Einen spannenden Einblick in das Archiv des Geistlichen Stifts der St. Bartholomäikirche erlebten rund 50 interessierte Besucher. Hannes Lemke stellte ihnen einzigartige Exponate aus der sakralen Schatzkammer vor.

Von Silke Schmidt

Zerbst l In diesem Jahr, und zwar am 20. September, feiert die Gemeinde St. Bartholomäi das 800-jährige Jubiläum der Altarweihe. Im Archiv des Geistlichen Stifts des Gotteshauses haben sich über die Jahrhunderte hinweg zahlreiche Zeugnisse der Geschichte angesammelt. Derzeit wird der Bestand von Hannes Lemke, freier Archivar, aufgearbeitet. Am vergangenen Sonntag nach dem Stiftsgottesdienst erhielten Interessierte die Gelegenheit, in einer Ausstellung einen Blick auf die bisherigen Ergebnisse zu werfen.

Im Ausstellungsraum stach den Besuchern gleich eine Leinwand mit einem Innenbild der St. Bartholomäikirche ins Auge. Doch, genau wie im Mittelalter, stand hinter der (Dia-)Kirche das gleichnamige Kollegiatsstift in harten Fakten: Neun Männer, die ohne Genehmigung nicht über Nacht die Stadt verlassen durften, waren seit dem hohen Mittelalter Führungs- und Wirtschafts-eliten der Stadt Zerbst. Ihre Pflicht, die religiöse Fürsorge der lebenden sowie verstorbenen Bevölkerung zu sichern, wurde durch zahlreiche Schenkungen gesichert.

Gezeigt wurden Exponate aus der Schatzkammer des Geistlichen Stifts sowie Leihgaben aus dem Stadtarchiv. Im Mittelpunkt der Schau standen das Anwachsen des Stifts seit dem 13. Jahrhundert sowie die Fördertätigkeit nach der Reformation. Insbesondere das Totenseelenbuch aus dem 15. Jahrhundert (befindet sich heute im historischen Stadtarchiv), in dem Namen für die ewigen Fürbitten eingetragen wurden.

Weiterhin zu sehen waren Fragmente von großen Chorbüchern und Schmuckinitialen von Chorbüchern, die den bunten Reichtum der Stiftskirche zeigten. Nach der Reformation wurden die Stiftsgelder zur Förderung von Schul- und Kirchendienern umgewidmet.

Der heutige Archivbestand, der zu großen Teilen aus Rechnungs- und Quittungsbüchern besteht, lässt die einstigen Zerb- ster Professoren und Studenten als Nutznießer des Stifts erscheinen. Doch auch der Schlossbildhauer Christian Conrad Stutz, der unter anderem am Zerbster Spiegelkabinett beteiligt war, oder der Hofglaser Rosenthal lassen sich in den Akten finden.

Einen besonderen Fund stellten die bisher unbekannten Fasch-Einträge dar. Sie dokumentieren die Rückzahlung der hohen Schulden des Zerbster Kapellmeisters, die nach seinem Tode von seinen Kindern übernommen werden mussten. Gleich daneben lag die Stiftsgoldwaage, die zur Überprüfung der verschiedenen Münzen der Frühen Neuzeit notwendig war.

Die etwa 50 Besucher zeigten sich beeindruckt von der Ausstellung, die ihnen einen Blick in die Geschichte des Stifts ermöglichte. Der erste Stiftsprobst neuerer Zeitrechnung - Oberkirchenrat i.R. Dietrich Franke - zeigte sich zusammen mit Pfarrer Albrecht Lindemann zufrieden, dass im Jubiläumsjahr "800 Jahre Bartholomäi" auch die Stiftsgeschichte aufgearbeitet und der für die Zerbster Bevölkerung sichtbar gemacht wird. Im Rahmen der Festivitäten ist auf jeden Fall eine Wiederholung der Ausstellung geplant.