Der mögliche Umbau des Bahnhofsvorplatzes erregt die Gemüter. Bei der Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses machten etliche Bürger deutlich, dass sie die Grünfläche erhalten wollen.

Zerbst l Der einzige schöne Punkt am Bahnhof sei das Grün, dass einem entgegenleuchtet, wenn man den Bahnhof verlässt, sagte Brigitte Stiehler bei der Sitzung des Bau- und Stadtentwicklungsausschusses. Sie sei daher dagegen, auf der Grünfläche einen Parkplatz zu errichten. Die Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs sei doch dafür viel sinnvoller, erklärte sie. Warum das nicht machbar sei, wollte sie wissen.

Wie sie sahen das viele Bürger, welche die Einwohnerfragestunde nutzten, um die Mitglieder des Ausschusses mit Anfragen zu dem Thema. Auf der Agenda stand nämlich auch eine Diskussion der Räte zu dem Thema. Überlegt wird, einen Parkplatz für "Park and Ride" für 50 oder mehr Fahrzeuge am Bahnhof zu errichten. Die Grünfläche vor dem Bahnhof galt als möglicher Standort für den Platz.

Bauausschussvorsitzender Sebastian Siebert (SPD) unterbrach die Sitzung, damit die Anwesenden sich äußern konnten. Denn Wortmeldungen durch Bürger zu Themen auf der Tagesordnung sind nicht gestattet.

80 Prozent der Stadt seien am 16. April 1945 vernichtet worden, weitere zehn Prozent beim Wiederaufbau durch die DDR, "die letzten zehn Prozent zu erhalten, darum geht es mir", sagte Rainer Frankowski aus Zerbst. Sonst könne niemand von Touristenstadt reden, wenn es keine Sehenswürdigkeiten mehr gebe. Andere Anwohner beklagten sich über das Parken der Busse in unmittelbarer Nähe der Wohnungen, sodass keine Fenster geöffnet werden könnten. Lärm und Abgase würden die Anwohner der Karl-Marx-Straße jetzt schon sehr belasten. Das würde sich noch mit einem Parkplatz vor dem Bahnhof noch steigern.

Andere sahen die Notwendigkeit eines Parkplatzes ein, aber nicht an dieser Stelle oder mahnten zur Geduld, dass die Bahn sich über den Verkauf der Fläche des ehemaligen Güterbahnhofes doch noch bewegen ließe. Zudem seien die Zeiten der Kehrmaschine unglücklich gewählt, weil dadurch jeweils an einem Tag eine Hälfte der Karl-Marx-Straße zum Parken ausfalle, wenn man dort den ganzen Tag stehen müsse.

"Viele wissen gar nicht, dass dort einst ein Güterbahnhof war", sagte Dietrich Franke, der ebenfalls sein Anliegen vortrug. Ob es stimme, dass die Bahn die Fläche selbst benötige, um dort eine Überholmöglichkeit zu schaffen, wollte er wissen.

"Anreisende denken dann vielleicht, dass Zerbst doch nicht so schlimm ist, wie der Bahnhof es verspricht."

Dietrich Franke, Zerbst

Den Vorplatz selbst halte er für sehr wichtig für Zerbst. Er sei wie ein Ausrufezeichen nach dem verkommen Bahnhof. "Anreisende denken dann vielleicht, dass Zerbst doch nicht so schlimm sei, wie der Bahnhof es verspricht."

Er sei froh, dass die Bürger die Fragen im Ausschuss stellen, sagte Bürgermeister Andreas Dittmann. "Was bislang durch Leserbriefe (in der Volksstimme, A.d.Red) geäußert wurde, geht komplett an der Realität vorbei", betonte er.

Der Hinweis auf den Güterbahnhof sei richtig, aber "seit drei Jahren verhandeln wir mit der Deutschen Bahn über den Erwerb von Flächen auf dem Güterbahnhof, um dort diesen Parkplatz zu schaffen." Bis heute habe die DB Immobilien keine Aussage treffen können, wann sie denn in der Lage sei, über den Verkauf dieser Flächen zu sprechen, erläuterte Dittmann. Pachten oder Mieten sei im Übrigen ausgeschlossen, lehnte der Bürgermeister einen Vorschlag ab, denn "wenn wir soviel Geld investieren, dann müssen wir auch sicher sein, dass es von Dauer ist." Deswegen sei nur der Kauf in Frage gekommen. Das Ganze habe seit Jahren zu keinem Erfolg geführt. Daher werde nun nach Alternativen gesucht um für die Berufspendler - das seien mehr als viele glauben - einen Parkplatz zu schaffen.

