Die Fassadensanierung des Dicken Turms startet. Seit mehr als einem Jahr schützte ein grüner Netzgürtel Passanten vor herabfallenden losen Putzstücken. In der nächsten Woche wird mit der Beseitigung der Schäden begonnen. Gut 80 000 Euro sind veranschlagt. Um den Eigenanteil aufzubringen, ist die Kirchgemeinde auf Spenden angewiesen.

Zerbst l Die Gerüstbauer kündigen es an: Die dringend notwendige Instandsetzung der Fassade des Dicken Turms naht. "In der nächsten Woche beginnen die Arbeiten", bestätigt Planer Gunnar Hollenbach. Bis Ende November soll die Sanierung abgeschlossen sein. Bereits seit mehr als einem Jahr ziert ein grüner Netzgürtel den massiven Feldsteinbau in luftiger Höhe. Als kritisch bezeichnete Pfarrer Albrecht Lindemann damals bei der Befestigung des schützenden Maschenwerks den Zustand des historischen Gemäuers. Einst wehrhafter Bestandteil einer slawischen Wallburganlage dient das markante Bauwerk bereits seit Mitte des 15. Jahrhunderts der Kirchgemeinde von St. Bartholomäi als frei stehender Glockenturm.

Und von diesem bröckelte zunehmend der Putz. Ursache für die Zersetzung des Mörtels sind konstruktive Mängel, die bei der Neueindeckung des Notdaches in den fünfziger Jahren nicht behoben worden sind. Dadurch war die Fassade sämtlichen Witterungseinflüssen schutzlos ausgeliefert. In Zukunft soll verhindert werden, dass der Regen direkt am Mauerwehr hinabläuft. Deshalb ist neben dem Einbau einer Dachrinne das Anbringen von Fallrohren an den Ecken der West- und der Ostfassade analog des Originalzustandes vor 1945 geplant. Darüber hinaus wird der Dicke Turm an allen vier Seiten Schneegitter erhalten, da schon wiederholt Schneelawinen vom Dach rutschten.

Die nun startende Maßnahme beinhaltet außerdem das Entfernen des losen Putzes, bevor die Fassade zwischen der Dachkante und den kleineren Turmfenstern wiederhergestellt wird. Auch im unteren Bereich erfolgt punktuell die Instandsetzung vorhandener Ausbrüche. Nicht zuletzt werden die vorspringenden Bauteile - sprich die Gesimse, Lisenen und Fensterbänke mit Bleiblechen - versehen, wie Gunnar Hollenbach erläutert. Alles geschieht in Ansprache mit dem Denkmalschutz.

Die Gesamtkosten der Maßnahme sind mit 80 000 Euro veranschlagt. Dabei handelt es sich um einen Betrag, den die Kirchgemeinde allein nicht ohne Hilfe Dritter aufbringen kann. Zumal weitere Investitionen anstehen - neben Geldern, die ins Pfarrhaus flossen, steht in Kürze ebenfalls die Sanierung des Kirchdachs von St. Bartholomäi an, wie der Pfarrer ausführt. Unterstützung kommt vom Kreis Anhalt-Bitterfeld, der das Projekt mit 13 000 Euro bezuschusst. Den Bescheid überreichte Landrat Uwe Schulze im Juli. Auch von Lotto Toto gibt es eine Zusage. "Über die Hälfte der Summe müssen wir allerdings selbst aufbringen", erzählt Albrecht Lindemann vom Wegfall der Landesförderung, mit der sie gerechnet hatten. Die bereitstehenden 14 000 Euro an eigenmitteln reichen da zur Kostendeckung nicht aus. "Und wir haben keine stillen Reserven mehr", erklärt er mit Blick auf die Finanzierungslücke von 30 000 Euro. Um diese zu schließen, ist die Bartholomäi-Gemeinde auf Spenden angewiesen.

Für die freiwilligen Geldgeber haben sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. Neben einer Urkunde soll jeder Spender, der die Maßnahme in einer gewissen Höhe unterstützt, eine Zinnmünze mit dem Abbild des Dicken Turms erhalten, berichtet Pfarrer Lindemann von der geplanten Prägeaktion.