Bühne frei für die jungen Künstler der Zirkusprojektwoche im Umweltzentrum Ronney. Eine Woche lang probten die Nachwuchsartisten Jonglage, Akrobatik, Seiltanz und Diabolo.

Ronney l Mucksmäuschenstill ist es auf der Wiese hinter dem Umweltzentrum in Ronney, bis, ja bis der Ruf "Bibbledibopp" aus einem kunterbunten Zirkuszelt ertönt. 14 im Kreis stehende Kinder versuchen so schnell es geht "Bopp" zu sagen. Wer es nicht rechtzeitig schafft, muss in die Mitte und die anderen herausfordern. "Das schult die Konzentration, die Kinder müssen sich hier aufeinander verlassen können und das lernen sie durch dieses Spiel", erklärt die pädagogische Mitarbeiterin der Einrichtung, Ramona Vossler.

Mit dem Ferienlager, das im Rahmen der Projektwochen "Viel Theater für die Umwelt" stattfindet, beschreitet das Zentrum neue Wege. "Wir machen das zum ersten Mal", erklärt Ramona Vossler. Leider, so sagt sie weiter, verlief die Anmeldung schleppend. Am Ende kommen aber doch 14 Kinder zusammen. "Das war zuerst nicht greifbar, was da passieren wird. Als sie es dann aber gesehen haben, haben sich sogar noch zwei Kinder nachgemeldet", sagt Ramona Vossler. Alles, was mit Zirkus zu tun hat, wird vom Zentrum für Zirkus und bewegtes Lernen aus Halle übernommen. Ramona Vossler ist für den Freizeitbereich zuständig.

Eine Woche zum Kennenlernen des Zirkus

Aber ganz von vorne. Am Montag, als die Kinder in Ronney angekommen sind, sollten sie sich erst einmal mit den verschiedenen Disziplinen vertraut machen. Diabolo spielen, auf einem riesigen Ball laufen - viel neues für die Nachwuchsartisten. Das Ziel war dabei stets vor Augen: Die Aufführung, die heute um 14.30 Uhr stattfindet. Gott sei Dank sind Steffen Lewandowski und Caro Curioso da. Sie helfen den Kindern, schnell eine echte Zirkusaufführung auf die Beine zu stellen. "Eine Geschichte kann man in der kurzen Zeit nicht entwickeln, wohl aber einen roten Faden", sagt Steffen Lewandowski. Und der besagt, dass die Räume im kunterbunten Zirkuszelt genutzt werden. Nach oben, nach unten, die Spielräume sind vielfältig. Am besten gefällt vielen Kindern das Laufen und Balancieren auf den großen Bällen. Lisa Oldehavel wurde von ihren Eltern zum Ferienlager angemeldet. "Eigentlich hatte ich da überhaupt keine Lust zu", sagt die 13-Jährige. Inzwischen hat sie aber echten Gefallen am Zirkus gefunden. "Es ist ganz toll, was hier geboten wird und auch, dass man zwischendurch Freiräume für sich hat."

Die Zirkuswoche ist speziell für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. "Das ist ein schwieriges Alter, weil sie sehr mit ihrer eigenen Entwicklung beschäftigt sind", erklärt Ramona Vossler. Ansonsten wäre das aber kein Problem.

Nach dem Aufwärmen mit dem "Bibbledibopp"-Spiel gehen die Kinder in Gruppen. Wie fängt man ein Diabolo wieder auf und wie klappt das, mit drei Bällen zu jonglieren? Vor allem gehört ganz viel Lob zu der Arbeit mit den jungen Menschen. "Wow, das sieht supertoll aus", sagt Caro Curioso zum Beispiel zu Lisa, als sie auf dem Ball eine Figur macht.

"Es muss aber auch Regeln geben, sonst funktioniert das hier nicht", sagt er. Deshalb gehört neben dem Lob auch Ermahnung dazu, wenn die Kinder zuviel quatschen oder Unsinn mit den Geräten anstellen.

"Trotzdem fördert die Zirkusarbeit soziale Kompetenzen", sagt Caro Curioso, der seinen echten Namen nicht nennen will. Die Frustrationsgrenze, wenn mal etwas nicht klappt wie es soll, würde sich erhöhen. "Und außerdem lernen sie, sich aufeinander zu verlassen." Denn natürlich kann nach einer Woche noch niemand alleine auf dem Seil tanzen oder eine komplette Nummer auf dem Ball stehen. Dafür helfen aber die anderen, das Gleichgewicht zu halten und die Lust nicht zu verlieren.

"So wir üben jetzt mal die komplette Nummer von vorne bis hinten", erteilt Caro Curioso den Kindern eine Ansage wie es weiter geht. Diszipliniert gehen alle auf ihre Position. Alles will gelernt sein, angefangen beim richtigen Auftritt. Was dann folgt ist eine Abfolge von lustigen Einlagen. Bockspringen über die großen Hüpfbälle, die Bälle mit den Füßen hochheben - einfach ein stimmiges Konzept. Besonders schön sieht auch der Seiltanz aus. "Also, wenn dir das wehtut, dann spiel das doch auch einfach so, aber nicht rumkaspern", sagt Caro Curioso zu einem der Jungen. Beim Zirkus ist fast alles erlaubt - nur gewollt muss es eben aussehen. Dazu gehört auch die Verbeugung und das Verlassen der Bühne.

"Das macht total viel Spaß hier, man erlebt jeden Tag was Neues. Wir durften am Anfang sogar mal auf einem Nagelbrett stehen", erzählt Nele Baldin. Die Zehnjährige ist schon ganz aufgeregt vor der Aufführung heute.

"Das ist ja wichtig, dass die Kinder auf etwas hinarbeiten und das mit der Aufführung passt ja", erzählt Steffen Lewandowski. In der ersten Reihe werden wohl die Eltern der Kinder sitzen, Gäste sind aber herzlich Willkommen.

Zirkus ist dabei nichts statisches wie eine Theateraufführung. "Zirkus ist ein soziales Kunstwerk", erklärt Ramona Vossler.

Auf dieses Kunstwerk sind die Mitarbeiter des Umweltzentrums schon in den vergangenen Jahren aufmerksam geworden. Da gastierte das Zentrum nämlich beim Elbe-Saale-Camp auf der anderen Elbseite. "Wir konnten nur leider nie zu den Aufführungen, weil die Fähren nicht so lange gefahren sind", sagt Ramona Voss. Im Rahmen der Möglichkeiten wurde also versucht, Zirkus auf eigene Regie zu machen.

Bereits erste Erfahrungen in Ronney

Mit Tücher-Jonglage und verschiedenen Gleichgewichtsübungen sammelten Kinder und Betreuer erste Zirkuserfahrungen. "Und dieses Jahr machen wir das im größeren Rahmen", so Vossler. Den Kindern wird außer den täglichen Zirkus-Einheiten auch ein umfangreiches Freizeitangebot gemacht. Radtouren, eine Auenwanderung oder eine Elbe-Erlebnis-Tour gehören dazu.

Übrigens sind nicht nur die Kinder von ihrer Zirkuserfahrung begeistert. "Der Zirkus gehört hier einfach hin", sagt Caro Curioso. Das Gelände habe alles, was man sich wünschen kann. Genug Platz, ruhige Orte zum Üben und "eine positive Energie." Umwelt und Zirkus, das gehört für Caro Curioso zusammen.

Heute Nachmittag um 14.30 Uhr findet die Aufführung der Kinder statt. Jeder ist Willkommen. Der Eintritt ist frei.

 

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