Die Begehbarkeit des rund 40 Meter hohen Turms hat sich der neu gegründete Verein Bergfried der Wasserburg Gommern als Ziel gesetzt. Bis Jahresende wollen die Vereinsmitglieder ein Konzept erarbeiten. Fest steht schon jetzt: Sie sind auf Unterstützung angewiesen.

Gommern l Das Interesse ist auf jeden Fall da. Als Geschäftsführer der Wasserburg zu Gommern GmbH weiß Jan Roterberg, wie viele Leute auf die Burg kommen und nachfragen, ob sie den Bergfried erklimmen können. Bislang lautet die Antwort stets "Tut uns sehr leid, aber das ist nicht möglich". In absehbarer Zeit soll sich das ändern. Zu diesem Zweck wurde vor wenigen Wochen der Verein Bergfried der Wasserburg Gommern gegründet. Jan Roterberg hat den Vorsitz übernommen, sein Stellvertreter ist Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein.

"Wir wollen dafür sorgen, dass der Bergfried wieder begehbar gemacht wird, dass Besucher gefahrlos hoch und runter laufen können", sagte Jan Roterberg. Dass sich das Treppensteigen auf jeden Fall lohnen würde, weiß er aus eigener Erfahrung. "Die Aussicht von oben ist wirklich sehr schön." Allerdings weiß er von seinem Auf- und Abstieg auch, dass es viel zu tun gibt.

Der Bergfried mit seiner markanten welschen Haube, im Volksmund auch Zwiebelturm genannt, ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Gommern.

Noch hat sich kein Baufachmann den Bergfried angesehen, steht also noch nicht fest, wie umfangreich die Sanierung des Turmes sein muss. Letztlich wird auch der Denkmalschutz ein Wörtchen mitzureden haben.

Im Moment kann im Bergfried nur der frühere Kerker zu ebener Erde besichtigt werden. Beim Blick nach oben sehen die Besucher das "Angstloch", das einst der einzige Zugang (als es die Tür zu ebener Erde noch nicht gab) in das kalte, dunkle Verließ mit seinen mehr als drei Meter starken Mauern war.

Über ihre nächsten Schritte werden die sieben Vereinsmitglieder bei ihrem Treffen in der kommenden Woche sprechen. An Ideen mangelt es den Aktiven nicht. Eine ist zum Beispiel, Steine des Bergfrieds auf dem Papier zu verkaufen, um Geld für die Sanierung einzunehmen. Die Steine-Besitzer bekämen als Nachweis eine Urkunde ausgestellt. "Wir wollen aus vielen kleinen Summen eine große Summe machen", sagte Jan Roterberg. Mit der Vereinsgründung sei der notwendige Druck da, nicht nur darüber zu reden, dass etwas getan werden muss, sondern auch zu handeln. "Wir nehmen uns vor, innerhalb kurzer Zeit viel zu erreichen", gibt der Vereinschef ein ehrgeiziges Ziel vor.

Ob die ersten Fortschritte bereits in einem Jahr sichtbar sind oder ob es länger dauert, lässt sich jetzt aber noch nicht abschätzen. Auf jeden Fall solle bis zum Jahresende das Konzept stehen.

Neben der inhaltlichen Arbeit geht es den Vereinsmitgliedern aktuell auch darum, den Verein bekannt zu machen, Aufmerksamkeit zu gewinnen und zum Mitmachen anzuregen. Der Verein wird sich im Internet präsentieren und auch mit Werbemitteln wie Informationsblättern oder Aufstellern für sein Anliegen werben. Denkbar ist zudem eine Infotafel direkt am Bergfried.

Obwohl der Verein Bergfried der Wasserburg Gommern bislang kaum mehr als den Gründungsmitgliedern bekannt war, sind schon die ersten Spenden auf das Vereinskonto eingegangen. Die Summe von rund 5000 Euro macht dem Vereinsvorsitzenden Mut, dass die Begehbarkeit des Bergfrieds ein Anliegen ist, mit dem sich viele Leute identifizieren können.

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