Mit großer Mehrheit hat sich der Ortschaftsrat Lindau am Montagabend für den Kauf des Schulgeländes entschieden. Das Areal befindet sich derzeit noch im Besitz des Landkreises. Die Ortschaftsräte wollen gegen den Platzmangel in der Grundschule vorgehen und die Einrichtung langfristig sichern.

Lindau. Kleine Beträge spielten zur Beratung des Lindauer Teils des Entwurfs des Zerbster Haushaltsplanes überhaupt keine Rolle. Wieviel Geld der Ortsbürgermeister für Ehrungen und Jubiläen ausgeben darf, wieviel die Bewirtschaftung der Grundstücke 2010 kosten darf, ist schon vor einem Dreivierteljahr im Gebietsänderungsvertrag festgeschrieben worden. Zur ersten Sitzung des Ortschaftsrats seit der Eingemeindung in die Stadt Zerbst ging es nur um große Zahlen.

Über eine Rücklage in Höhe von rund 210 000 Euro verfügt Lindau noch. Zwei Vorschläge, das Geld zu investieren, lagen den Ortschaftsratsmitgliedern schriftlich vor. Variante 1 sah den Straßenbau in der Deetzer Straße analog zur Goethestraße 2009 vor. Hier gibt es bereits einen von beiden Seiten unterzeichneten Vertrag mit dem Landkreis. Dieser würde sich 2010 mit 18 000 Euro beteiligen und 2011 rund 96 000 Euro zuschießen. Während Lindau ( Zerbst ) für den Ausbau des Fußweges zuständig ist, überzieht der Landkreis die Fahrbahndecke mit einer vier Zentimeter starken Bitumenschicht. Außerdem muss der Regenwasserkanal erneuert werden.

Variante 2 hatte den Ankauf des Schulgeländes zum Inhalt. Neben dem Kaufpreis von 168 000 Euro kommen Folgekosten von mehr als 10 000 Euro pro Jahr für die Unterhaltung des Grundstücks auf die Stadt zu.

Variante 2 hätte " permanenten Knatsch und Diskussionen mit Zerbst " zur Folge, eröffnete Helmut Seidler die Diskussion. Der Ortsbürgermeister machte nicht den Eindruck, als würde er davor zurückschrecken. Bequemer wäre es, die Deetzer Straße zu nehmen und die Schule Schule sein zu lassen. Allerdings würde man dann eines Tages da stehen und ... – weiter musste Helmut Seidler nicht sprechen. Jeder wusste, dass er von der Schulschließung sprach. Er räumte ein, dass es Zerbster gebe, die alles für das Umland argwöhnisch betrachten würden : " Brauchen die Dorfjacken das denn überhaupt ?"

" Wir möchten die Schule halten ", positionierte sich Christa Bernau. " Mit der Schule geht die Kultur. " Zwar stehe sie grundsätzlich für Straßenbau ein, aber ihr Herz würde an der Schule hängen.

An die Schließung der Sekundarschule, an der die Lindauer immer noch zu knabbern haben, erinnerte Gernot Rosenauer. Auch er sprach sich dafür aus, die Grundschule mit allen Mitteln zu halten.

Nach der Prognose für die Grundschule an der Burg erkundigte sich Iven Eisfeld. " Für uns ist die Schule sehr wichtig. " Die Schule stehe und falle mit der Kinderzahl, sagte Kerstin Gudella aus der Verwaltung. Sie verwies auf die Nutzungsvereinbarung auf unbestimmte Zeit, die es zwischen Landkreis und Lindau schon jetzt für das Schulgelände gebe. Die Vereinbarung reiche aus, um Fördermittel für die Sanierung der maroden Vorburgmauer zu beantragen, die den Pausenhof der Grundschule teilweise begrenzt.

" Entscheidend ist, dass wir das Gelände weiterhin nutzen können. Warum sollen wir uns mit 10 000 Euro pro Jahr belasten ?", fragte Dietrich Götze. " Die Bedingungen an der Grundschule können wir nur verbessern, wenn wir Eigentum haben ", merkte Maik Gericke an. Er verwies auf die volle Lindauer Kita.

" Entscheidung für den Ankauf heißt : kein Ausbau in der Deetzer Straße ", rief Helmut Seidler in Erinnerung. Er prognostizierte einen Kampf mit der Stadt und die Möglichkeit, zweiter Sieger zu sein.

" Das, was für unsere Kinder rauszuholen ist, sollten wir rausholen. Aber nicht, wenn es zum finanziellen Kollaps führt ", setzte Annett Seeger hinzu. Iven Eisfeld fragte, wie man die Entscheidung den Anwohnern der Deetzer Straße erklären soll ?

Bei der Abstimmung sprach sich eine große Mehrheit für den Ankauf des Schulgeländes aus. Die jährlichen Mehrkosten für Unterhaltung und Bewirtschaftung sollten für die Zerbster nicht das Problem sein. Schließlich wandere das Lindauer Steueraufkommen ja in den Stadthaushalt.

Am Rande der Ortschaftsratssitzung mit der Entscheidung gegen die Straße ganz frisch konfrontiert, sagte Rosemarie Baseler, die sich jahrelang für eine Verbesserung der Deetzer Straße stark gemacht hat : " Das haut mich vom Hocker. "

Vorschnell sei die Entscheidung nicht getroffen worden, reagierte Christa Bernau. Seit September habe man sich mit der Thematik bereits befasst.