Die ersten Flüchtlingsfamilien sind jetzt auf Zuteilung des Landkreises in Zerbst eingetroffen. Untergebracht sind sie dezentral innerhalb der Stadt in Wohnungen der BWZ. Betreut werden die Asylbewerber von den Euro-Schulen Bitterfeld-Wolfen.

Zerbst l Die ersten drei Flüchtlingsfamilien sind in Zerbst eingetroffen. Es handelt sich um zwölf Erwachsene und Kinder aus Albanien. Bereits 2014 ist der Landkreis zwecks der Unterbringung von Asylbewerbern an die Stadt herangetreten. "Als Kommune haben wir unseren Beitrag zu leisten", sagt Andreas Dittmann (SPD). Ziel des Kreises ist, die Neuankömmlinge dezentral auf Wohnungen zu verteilen. "Wir wollen keine weitere Konzentration durch Gemeinschaftsunterkünfte", begründet der Zerbster Bürgermeister, zugleich Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion.

Zunächst werden fünf Wohnungen bereitgestellt

Die Stadt kommt ihrer Verpflichtung, Flüchtlinge aufzunehmen, über die Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ) nach. Über das kommunale Unternehmen werde leerstehender und bislang nicht vermietbarer Raum bereitgestellt, führt Andreas Dittmann aus. So hat die BWZ ab Mai 2015 zunächst einmal fünf Wohnungen an ein Drittunternehmen vermietet, welche diese mit dem Nötigsten möbliert und dem Landkreis zur Verfügung stellt.

Dort sind die drei Familien in dieser Woche eingezogen. Die Mieter in den betreffenden Eingängen wurden vorab durch die BWZ mit entsprechenden schriftlichen Mitteilungen über die Belegung informiert, wie Geschäftsführerin Daniela Kock mitteilt.

Ob und wann mit weiteren Asylbewerbern in Zerbst zu rechnen ist, ist bislang nicht bekannt und hängt von der Verteilung durch den Landkreis ab. "Dennoch sind wir bemüht, möglichst langfristig zu erfahren, wen wir erwarten und wann ein Bezug erfolgt", bemerkt Daniela Kock. Einfluss auf die Herkunft oder Nationalität der Bewohner habe der Kreis allerdings nicht, wie sie weiß.

Sozialarbeiter wird sich um Flüchtlinge kümmern

Die soziale Beratung, Betreuung und Begleitung der Flüchtlinge und Asylbewerber erfolgt durch die Euro-Schulen Bitterfeld-Wolfen. "Das Projekt im Auftrag des Landkreises läuft inzwischen seit September 2013", erklärt Heike Richter. Seither hätten sie fast 500 Personen betreut, erzählt die Fachbereichsleiterin Deutsch und Zuwanderer, die sich hier als Sozialarbeiterin selbst direkt miteinbringt. "Der Betreuungsschlüssel beträgt ungefähr 1 zu 70", berichtet sie.

Für Zerbst soll eigens ein Mitarbeiter eingestellt werden, der sich vor Ort intensiv um die Belange der Betroffenen kümmert. Ziel sei jedoch, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Mit Blick auf die größte existierende Hürde verweist Heike Richter auf die "Sprachwerkstatt für Zuwanderer", die bereits an der Zerbster Euro-Akademie besteht. Dort soll ein kostenloses Angebot für Flüchtlinge geschaffen werden, bei dem sie Deutsch lernen können. "Darüber hinaus suchen wir immer wieder neue Partner", bemerkt sie.

Bei Hartmut Neuhaus trifft sie da auf offene Ohren. Der Pfarrer der katholischen Pfarrei Heilige Familie, zu der auch die St. Jakobus-Gemeinde in Zerbst gehört, hat über die Facebook-Seite der Stadt von der Ankunft der Flüchtlingsfamilien erfahren. "Wenn irgendwelche Hilfe benötigt wird, wir helfen gern", bestätigt er noch einmal gegenüber der Volksstimme. Wenn es sich bei den Asylbewerbern beispielsweise um Christen handelt, könnten sie ihnen vielleicht ein Stück Heimat bieten, überlegt er. Mit eigenen familiären Wurzeln in Ostpreußen weiß Hartmut Neuhaus, dass der Glaube in der Fremde wichtigen Halt geben kann.

Innerhalb von Zerbst hält die BWZ bis zu 15 Wohnungen zur Unterbringung von Asylbewerbern bereit. "Dabei achten wir - soweit es uns möglich ist - auf eine ausgewogene Verteilung der Wohnungen über das gesamte Stadtgebiet und eine Höchstbelegung der Wohnungen, so dass keine außergewöhnlichen Belastungen der übrigen Mieter entstehen", erklärt Daniela Kock.

BWZ nimmt Kontakt zu weiteren Vermietern auf

Die BWZ hofft dennoch, dass sie sich nicht als einziges Unternehmen der Verantwortung stellt und hat diesbezüglich bereits Kontakt zu anderen örtlichen Vermietern aufgenommen. "Wir sehen diese Aufgabe als Gemeinschaftsaufgabe, da auch wir nur begrenzte Möglichkeiten zur ausgewogenen Verteilung besitzen", betont die Geschäftsführerin.

Wie auch Andreas Dittmann hofft sie, dass die albanischen Familien von der Bevölkerung willkommen geheißen werden. "Wir werben um Verständnis und auch die Unterstützung der Zerbster bei der Aufnahme der Flüchtlinge", formuliert es der Bürgermeister.