Der Andrang war groß, als am Dienstagabend Dr. Anja Schneider die Pläne für das künftige Hospiz in Zerbst in der Sankt Trinitatis-Kirche vorstellte. Rund 130 Besucher sahen sich die Vorstellung an und stellten der Geschäftsführerin Fragen.

Zerbst l In Zerbst soll ab September ein Hospiz entstehen. Dafür soll das ehemalige Pfarrhaus umgestaltet werden. Dieses steht seit rund zwei Jahren leer und bietet eine gute Ausgangslage um dort einen Ort für schwerkranke und sterbende Menschen zu schaffen. Zehn Betten sind geplant, erläuterte Dr. Anja Schneider, Geschäftsführerin der Anhaltischen Hospiz- und Palliativgesellschaft, am Dienstagabend in der Stankt Trinitatiskirche in Zerbst.

Dorthin hatte die Gesellschaft, die als Bauherr und Betreiber des Hospizes auftritt, zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Mehr als 130 Interessenten waren gekommen. Das Interesse an dem Vorhaben ist offenbar groß. Erst vor wenigen Tagen, beim Treffen der fünf karitativen Gesellschafter des Anhaltischen Hospizgesellschaft, sei entschieden worden, in Zerbst statt in Wittenberg ein Hospiz zu errichten. Darüberhinaus soll in Eisleben ein weiteres Hospiz entstehen. Den Einzugsbereich für die Zerbster Einrichtung beschrieb die Geschäftsführerin der Gesellschaft für Zerbst, Lindau und Loburg und weitere Erstreckungen in das Jerichower Land.

Zwischen 50 und 100 Betten werden in Hospizen je eine Million Einwohner benötigt, erzählte sie. Die nächste Einrichtung sei in Magdeburg, zehn Betten stünden dort zur Verfügung. Eine andere, das Anhalt-Hospiz in Dessau, betreibe die Gesellschaft schon. "Hospiz ist kein Haus", sagte Schneider den Anwesenden. Sondern es sei das Bestreben einem Sterbenden einen würdevollen Abschied zu ermöglichen und ihm Angst und Schmerzen zu nehmen.

Klassischerweise finde Hospiz in der heimischen Umgebung statt. Falls eine umfassendere Betreuung notwendig werde, sei ein stationäres Hospiz der richtige Ort.

Die erste Wahl sei das Grundstück des Pfarrhauses in der Rennstraße zunächst nicht gewesen, gab Dr. Schneider zu. Unter insgesamt sechs Grundstücken in Zerbst wurden zunächst einige auf dem Land prädestiniert. "Nach dem Vorbild in Dessau wollten wir alle Zimmer ebenerdig gestalten. So können die Bewohner immer Himmel und Erde sehen." Das sei wichtig, erläuterte die Rednerin. "Wer über lange Zeit immer nur den Himmel sieht, verliert irgendwann das Gefühl für Raum und Zeit."

Im Lutherhaus werden die Zimmer in der ersten Etage und im Dachgeschoss untergebracht. Die Bewohner können jedoch auch mit dem Bett auf zwei große Terrassen geschoben werden "oder in den Garten, dessen Bäume wir zum großen Teil erhalten wollen", fügte sie weiter an. So sei der Kontakt zu Himmel und Erde weiter gegeben. Den Ausschlag für das Lutherhaus habe letztlich "die Einbindung in die Gemeinde, in gemeindliches Leben gegeben", berichtete die Rednerin. Das sei wichtig, denn "wer denkt, Hospiz allein bestreiten zu können, hat Hospiz nicht verstanden", betonte Schneider. Daher habe die Gesellschaft auch einen Kooperationsvertag mit dem Malteser-Hilfsdienst geschlossen, der seit Anfang des Jahres einen mobilen Hospiz-Dienst in Zerbst und Umgebung anbietet.

Ebenso soll mit der Trinitatis-Gemeinde eine Kooperationsvertrag geschlossen werden. "Wir wollen gegenseitig auf uns achten", sagte Pfarrer Thomas Meyer, der das Projekt unterstützt.

Der früheste Baubeginn ist Mai, realistisch sei allerdings September dieses Jahres. "Im August 2016 könnte dann die Einweihungsparty sein", sagte Schneider.

Insgesamt soll rund eine Million Euro in das Projekt investiert werden. Neben Einzelzimmern mit Bad und rund 20 Quadratmeter Fläche gehören ein Wohnküche, Terrassen, ein Gastraum zum Übernachten von Angehörigen, eine Pflegebad und ein Sauerstoffkurraum zur Ausrichtung.