Ein erfolgreiches Jahr liegt hinter dem Förderverein Schloss Zerbst. Neben der nun zugänglichen Küche konnte am Saisonende auch noch das neu visualisierte Zedernkabinett eröffnet werden. 2015 hingegen wird man bei den Sicherungsmaßnahmen wohl pausieren müssen.

Zerbst l Als "inhaltlich spannendstes Projekt", das 2014 umgesetzt werden konnte, bezeichnet Dirk Herrmann die visuelle Rekonstruktion des Zedernkabinettes. Die mit Foto-Folie beklebten 4,20 Meter hohen Wände lassen die frühere Pracht des privaten Rückzugsraums der Fürstin Johanna Elisabeth wunderbar erahnen. Zwei große Spiegel, ein Kronleuchter und die nach dem friderizianischen Rokoko gebauten Möbel unterstreichen die ursprüngliche Schönheit, die mit dem Luftangriff auf Zerbst am 16. April 1945 verloren ging. "Über Weihnachten haben wir noch Wandleuchter erworben, die aufgearbeitet neben den Spiegeln angebracht werden sollen", verrät der Vorsitzende des Schloss-Fördervereins.

Besonders glücklich ist er in der Rückschau jedoch darüber, dass im vergangenen Oktober "endlich" die bereits im September 2013 begonnenen Sicherungsarbeiten im Bereich des Corps de Logis abgeschlossen werden konnten. Es war die erste Maßnahme dieser Art in dem am schwersten zerstörten Teil des Barockbaus. Zwischendecken wurden eingezogen und die beim Bombeneinschlag verbrannte hölzerne Wirtschaftstreppe in Stahlbeton neu errichtet, wodurch Besucher nun in die Schlossküche gelangen. "Auch das ,Blaue Kabinett` ist wieder erstanden", erzählt Dirk Herrmann von erhaltenen Stuckelementen. Zugänglich ist der Raum aufgrund noch fehlender Decken bislang allerdings nicht. Das gilt ebenfalls für ein Zimmer, das Prinzessin Sophie Auguste Friederike gehört hat, der späteren russischen Zarin Katharina II.

Bei der Finanzierung des Projektes im Corps de Logis konnte der Förderverein wiederholt auf die Deutsche Stiftung Denkmalschutz setzen. Auch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld und die Stadt Zerbst - immerhin Eigentümerin des Gebäudes - steuerten Gelder zu. Nicht zu vergessen ist "der nicht unerhebliche Eigenanteil, den wir aus Spenden rekrutiert haben", ist Dirk Herrmann äußerst dankbar für diese so wichtige Unterstützung.

Ob die Sicherungsmaßnahmen in diesem Jahr fortgesetzt werden, ist offen. "Fördergelder sind beantragt, aber beschieden ist noch nichts." Das gilt ebenfalls für den Wunsch des Vereins, erneut eine geförderte reguläre Kraft zu erhalten, um das Schloss auch wieder montags bis freitags öffnen zu können. "Beantragt haben wir das." Doch eine Antwort steht bislang aus.

Das Interesse der Menschen an den erhaltenen Resten des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fürstensitzes zumindest ist vorhanden. "Wir haben viele überregionale und vermehrt auch ausländische Gäste", erzählt Dirk Herrmann. Sehr hilfreich sei da die dreisprachige Internetseite des Vereins, auf der sich weltweit jeder auf Deutsch, Englisch und Russisch über den einstigen Residenzsitz informieren kann. Hinzu kommen all die Zerbster, die sich regelmäßig von den Fortschritten in dem Baudenkmal überzeugen. Das ist inzwischen ebenfalls beliebter Programmpunkt bei Klassentreffen.

Gut 5000 Besucher gingen in die Statistik für 2014 ein. "Wir haben wahnsinnig viele Sonderführungen realisiert", blickt Dirk Herrmann zurück. Ein bis sechs Anfragen gab es an den einzelnen Wochenenden. "Es war eine Herausforderung, das abzudecken."

Am 19. April startet der Förderverein offiziell in die Saison 2015. Vielfältige Veranstaltungen sind wieder geplant. Das Spektrum reicht vom Spargel-essen über Konzerte bis hin zum Kabarettabend. Auch die monatlichen Schlossöffnungen fehlen nicht im Programm, bei denen jeder individuell die Ausstellungsräume besichtigen und bei Führungen tiefer in die Historie und Architektur des Schlosses eintauchen kann. "Im Zedernkabinett werden wir einen Teppich auslegen, so dass keiner mehr Überzieher über die Schuhe streifen muss", erklärt Dirk Herrmann. Nicht zuletzt bemerkt er, dass der Verein eine neue Postkarte herausbringen wird, ohne allerdings das Motiv zu verraten.

Aktuell zählt der Förderverein 262 Mitglieder. Weitere Mitstreiter sind jederzeit willkommen. Das gilt ebenfalls für Spenden. Denn in Zukunft soll sich noch einiges am fürstlichen Baudenkmal tun.

 

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