Ein Stück der Zerbster Stadtmauer ist eingestürzt ( die Volksstimme berichtete ). Auch angrenzende Bereiche machen einen instabilen Eindruck. Wenn ab Juli die Luther-Promenade ausgebaut wird, muss mit erheblichen Erschütterungen gerechnet werden. Hält die Mauer das aus ?

Zerbst. " Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. " Hochbau-Amtsleiterin Kerstin Gudella sieht den Kreisstraßen-Ausbau der Dr. Martin Luther-Promenade mit einigem Misstrauen entgegen. Werden Fuß- und Radwege abgerüttelt, könnte die betagte, aber bis jetzt als geschlossenes Bauwerk vorhandene Mauer weitere Meter in sich zusammenfallen. " Wir werden den Bereich auf jeden Fall entsprechend absperren. "

In allernächster Zeit sollen weitere Mauerkronen-Meter einen Schubs bekommen. Der Abschnitt wurde vor wenigen Tagen gemeinsam beurteilt : Lutz Köcher von der Unteren Denkmalbehörde war neben Planer Tilo Feldmann Partner der Amtsleiterin. " Zur Gefahrenabwehr werden einige Steine von der Mauerkrone geschoben. Parallel wird eine Maßnahme bei der Beschäftigungs- und Ausbildungsgesellschaft vorbereitet, bei der anschließend die Steine geborgen, auf Wiederverwendbarkeit beurteilt und zur Verwahrung geschafft werden ", erklärt Frau Gudella.

Damit sind die prophylaktischen Maßnahmen offenbar beendet. Dass die Mauer an manchen Stellen fast bis ins zugegeben dürftige Fundament hinein frei steht, seit die Schrebergarten-Schuppen entfernt wurden, ist offenbar unerheblich. Übersteht die Mauer den Straßenbau ? " Wir gehen davon aus, aber man kann da wirklich nicht sicher sein. " Die Mauer soll weder vorab untersucht werden noch sollen umfangreichere Stütz- oder Sicherungsmaßnahmen erfolgen.

Grundsätzlich werde die Verwaltung einen Wiederaufbau vorschlagen. " Daran kann man aber frühestens im nächsten Jahr denken. "

In vielen Städten sind die mittelalterlichen Stadtmauerreste in besserem Zustand als in Zerbst. Hier aber ist das Gemäuer noch in seiner kompletten Ausdehnung vorhanden – nahezu einzigartig. Kann die Stadt dessen Einsturz riskieren ? Bestenfalls wäre die " kalkulierte Flurbereinigung durch Einsturz " eine Vorstufe zum Wiederaufbau. Den müsste der Stadtrat anschieben.