Tiere sind des Menschen bester Freund, heißt es. Der beste ist wohl der Hund, doch auch Alpakas gehören dazu. Zumindest auf dem Alpakahof in Zernitz.

Zernitz l Heinz Rühlich und seine Frau Heidi haben genau 33 Freunde auf dem Hof wohnen.

Als sie den Hof 1993 kauften, war er komplett heruntergekommen. In mühevoller Kleinarbeit haben sie ihn wieder hergerichtet und sich dort eine Alpaka-Zucht aufgebaut. "Zuerst hatten wir hier aber Pferde", erinnert sich Heinz Rühlich. Erst seit zehn Jahren züchte er Alpakas.

Inzwischen leben neben zahlreichen Stuten sechs Zuchthengste, drei Junghengste, die ein Jahr alt sind, und zwei Hengstfohlen aus diesem Jahr in Zernitz. Die männlichen Tiere haben in den zurückliegenden Jahren dafür gesorgt, dass die "Zwei Eichen" der erfolgreichste Zuchtbetrieb in Sachsen-Anhalt sind. "Wir stellen unsere Tiere deutschlandweit aus", verkündet Rühlich mit stolz geschwollener Brust. Dabei schneiden sie auch immer gut ab, fügt der Züchter hinzu.

Ein Grund dafür ist die Haltung in Zernitz. Die Tiere sind das ganze Jahr über auf der Weide. Nur nachts müssen sie in den Stall. Sie fressen das Gras wie ein perfekt eingestellter Rasenmäher. "Wir haben hier einen Rasen wie auf einem Golfplatz", sagt Rühlich und schmunzelt. Aber das Gras allein reicht nicht aus. "Da Alpakas Wiederkäuer sind", weiß der Experte, "brauchen sie auch noch Raufutter wie Heu."

Damit sie dies ohne Probleme verzehren können, sorgt er mit aller Kraft dafür, dass die Tiere keinen Stress bei der Futteraufnahme haben. "Ich habe doppelt so viele Futterplätze wie eigentlich nötig", berichtet er: "So gibt es kein Gedränge." Das wäre sonst gesundheitsschädigend.

Neben dem Halten und Verkaufen der Tiere verarbeiten und vermarkten sie die Wolle der Alpakas. "Bei Alpakas wird sie Vlies genannt und gehört zu den wertvollsten Naturfasern der Welt", klärt Rühlich auf. Damit die Qualität stimmt und stets nachweisbar ist, schickt er jährlich im März eine Probe in die USA. "Dort gibt es ein spezielles Institut für Wollprüfung", beschreibt er den auf den ersten Blick ungewöhnlichen Weg der Wolle. "So können wir uns international vergleichen", ergänzt Rühlich: "Und wir sind in guter Gesellschaft."

Aus der Wolle werden Strümpfe, Mützen und allerlei mehr hergestellt. "Dazu bündeln wir die Kräfte in unserem Verband", weiß Heidi Rühlich, die den Hut im Hofladen auf hat. So gebe es beispielsweise im Erzgebirge jemanden, der einen Strumpfstrick-Automat hat. "Damit sparen wir die Zeit, die wir benötigen würden, wenn wir sie von Hand stricken würden", erklärt sie.

Neben der Zucht und der Verwertung des Vlies` nutzen Rühlichs die Tiere auch zur Therapie. Einmal, weil sie eine große Ruhe ausstrahlen, aber auch als Arbeitstherapie.

"Wir hatten ein Lehrerehepaar hier", blickt Rühlich zurück, "die beide ausgebrannt waren. Durch die Arbeit auf dem Hof und mit den Tieren haben sich wieder besser gefühlt." Auf dem Hof arbeitet auch eine Sozialpädagogin beispielsweise mit Kindern und Tieren zusammen.

Aber auch Schulklassen und Kindergärten besuchen die Tiere, die aus den Anden stammen. "In den Ferien ist dann immer Hochbetrieb", sagt Rühlich und lächelt zufrieden.