Verkehrserziehung gehörte in dieser Woche zum Lehrplan an der Lindauer Grundschule an der Burg. Anschaulich vermittelten Mitarbeiter des Busunternehmens Vetter den Erst- bis Viertklässlern, wie sie sich richtig an Haltestellen und in Bussen verhalten. Eindrucksvoll demonstrierten sie ihnen die drohenden Gefahren.

Lindau. Mühelos zermatscht der mächtige Reifen die rohen Kartoffeln. Staunend stehen die Mädchen und Jungen am Straßenrand. Sie können sich nun gut vorstellen, was passiert, wenn ein Bus über ihre Füße rollt. Zumal sie eben noch selbst mit aller Kraft vergeblich versucht haben, die Kartoffeln zu zerdrücken. Effektvoll verdeutlichen die beiden Busfahrer Martin Schiller und Mirko Kotzakoulakis den Lindauer Grundschülern die drohenden Gefahren im Straßenverkehr. Speziell geht es ihnen um das richtige Verhalten an Haltestellen sowie am und im Bus, wodurch sich letztlich die Sicherheit der Kinder erhöht. " Wir wollen dazu beitragen, dass die Kinder gesund zur Schule und nach Hause kommen ", erklärt Hans-Jürgen Wolf. Er ist Betriebsleiter beim Busunternehmen Vetter, das deshalb seit mehreren Jahren solche Sicherheitsschulungen durchführt.

Schulleiterin Margitta Sens begrüßt das Angebot der Firma. Immerhin sind über die Hälfte der Erst- bis Viertklässler Fahrschüler. Und wer es bislang nicht ist, ist spätestens mit dem Wechsel zur Sekundarschule beziehungsweise aufs Gymnasium auf den Schulbus angewiesen. So ist die lehrreiche Schulungsstunde für alle Schüler ein gutes Training, das jede Klasse einzeln absolviert. Am Dienstagvormittag steht die praktische Lektion in der dritten und vierte Klasse auf dem Unterrichtsplan, tags darauf in Klasse 1 und 2.

Immer sicheren Abstand zur Fahrbahn halten

Der grundsätzliche Ablauf ist stets der Gleiche und beginnt an der Bushaltestelle direkt vor der Grundschule. Den Anfang machen die Drittklässler. Martin Schiller fordert sie auf, sich mal so aufzustellen, als würden sie auf den Bus warten. Die Mädchen und Jungen nehmen nebeneinander und nah an der Straße Aufstellung und das ist riskant. Der Busfahrer rät ihnen, mindestens einen bis eineinhalb Meter von der Bordsteinkante Abstand zu halten. Der Grund erschließt sich den Kindern, als Mirko Kotzakoulakis den Bus vor ihnen stoppt und zum leichteren Einsteigen zum Fußweg hin absenkt. Und erst recht, als Dummy " Heidi " vom einbiegenden Bus erfasst wird.

Bezüglich des Einsteigens gibt Martin Schiller zu bedenken, dass die Bustür schmal ist. Deswegen ist es günstiger, sich hineinander in einer Zweierreihe aufzustellen. " Und bitte nicht drängeln ", betont Martin Schiller. Wie schnell kann da jemand stürzen und die anderen stolpern drüber ?

Bereits jetzt sollten sie ihre Busfahrkarte in der Hand halten, die nicht nur zum Mitfahren berechtigt. " Das ist auch ein Versicherungsschutz für euch ", wendet sich Mirko Kotzakoulakis an die Drittklässler. " Wenn ihr sie mal vergessen habt, könnt ihr das ruhig dem Busfahrer sagen ", beruhigt er sie, dass sie dann dennoch mitgenommen werden. Beim Verlust der Karte sollten sie der Schule Bescheid geben, ergänzt er.

Inzwischen sitzen die Schüler im Bus. Wo würden sie ihre Ranzen hintun ? " Vor unsere Füße ", " Oder auf den Schoß ", " Aber nicht in den Gang ", kennen die Mädchen und Jungen die richtigen Antworten. Sie wissen auch genau, wo sich die Notausstiege befinden. Martin Schiller berichtet, dass die Nothammer zum Einschlagen der Sicherheitsscheiben mitunter gestohlen werden. " Das gibt eine Strafanzeige bei der Polizei ", macht er den Kindern klar, dass die 86 Euro teuren Hämmer in Notfällen lebenswichtig sind. Sollten sie also beobachten, dass jemand einen Hammer einsteckt, sollten sie das dem Fahrer melden.

