Am 11. März öffnen viele Unternehmen in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg sowie der Doppelstadt Dessau-Roßlau zum Tag der Berufe ihre Tore.

Zerbst/Dessau l Das Motto zum Tag der Berufe - "Mach doch was du willst" - ist schon ziemlich provokant, das gibt Sabine Edner, Chefin der Agentur für Arbeit Dessau-Roßlau-Wittenberg, zu. "Das Motto hat eine Doppeldeutigkeit und wurde bewusst so gewählt. Schließlich waren die Chancen für Jugendliche noch nie so gut, das zu machen, was sie wirklich wollen", sagt sie.

Wie breit die Möglichkeiten gefächert sind, wird klar, wenn man sich die Anzahl der möglichen Ausbildungsberufe in der Region bewusst macht. Über 300 verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten - angefangen vom Altenpfleger bis hin zum Zerspanungsmechaniker - können im Agenturbezirk erlernt werden. Der Aktionstag beginnt 13 Uhr. "Damit ist der normale Schulbetrieb nicht gestört", begründet Edner.

Talente entdecken und sich ausprobieren

Dass Schulabgänger in der Region einen Beruf erlernen und nicht in andere Bundesländer "auswandern", sei ein vorrangiges Ziel des Aktionstages am 11. März. "Der demografische Wandel arbeitet gegen uns. Wir müssen versuchen, die Jugend mit attraktiven Ausbildungsmöglichkeiten hier zu halten", so Edner weiter.

Zum Tag der Berufe öffnen Unternehmen aus der Region ihre Tore für Schüler ab der siebten Klasse. Diese sollen einen Einblick in die Berufswelt erhaschen und in der Berufsfindung ein Stück vorankommen. "Wir sprechen bewusst Jugendliche ab der siebten Klasse an, um die Orientierungsphase zu entzerren. Junge Menschen können so frühzeitig ihre Talente entdecken und ausprobieren", erklärt Sabine Edner. Dabei könne als Ergebnis auch rauskommen, dass sich der vermeintliche Traumberuf als Albtraum entpuppe. "Dann ist ja auch immer noch die Orientierung auf einen neuen Ausbildungsberuf möglich. Junge Menschen brauchen einfach Chancen, sich praktisch auszuprobieren", sagt die Agenturchefin weiter. Ein Ziel sei es, die hohe Quote an Ausbildungsabbrüchen - derzeit liegt sie zwischen 20 und 30 Prozent - zu verringern. "Frühe Aufklärung und frühe Beratung können dem entgegenwirken", so die Agenturchefin.

Um den "Tag der Berufe" auch ordentlich in Schwung zu bringen und die Zielgruppe zu erreichen, haben die Arbeitsagenturen eine neue Internetseite entwickelt. Unter www.tagderberufe.de sind alle teilnehmenden Unternehmen mit ihren Ausbildungsberufen gelistet. Dort kann sich der Jugendliche ab sofort auch direkt für ein bestimmtes Zeitfenster zum Tag der Berufe in seinem Wunschbetrieb anmelden. "Es ist so gedacht, dass die Schüler nur kurz, also eventuell eine Stunde, im Unternehmen sind und dann in ein weiteres Unternehmen fahren. So können die Schüler mehrere Unternehmen an einem Tag besichtigen und besser vergleichen", erklärt Edner das Prinzip.

Die Internetseite ist auch über einen QR-Code erreichbar, der auf Flyern abgebildet ist. Diese Flyer liegen in Schulen aus oder sind zum Beispiel im Berufsinformationszentrum (BiZ) der Agentur für Arbeit erhältlich. Diesen QR-Code müssen die Schüler dann nur mit ihrem Handy scannen und schon erreichen sie die Internetseite zum "Tag der Berufe". "Alle Berufsberater informieren auch umfassend zum Aktionstag", weiß die Agenturchefin.

Viel Aufwand also für einen Tag Berufsorientierung, oder? Sabine Edner erklärt den Zusammenhang: "Der Tag der Berufe ist ja nur ein Teil eines breiten Angebotes der Berufsorientierung und Berufsfindung unserer Agentur. Wenn man dieses Angebot und andere Angebote, wie zum Beispiel die individuelle, persönliche Berufsberatung oder den Girls oder Boys Day nutzt, ist man schon ganz gut gerüstet."

Ausbildungskarte zeigt mögliche Alternativen

In den vergangenen Jahren - der Tag der Berufe findet am 11. März zum vierten Mal statt - sei die Resonanz der regionalen Unternehmen und auch der Schüler immer gut gewesen, bilanziert Edner. Jährlich hätten sich zwischen 1 000 und 1 200 Jugendliche im Agenturbezirk am Tag der Berufe beteiligt und erste Berufsluft geschnuppert.

Außerdem bietet die Arbeitsagentur eine selbstgestaltete Ausbildungslandkarte an. Diese wurde 2014 entwickelt und kommt bei den Beratungsgesprächen der Berufsberatung zum Einsatz. Die Karte zeigt, in welchen Regionen welche Ausbildungsberufe besonders häufig vorkommen. So werden beispielsweise in Zerbst und dem Umland Ausbildungsberufe in der Land- und Tierwirtschaft, der Metallverarbeitung oder dem Fleischereihandwerk relativ häufig angeboten.

"Wer zum Beispiel in seiner Heimatstadt Zerbst nicht die passende Ausbildung findet, entdeckt diese aber vielleicht zusammen mit seinem Berater auf der Ausbildungskarte in Roßlau", skizziert Sabine Edner ein mögliches Szenario. Auch die Landkarte sei eine Hilfe, um die Jugendlichen mit der passenden Lehrstelle in der Region zu halten, begründet die Agenturchefin.

Auf www.tagderberufe.de können sich Schüler ab der siebten Klasse zum Tag der Berufe anmelden. Weitere Informationen gibt es im Berufsinformationszentrum am Seminarplatz 1 in Dessau oder unter (0800) 4 55 55 00.