immer im Innenraum der Nicolaikirche, auf denen Dr. Anselm Krumbiegel im Juni an ausgewählten Abschnitten die Mauerkronenbegrünung in St. Nicolai untersucht hat. Ursache dessen war die Tatsache, dass in einzelnen Bereichen die Begrünung nur spärlich bis gar nicht vorhanden ist und somit die Mauerkrone dort nach und nach instabil wird.

Am häufigsten ist der Rauhblatt-Schwingel

Diese Untersuchung ist der Beginn der Sicherungsmaßnahme M25. Ein Mauerabschnitt an der Nordmauer, einer an der Südmauer sowie ein Teil der Mauerkronen des Arkadenzuges sind untersucht worden. "Die Zerbster Erkenntnisse werden nun anderen Bauwerken zugute kommen", so Walter Tharan, der Vorsitzende des Förderkreises St. Nicolai, zu Beginn der Untersuchungen. Im weiteren Verlauf werden im Zuge der Maßnahme Mängel und instabile Steine an den Mauerkronen und Arkadenbögen im besagten Bereich saniert und stabilisiert.

"Die Erfolge der Begrünungsversuche zeigen sich gegenwärtig im unterschiedlich dichten Bewuchs auf den Mauerkronen", heißt es im Abschlussbericht des Botanikers aus Halle. Teils gebe es deutliche Unterschiede sowohl zwischen einzelnen Abschnitten an der Nord- und Südmauer sowie Nord- und Südteil innerhalb eines Mauerkronenabschnittes. Außerdem seien deutliche Unterschiede an der Nordmauer erkennbar (siehe Nahaufnahme), die "ganz offensichtlich auf verschiedene Methoden der damals ausführenden Firmen zurückzuführen sind".

Das insgesamt auf den untersuchten Mauerkronen erfasste Arteninventar umfasst 39 Gefäßpflanzensippen sowie zwei Moosarten. Weitere Arten konnte Anselm Krumbiegel auf anderen, nicht näher untersuchten Mauerabschnitten feststellen. Am häufigsten ist der Rauhblatt-Schwingel. Auf den weiteren Plätzen folgen Hopfen-Luzerne, Feld-Beifuß, Kaukasus-Fetthenne, Schaf-Schwingel, Feld-Klee und Scharfer Mauerpfeffer. Jene Arten könnten somit als die am besten an die extremen Standortbedingungen angepassten Arten bewertet werden.

Unter Berücksichtigung des Zieles, eine dauerhafte und pflegeunabhängige Mauerkronenbegrünung zu erreichen, sind laut Krumbiegel drei Voraussetzungen zu erfüllen. Die Verwendung von Pflanzenarten, die ohne Pflege auskommen, da sie gegenüber extremen Standortbedingungen wie vor allem Hitze, Kälte und Trockenheit weitgehend unempflindlich sind. Am zweckmäßigsten sei es, Saatgut von Arten an natürlichen Standorten in der Umgebung zu sammeln, wie dies in Zerbst in der Vergangenheit bereits teilweise erfolgt ist.

Des Weiteren rät Krumbiegel zur Verwendung von Substrat, das gegen Erosion geschützt werden müsse. Das bisher verwendete, stark lehmhaltige Substrat scheine grundsätzlich geeignet, müsse jedoch vor Erosion am Übergang zum Mauerwerk geschützt werden.

Arkadenpfeiler: Sanierung weiterhin offen

Auch die weitere Verwendung von Vliesen, Matten, Netzen, Folien und Ähnlichem als Träger von Pflanzensubstrat schätzt Krumbiegel kritisch ein. Auf der Nordmauer wurde textiles Vlies zusammen mit einem dünnen Gaze aus Plastik als Trägermaterial aufgebracht. Die Vegetation auf diesem Abschnitt ist sehr spärlich. Hingegen sind noch immer das großflächig "nackte" Vlies und die Gaze vorhanden. Substrat hält sich auf diesen Flächen nicht beziehungsweise nur in den Ritzen zwischen den Vlies-Bahnen.

Neben der Mauerkronensanierung ist die Sanierung von fünf Arkadenpfeilern die zweite große Sicherungsmaßnahme, die in diesem Jahr realisiert werden soll. Die Stadt als Projektträger wartet jedoch bislang vergeblich auf eine Förderzusage. Über den Stadtumbau Ost sind hundertprozentige Fördermittel in Höhe von 104 000 Euro beantragt worden. "Wir warten nach wie vor auf die Bescheidung", heißt es zum aktuellen Stand aus der Stadtverwaltung.

Eine baldige Beischeidung der Förderung hätte den Vorteil, dass eines der ohnehin aufgebauten Gerüste, für die Maßnahme bereits steht, womit eine nicht unerhebliche Kostenersparnis möglich wäre.