Das Steintreffen der Wandergesellen in Zerbst bringt nicht nur die Arbeiten am Schloss weiter. Auch in Strinum packen die Handwerker mit an, damit ein neuer Eingang zur Kirche entsteht.

Strinum l Maurer, Schlosser, Steinsetzer - quasi von Zerbst nach Strinum entführt wurden eine Handvoll Wandergesellen, die eigentlich zum Steintreffen ins Schloss gekommen waren. Das ging schon so in Ordnung. Die Zernitzer Ortsbürgermeisterin Birgit Jacobsen hatte sich dafür eingesetzt. An der Strinumer Kirche war schon lange vorgesehen, einen neuen Zugang zu schaffen - von vorne, damit Besucher geradeaus auf den Kircheneingang zugehen können.

"Da müssen nicht alle Gäste an den Gräbern vorbeilaufen", so Peter Haake, der mit seiner Frau die Kirche gepachtet hat. Bislang fanden sich weder Möglichkeit noch Mittel, das Projekt umzusetzen, nun hat es sich ergeben. Die Handwerker auf der Walz arbeiten traditionell für Unterkunft und Verpflegung. Das Material wird gestellt.

In Strinum gefiel es den jungen Männern ganz gut. Vor allem von Familie Haake wurden sie gut umsorgt. Aber auch andere Nachbarn kamen, fragten nach und brachten Getränke. Ihre "Kluft" weist die Herren oder auch Damen aus. "Dann wissen die meisten Leute Bescheid, was wir machen", so Cord Küddelsmann. Arbeit findet sich überall.

Mindestens drei Jahre und einen Tag unterwegs

Die traditionelle Wanderschaft der Handwerksgesellen, im Volksmund "Walz" oder von den Wandergesellen selber "Tippelei" genannt, bezeichnet die mindestens drei Jahre und einen Tag dauernde Reisezeit, die ein Handwerksgeselle unter bestimmten Voraussetzungen antreten kann. Der Lüneburger Cord Küddelsmann ist schon seit 16 Monaten unterwegs. Schlechte Erfahrungen hat er noch nicht wirklich gemacht. "Nur wenn man in der Kälte bei Regen an der Straße steht und keiner hält an, dann findet man die Tippelei richtig doof", meinte er.

Auch schon seit einem Jahr unterwegs ist Manuel Mährlein. Sein lustiger Dialekt macht den Franken gleich sympathisch. Er ist Schlosser, aber auf der Walz universell einsetzbar. "Ich habe auch schon auf einem Bio-Bauernhof Kühe gemolken", erzählte er von seinen Wanderschaftserlebnissen.

Aber im Allgemeinen sind die wandernden jungen Leute mit dem Gesellenbrief in der Tasche und dem Charlottenburger als Reisegepäck gern gesehen. Im Ausland werden deutsche Handwerker noch mit Handkuss genommen, weiß Mährlein zu berichten. Manch einen verschlägt es bis nach Australien. Nur das erste Wanderjahr sollte jeder seine Erfahrungen im deutschsprachigen Raum machen.

Dass seine Wanderung länger als die drei Jahre und einen Tag wird, davon ist Philipp Dürkop schon nach den ersten drei Monaten überzeugt. Der 24-jährige Maurer hat auch schon seinen Bauingenieur in der Tasche. "Ich habe gemerkt, dass ich lieber auf der Baustelle arbeite, als im Büro", traf er die Entscheidung, auf Wanderschaft zu gehen.

Aus Neugierde in der Welt Erfahrungen sammeln

Über die Wanderschaft höre man im Betrieb, vom Chef, da werde erzählt und geschwärmt, man wird neugierig und dann ergibt es sich so, erinnerte sich Cord Küddelsmann, wie es ihm in den Sinn kam, in die Welt hinauszuziehen. Vom Steintreffen im Zerbster Schloss war er begeistert: "eine riesengroße bunte WG". Verschiedene Schächte treffen hier aufeinander. Man tauscht sich aus, genießt die Geselligkeit. Auch über die Mundpro-paganda werde Arbeit vermittelt.

"Wir reisen um zu arbeiten und arbeiten um zu reisen", klärt Cord Küddelsmann auf. Es sei schon cool mit alten Steinen zu arbeiten, befand der Steinsetzer in Strinum. Auch improvisieren war angesagt. Fehlende Ziegelsteine, ganz bestimmte, mussten aufgetrieben und alte Gehwegplatten verarbeitet werden. Fertigstellung war das Ziel, auch wenn es länger dauern sollte als das Steintreffen. Eine eiserne Tür wird den neuen Eingang zur Kunst Kultur Kirche komplettieren.

Die Besucher, die sich morgen die Strinumer Kirche zum Denkmaltag anschauen und die Ausstellung "Umkränzt" besuchen, sehen gleich, was die fleißigen jungen Handwerker in den vergangenen Tagen geschaffen haben.

   

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