Schmierereien und Beschädigungen sind ein weiteres Thema. " Was schätzt ihr, was ein Sitz kostet ?", fragt Mirko Kotzakoulakis. Von 50 über 255 bis 500 Euro reichen die Angebote der Drittklässler und sind noch zu niedrig. " Ein Sitz kostet 700 Euro ", erzählt der Busfahrer und fügt hinzu, dass dieser Linienbus über 49 Sitze verfügt. " Da brauche ich einen Taschenrechner ", bemerkt ein Junge.

Aber nicht immer reichen die Sitzplätze für alle Fahrgäste aus. Dann, rät ihnen Mirko Kotzakoulakis, sollten sie sich, wenn es geht, mit beiden Händen an den Halterungen oder Stangen festhalten. Dabei sollten sie so stehen, dass sie in Fahrtrichtung gucken, um zu sehen, was passiert und frühzeitig zu erkennen, wenn der Busfahrer mal abrupt bremsen muss. Denn das kann gefährlich werden, wie die Grundschüler bei der Bremsprobe erleben. Bei 20 km / h führt Mirko Kotzakoulakis eine Gefahrenbremsung durch, die die Mädchen und Jungen in ihren Sitzen nach vorne drückt. Die 35 Kilo schwere " Heidi ", die locker im Mittelgang stand, schleudern die Kräfte derweil mehrere Meter durch den Bus. Selbst bei solch geringem Tempo gebe es bereits enorme Verletzungen, weiß Mirko Kotzakoulakis.

Nicht weniger beeindruckt die Kinder die Strecke, die ein Bus bei 50 km / h in einer Sekunde – der Schrecksekunde, die jeder braucht, um zu reagieren – zurücklegt. Weiter und weiter rollt das Maßband aus. Erst bei fast zwölf Metern ertönt das Stopp und die Drittklässler blicken in die Ferne.

Nie vor dem Bus über die Straße gehen

Die Mädchen und Jungen stehen nun wieder an der Haltestelle. Vorbildlich sind sie ausgestiegen. Einen Tipp hat Martin Schiller dennoch für sie : vorher kurz nach rechts zu schauen, um im Falle eines Radwegs zu überprüfen, dass nicht gerade ein Radfahrer kommt. Und dann sollten sie den Bus wegfahren lassen, ehe sie über die Straße laufen. Vor allem sollten sie die Fahrbahn nicht vor dem Bus überqueren. Warum das nicht empfehlenswert ist, merken die Drittklässler rasch selbst, als sie mal soweit vorgehen sollen, bis sie erkennen können, ob sich von links ein Fahrzeug nähert. Als sie die vom knapp drei Meter hohen und 2, 50 Meter breiten Bus verdeckte Straße endlich einsehen können, stehen sie schon fast in der Mitte der Fahrbahn.

Zurück in dem 27 Tonnen schweren Gefährt, widmen sich die Schüler den Piktogrammen. Diese seien nicht angebracht, um sie zu ärgern, sondern zu ihrer eigenen Sicherheit, bemerkt Mirko Kotzakoulakis. Dabei hat er die stilisierten Hinweise im Blick, die das Essen und Trinken im Bus verbieten und das weniger wegen möglicher Verschmutzungen, als vielmehr wegen der potentiellen Verletzungsgefahr.

Martin Schiller nutzt die Gelegenheit, die Kinder zu bitten, Handys und MP 3-Player unterwegs nicht zu benutzen. Laute Musik und Klingeltongeräusche verhindern, dass der Busfahrer akustische Signale wie ein Martinshorn wahrnimmt.

Mit einer Fragerunde endet die Schulung. " Warum muss man sich im Auto anschnallen und im Bus nicht ?", will ein Junge wissen. " Weil es der Gesetzgeber nicht verlangt ", erklärt Mirko Kotzakoulakis, dass im Linienbus keine Anschnallpflicht gilt. Sollten jedoch Gurte im Bus vorhanden sein, ist der Fahrgast verpflichtet, sich anzuschnallen. Die Firma Vetter habe 14 neue Busse gekauft, die mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sind, informiert er. Mit nützlichen Hinweisen zum sicheren Busfahren im Kopf setzen die Drittklässler ihren normalen Unterricht wenig später fort.

Jede Schule, die Interesse an einem solchen Verkehrssicherheitstrainung hat, kann sich an Hans-Jürgen Wolf wenden.