Natürlich würde zunächst über eigene Flächen nachgedacht werden, betonte Bürgermeister Andreas Dittmann. Er betonte aber auch: "Nicht vorgesehen ist das Entfernen der Flächen links und rechts der momentan mit Stiefmütterchen bepflanzten Mittelfläche. "Wir sind uns hier im Ausschuss und sicher auch im Stadtrat der Bedeutung der Baumflächen bewusst", fügte er an. Als Erweiterungsfläche könnten auf der gegenüberliegenden Seite Flächen dienen, informierte der Bürgermeister. Aber auch dort habe die DB Netz den Güterbahnhof noch nicht freigegeben. "Damit liegt dort noch die Zweckbindung als Güterbahnhof drauf."

"Wir werden trotzdem weitere Versuche mit der Bahn unternehmen."

Bürgermeister Andreas Dittmann

Nicht vorgesehen sei zudem, dass dort eine Ausweichmöglichkeit für die Bahn geschaffen werden, richtete Dittmann an Franke. "Die letzte Weiche ist einmal in Rodleben und einmal in Güterglück. Dazwischen gibt es überhaupt keine Weichen mehr, daher ist es technisch unmöglich, eine Überholspur zu den zwei Gleisen in Zerbst einzubauen."

Obwohl nun nach Alternativen gesucht werde: "Wir werden trotzdem weitere Versuche mit der Bahn unternehmen", betonte der Bürgermeister. Auch ein Mitglied des Landtages aus dem Verkehrsausschuss habe an die Bahn den Zerbster Wunsch vorgetragen.

"Aber: Wir kommen irgendwann in diesem Jahr an einen Punkt, wo der Stadtrat nur noch entscheiden kann, entweder gar nicht zu bauen oder eine Lösung anzugehen." Die Fördermittel - immerhin 90 Prozent - seien nicht für immer verfügbar. Um das in Gänze ausloten zu können, gebe es am 21. Mai nochmal eine öffentliche Informationsveranstaltung, um alle Informationen öffentlich darzulegen. "Ich bin eben auch noch darauf hingewiesen wurden, dass 17 Uhr keine glückliche Zeit ist. Wir werden sie wahrscheinlich auf 19 Uhr verlegen, um möglichst vielen Berufspendlern die Möglichkeit zu geben, daran teilzunehmen." Zudem solle die Idee zunächst in den Fraktionen diskutiert werden. Am Ende entscheide sowieso der Stadtrat darüber, ob diese Maßnahme überhaupt stattfindet.

Holger Behnke (CDU) meinte: "Ich möchte mich mal als betroffener Bahnfahrer melden. Parken ist dort ein echtes Problem. Wer früh fährt muss sehen, wo er überhaupt einen Platz finde, an dem er während des Tages stehen kann." Dass der Park vor dem Bahnhof dafür genutzt werde, halte er für Schwachsinn. "Fakt ist: Passieren muss etwas."

Christiane Schmidt, Grüne, sagte: "Es gab in meiner Fraktion nur Ablehnung." Da die Parkplatznot besonders an den Tagen groß sei, an denen die Kehrmaschine fahre, sei die Frage aufgekommen, könne da nicht die Ursache verändert werden? "Kann sie nicht zu Zeiten kommen, an denen es auskömmlicher ist mit dem Parken?" Ob nicht Fördermittel darauf verwendet werden können, die Fahrradständer zu überdachen, um es attraktiver zu machen, mit dem Rad zum Bahnhof zu fahren. Sie wisse, das sei nur ein kleiner Beitrag, aber vielleicht helfe dieser schon.

Eine Veränderung an der Karl-Marx-Straße sei sicherlich nicht ganz einfach, weil dort das Land als Baulastträger zuständig sei und nicht Zerbst, gab Hans Ulrich Müller (UWZ) zu bedenken. Wenn das allerdings möglich sei, dann wäre er für ein Parkverbot auf der einen Seite und schräge Parktaschen auf der anderen. So wäre jedem geholfen, denn dann würden noch mehr Wagen als heute dort hinpassen. Und auf Parkplätzen muss die Kehrmaschine nicht fahren. "Wenn es denn so einfach wäre", schloss er. Alfred Schildt (Linke) plädierte für weiteres Ideensammeln. Seine Fraktion sei bei dem Thema sehr gespalten. "Da der Güterbahnhof ausfällt, überzeugt keine andere Möglichkeit."