Zerbst l Jutta Tuchen - Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons in Zerbst - feierte gestern das 25-jährige Bestehen ihres Geschäftes. "Die Liebe zum Beruf war nie weg", erklärt die Obermeisterin, die sich dennoch ganz allmählich zurückziehen möchte. Zumal sie in ihrer Tochter Alexandra Kauka bereits eine Nachfolgerin hat. "Sie ist allein auf die Idee gekommen, Friseurin zu werden", bemerkt Jutta Tuchen.

Sie selbst sorgt damals bei ihrer Mutter mit ihrem Berufswunsch für irritierte Blicke. "Sie ist fast aus allen Wolken gefallen", erinnert sich die gebürtige Hohenziatzerin. Auslöser für ihren Entschluss ist ein mit Tränen endender Friseurbesuch als junges Mädchen kurz vor der Jugendweihe. Noch immer hat sie die völlig unpassende, biedere und zugleich sehr voluminöse Fönwelle vor Augen. "Andere Menschen sollten nicht das Gleiche erleben wie ich", sagt Jutta Tuchen. Ihr Handwerk lernt sie in einem Geschäft im ehemaligen Bezirk Burg. Die Liebe führt sie schließlich nach Zerbst. Aus familiären Gründen legt sie zwischenzeitlich Schere und Kamm zur Seite und wechselt in die Verwaltung. "Ich habe beim Rat der Stadt Lindau gearbeitet." Dort taucht sie in die Welt der Buchhaltung ein und macht ihren Abschluss als Finanzkauffrau. "Das war ein Segen für meine spätere Entwicklung", erklärt die 58-Jährige mit Blick auf ihre spätere Selbstständigkeit. Zumal sie im Herzen nach wie vor Friseurin ist.

Schließlich kehrt Jutta Tuchen zur ihren beruflichen Wurzeln zurück. Sie arbeitet zunächst in einem Salon in der Fritz-Brandt-Straße. Dann kommt eine Offerte, die sie nicht wirklich ausschlagen kann: Friseurmeister Werner Wolf bietet ihr sein Geschäft auf der Heide an. Sie nimmt an und besucht gleichzeitig die Meisterschule, die sie 1991 erfolgreich abschließt.

Die Anfangsjahre sind hart. Doch Jutta Tuchen beißt sich durch, auch deshalb, weil die Familie die junge Unternehmerin unterstützt. 1994 eröffnet sie ein zweites Geschäft in Lindau. Neben ihrer Tochter, die seit 2006 ihren Meistertitel besitzt, beschäftigt sie heute drei weitere Mitarbeiterinnen. Die Vier teilen sich zwei Vollzeitstellen, wie die 58-Jährige erzählt. Als Grund führt sie den gesetzlichen Mindestlohn an. Reich wird man als Friseurin nicht. "Ich bin trotz alledem ein optimistischer Mensch", betont Jutta Tuchen lächelnd.

Vor allem eben liebt sie ihr Handwerk. Das erfordert neben Geschick und Talent nicht nur Fingerfertigkeit, Vorstellungsvermögen und Kreativität. Kenntnisse in Chemie und Biologie sind ebenso unabdingbar wie das Wissen um den Farbkreis. "Außerdem sind wir versteckte Psychologen", fügt die Obermeisterin hinzu.

16 Lehrlinge hat sie seit der offiziellen Geschäftseröffnung am 1. Februar 1990 bislang ausgebildet. Ihnen allen vermittelte sie vor allem zwei Dinge: "Eure Arbeit muss euch auch gefallen." Und: "Fragt lieber nochmal nach, was ein Kunde haben möchte." Leicht kann es da zu einem Missverständnis kommen.

Beliebt bei den jungen Mädchen und Frauen seien heutzutage Hochsteckfrisuren beispielsweise zur Jugendweihe, zum Abi-Ball oder zur Hochzeit, erzählt Jutta Tuchen von einem modernen Trend und einer nicht alltäglichen Herausforderung. Unterdessen seien die Haare bei den Herren immer kürzer geworden...

Seit 2009 gibt es im Salon übrigens ein Perückenstudio - eine Idee ihrer Tochter. Gerade Frauen, denen nach einer Chemotherapie die Haare ausfallen, nehmen das Angebot gern an und gewinnen so wieder neuen Lebensmut.