Die Struktur der Freiwilligen Feuerwehr der Einheitsgemeinde Zerbst steht. Offen sind noch Fragen wie die zur Höhe der Aufwandsentschädigung für Ortswehrleiter oder zur Anzahl der stellvertretenden Ortswehrleiter. Angesichts knapper Kassen stehen beide Fragen in engstem Zusammenhang. Am Donnerstag will ein eigens gebildetes Gremium diese Fragen klären.

Zerbst. Seit Anfang August wird an einer Satzung für die neue Freiwillige Feuerwehr der Einheitsgemeinde Stadt Zerbst gearbeitet. Zum 1. Januar sind alle Stadt- und Gemeindewehren der neuen Einheitsgemeinde miteinander verschmolzen. Aus Gemeindewehrleitern wurden Ortswehrleiter, die bisherige Stadtwehrleitung behält diese Bezeichnung, ist jedoch nunmehr für die große Einheitsgemeinde-Feuerwehr zuständig. Die Zerbster Wehr wird von Ortswehrleiter Steffen Schneider geführt.

Nicht teurer werden

Diese Struktur einvernehmlich zu entwickeln und einzuführen, war bei manchem Kameraden stark emotional begleitet. Wie soll mit den unterschiedlich hohen Aufwandsentschädigungen verfahren werden ? Und braucht nicht jede Ortswehr wie früher, als sie noch Gemeindewehr war, einen stellvertretenden Leiter ? " Das sind im Prinzip die beiden wesentlichen noch nicht abschließend geklärten Fragen ", erklärte der Stadtwehrleiter Zerbst, Jürgen Dornblut. Nach Veröffentlichung einer Lesermeinung zur Diskussion über die Höhe von Aufwandsentschädigungen ( Leserpost von Fritz Schmidt, Zerbster Volksstimme vom 30. Dezember 2009 ) bedankte er für das darin geäußerte Lob. " Ich verstehe das zugleich als Aufforderung und kritischen Hinweis, die Angelegenheit nun zügig zu regeln. "

Tatsächlich war die Feuerwehrsatzung bereits mehrfach nahezu beschlussreif vorgelegt worden, jedoch unmittelbar vor der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrates zurückgezogen worden. " Es gab die Befürchtung, dass die Satzung so nicht durchkommt und abgelehnt wird. Das wollte man nicht riskieren. " Um vorwärts zu kommen, wurde im Dezember ein sachkundiges Gremium aus zuständigen Personen gebildet. " Wir tagen am 7. Januar bereits zum dritten Mal ", so Dornblut. Dem Gremium gehören neben dem neuen Zerbster Ordnungsdezernenten Andreas Fischer der in der Stadtverwaltung für Brandschutzbelange zuständige Mitarbeiter Thomas Sanftenberg, der stellvertretende Abschnittsleiter Heiko Bergfeld, die Ortswehrleiter Fritz Maschke ( Lindau ), Denis Barycza ( Jütrichau ), Steffen Schneider ( Zerbst ) sowie Stadtwehrleiter Jürgen Dornblut selbst an. " Wir werden nun abschließend beraten über die Höhe der Aufwandsentschädigungen für Ortswehrleiter und die Anzahl von Stellvertretern für Ortswehren wie auch den Stadtwehrleiter. " Grundsätzlich gelte die vom damaligen VG-Leiter Andreas Fischer ausgegebene Maßgabe, dass die ehemalige Summe aller Aufwandsentschädigungen durch die neue Feuerwehrstruktur nicht steigen dürfe. Allerdings, so Dornblut, sei die neue Einheitsgemeinde-Stadtwehrleitung bislang ja überhaupt nicht vorhanden gewesen. " Das sollte auch berücksichtigt werden. Zum anderen hat es in der Frage bereits etliche Hinweise aus nahezu allen Stadtratsfraktionen gegeben, dass man im Stadtrat eine geringfügige Steigerung der Summe aller Aufwandsentschädigungen mittragen würde. "

Knappe Hilfsfrist

Leser Schmidt hatte am Beispiel des Kaufhausbrandes im Zerbster Zentrum im März 1980 erklärt, damals habe es offenbar gar keine Wehr gegeben, was sehr tragisch wäre. Das Haus brannte nieder, obgleich die Feuerwehrautos nur fünf Minuten vom Brandort entfernt standen. Dazu Dornblut : " Die bloße Entfernung ist kein Maßstab. Wir sind eine freiwillige Feuerwehr. Die Kameraden müssen alle erst einmal ins Gerätehaus gelangen, ehe sie mit den Fahrzeugen ausrücken können. Wir haben eine Hilfsfrist von zwölf Minuten bis zum Einsatzort. Das ist unglaublich wenig. "

Auf die Bemerkung zur Nachwuchsarbeit bezogen erklärte Dornblut. " Die hat einen sehr großen Stellenwert bei uns. Die Zerbster Wehr ist unter den 28 Ortswehren eine der sechs, die auch tagsüber noch durchgängig einsatzbereit sind. Das gelingt aber nur, wenn wir uns sehr um Nachwuchs bemühen. Aus der aktuellen Jugendwehr beispielsweise stehen zwei junge Kameraden unmittelbar davor, in die Reihen der Einsatzkräfte aufgenommen zu werden. " Grundsätzlich habe Leser Schmidt jedoch nicht unrecht : Alles Bemühungen dienen der Brandbekämpfung und Hilfeleistung. Das ist das Wichtigste ", so Dornblut. " Ich würde mich freuen, wenn sich viele weitere Einwohner der großen Einheitsgemeinde zu Fragen der neuen Feuerwehrstruktur äußern. "