Über ein Jahrhundert mussten die Kameraden in Garitz auf ein brandneues Feuerwehrfahrzeug warten. Jetzt sind sie mit der modernsten Technik ausgestattet.

Garitz l Die alte "Luzy" ist Geschichte. Die von einem Pferd gezogene Handdruckspritze aus dem Jahr 1903 ist nicht mehr die letzte Neuanschaffung in der Feuerwehr Garitz/Bornum. Zugegeben, es sollte eine Weile dauern, bis sie diese Stellung aufgeben durfte. Nun war es soweit. Ganze 111 Jahre musste Garitz auf ein neues Fahrzeug warten. "Daher ist es auch für mich etwas ungewohnt und neu", sagt Ortswehrleiter Daniel Mielchen und muss schmunzeln. Nun aber durfte er sein neues Fahrzeug in Empfang nehmen. "Jetzt steigen wir von einem Trabi auf einen Mercedes um", rutscht es dem Feuerwehrchef in Garitz dann auch raus. Jetzt können seine Kameraden darüber lachen, aber wie Recht er hat, bewies die Risikoanalyse der Stadt Zerbst aus dem Jahr 2012.

"Sie hat eindeutig gezeigt, dass ein neues Fahrzeug von Nöten ist", blickt Mielchen zurück. Damals habe man gesehen, dass zwar die über 40 Kameraden sehr aktiv und engagiert seien, es aber an moderner Technik mangele.

Dann ging der Marathon los. Erst einmal musste der Stadtrat einen entsprechenden Beschluss fassen. Das passierte noch im gleichen Jahr. Daraufhin ging es an die Auswahl, die Sichtung des Marktes und schlussendlich die Ausschreibung des neuen Fahrzeuges. Im Juni 2013 erfolgte schließlich die Auftragsvergabe. "Da wir zum gleichen Zeitpunkt Familienzuwachs erwarteten", sagt Mielchen, "kann man die Neuanschaffung eines Fahrzeuges auch mit einer Schwangerschaft vergleichen." Erst einmal habe sich der Stadtrat "empfängnisbereit" gezeigt. Die Kameraden mussten laut lachen. Schließlich ging es über die verschiedenen Prozesse durch Auf und Ab`s, am Ende blickten alle sehnsüchtig auf die Geburt. "Der Liefertermin wurde aber immer wieder geschoben", beschreibt der Wehrleiter die Endphase der "Schwangerschaft".

Dann ging aber alles schnell und "spontan" wurde das Fahrzeug doch fertig. "Alle Kameraden haben dann mit angepackt und das Gerätehaus noch einmal schick gemacht für das große Ereignis", lobt der Chef stolz seine Kollegen.

Garitz hat sich das Fahrzeug verdient

Jetzt ist das neue Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF), genannt "Der Rote Baron", angekommen. In seinem Inneren verbergen sich diverse Hilfsgeräte und ein Wassertank, der 2400 Liter fassen kann. "Die Maschinisten der Ortswehr haben in der vergangenen Woche noch eine spezielle Fahrzeugschulung bekommen", weiß Mielchen zu berichten.

"Große Ereignisse werfen auch große Schatten voraus", sagt Ortsbürgermeister Mario Rudolf bei seiner kleinen Ansprache. Die neue Technik habe sich die Wehr in Garitz nämlich "verdient". "Es ist eine Belohnung für das ehrenamtliche Engagement", verdeutlicht Rudolf. Mit über 40 aktiven Feuerwehrleuten bei "nur" 550 Einwohnern habe der Ort einen "sehr ordentlichen" Schnitt zu verzeichnen. Durch die Zusammenlegung der Wehren im Jahr 2008 habe man ein Fundament für eine einsatzkräftige Truppe gelegt, die nun, mit einem neuen Fahrzeug ausgestattet, noch besser arbeiten kann.

Keine Fördermittel für das Fahrzeug geflossen

Die Gesamtkosten für die Neuanschaffung betragen knapp 233000 Euro. "Es sind dabei keine Fördermittel geflossen", wie Zerbsts Bürgermeister Andreas Dittmann gern betont. Die Kommune habe das Geld allein beschafft. "Da zeigt die Gemeindegebietsreform seine Vorteile", fügt der SPD-Politiker hinzu und muss lachen. Auch sein Kollege Mario Rudolf zeigt sich mehr als erfreut. "Die Finanzierung war auch durch die Eingemeindung 2010 möglich", verdeutlicht er.

Bevor die erste kleine Runde unter Augen der zahlreichen Gäste aus dem Umland gedreht werden durfte, durfte Gottes Segen nicht fehlen. Pfarrer Thomas Meyer betete für die stets währende Sicherheit der Kameraden und segnete das neue Fahrzeug.

Abschließend sagt Rudolf: "Wir haben uns immer sicher gefühlt, aber jetzt fühlen wir uns noch etwas sicherer."