Ein halbes Jahrhundert: So lang gibt es die Zerbster Kulturfesttage. Es wurde in 50 Jahren viel experimentiert, es wurde diskutiert und es wurde gebangt. Heute ist es sicher wie nie: Die Festtage bleiben. Und warten 2015 mit mehr als 30 Veranstaltungen auf.

Zerbst l Willi Sitte, Gottfried Bammes, Franziska Schwarzbach: Drei Künstler mit einer Gemeinsamkeit - ihre Werke waren in den vergangenen 50 Jahren auf den Zerbster Kulturfesttagen zu sehen. Und sind deshalb zum Jubiläum in diesem Jahr Teil der Hauptausstellung im Museum. Egal ob Plastik, Zeichnung oder Fotografie - es wird einen Zusammenschnitt von dem geben, was sich zwischen 1966 und 2014 auf den Kulturfesttagen abgespielt hat.

Das kündigt Stadtsprecherin Antje Rohm gestern an. Und verrät die Namen lokaler Künstler von Gerhard Matthies, einem Mitbegründer der Festtage, über Paul Jünemann bis hin zu Christian Lorenz, deren Kunstwerke zu sehen sein werden. Doch auch und im Speziellen für die jungen Nachwuchskünstler sollen die Festtage wieder ein Podium bieten.

Auf dem Programm stehen Krimilesung, Liederabend, Modenschau und Theaterstück - alles organisiert von Vereinen und Ehrenamtlichen. Die Finanzierung für die Ausgaben steht. Einen Scheck in Höhe von 7000 Euro konnten Landrat Uwe Schulze und Markus Klatte, beide im Vorstand der Sparkassenstiftung Anhalt-Zerbst, gestern Bürgermeister Andreas Dittmann überreichen.

Werbematerialien und die öffentlichen Räume werden von der Stadt zur Verfügung gestellt, mit der Förderung der Sparkassenstiftung können die Veranstaltungen finanziert werden - Die jährlich hunderte Gäste in die Stadt locken. Antje Rohm hat dafür eine Erklärung: "Der Erfolg der Festtage liegt in der Mischung aus Hobby und professioneller Kunst." Für Uwe Schulze liegt das Geheimnis auch in den lokalen Größen. "Wenn Kunst heimat-gemacht ist, hat man dazu noch mal eine ganz andere Beziehung."

Von langer Hand geplant

Wessen Bilder oder Skulpturen gezeigt, welche Vorträge gehalten werden, darüber wurde bereits vor mehr als einem halben Jahr diskutiert. In Sachen Zeitplan ist bereits Routine eingekehrt. "Die Briefmarkenfreunde wissen, wann ihr Stempel fertig sein muss", nennt Dittmann ein Beispiel. "Doch die Routine endet, wenn über den Veranstaltungsplan geredet wird."

Neu in diesem Jahr: Selbst die Jüngsten punkten diesmal mit einer eigenen Ausstellung, macht Sprecherin Rohm neugierig. "Kleine Künstler - große Meister" wird das Motto in der Kindertagesstätte Knirpsentreff sein. Ein paar Jahre später könnten die Kleinen bereits Teil des Kunstwettbewerbs "Junge Kunst in Anhalt" sein. Eine Jury beurteilt die Werke, die im Francisceum während der Festtage ausgestellt werden. "Es gibt nicht viele vergleichbare Wettbewerbe für junge Menschen", erklärt der Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann stolz.

Dittmann war viele Jahre als Kulturamtsleiter für die Organisation der Festtage verantwortlich. Und erinnert sich: "Nach der Wende wurde viel diskutiert, ob wir die Kulturfesttage noch brauchen." Dann gab es Jahre, in denen man versucht habe, die Festtage in eine wärmere Jahreszeit zu verlegen oder auf Schüler-Arbeiten zu verzichten. "Das haben wir alles schnell bereut."

50 Jahre in einem Raum

"Was gerade Thema war, hat sich auch oft in den Plakaten wiedergefunden", sagt Dittmann. Und nennt das Beispiel der bröckelnden Stadtmauer, als Zerbst in Sachen Haushalt in einer schwierigen Lage war. Seit 20 Jahren entwirft Grafikdesignerin Steffi Heger die Werbeplakate. Was seit 1966 alles so aushing, wird in diesem Jahr im Foyer der Kreissparkasse in einer Ausstellung zu entdecken sein.

Worauf der Bürgermeister sich besonders freut? Auf den Besuch aus der Partnerstadt Nürtingen. Der Theaterspielclub wird das Stück "Vom Waschraum ins Ungewisse" dabei haben. Auch aus der zweiten Partnerstadt Jever wird es einen Beitrag geben. Das Künstlerforum richtet die Ausstellung unter dem Titel "Glück hat viele Farben" aus. In Sachen Abschlusskonzert bleiben die Organisatoren der Tradition treu. Der Rundfunkjugendchor Wernigerode wird am 29. März zu Gast sein. Und Dittmann will im Publikum sitzen: "Eine bekannte Größe, auf die ich mich schon jetzt freue."

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