Dessau-Roßlau / Zerbst. " Abgewinkelter Vierkantstab mit anschließendem zylindrischen Griff " – so die einfache Beschreibung einer Türklinke, die zu den Design-Ikonen des 20. Jahrhunderts gehört. Kurz " Gropius-Drücker " genannt. Walter Gropius ( 1883-1969 ), Architekt und Bauhausgründer, hatte diese markante Form 1922 in Weimar entworfen. Im Dessauer Meisterhaus Muche wurde jetzt die Ausstellung " Der Gropius-Drücker – die Geschichte einer Türklinke " eröffnet.

Harald Wetzel, Vorsitzender des Fördervereins Meisterhäuser, gibt mit Exponaten seiner privaten Sammlung einen Überblick vom ersten Entwurf des " Gropius-Drückers " für die Werkbundfabrik bis zur Wiederentdeckung 1983 durch eine deutsche Firma.

" Mitte der 90 er Jahre hatte ich als Angestellter des Bauhauses Dessau erstmals mit diesen Türdrückern zu tun ", erinnert sich Harald Wetzel des " Erstkontaktes " und gleichzeitig des Beginns seiner Sammeleidenschaft und Forschungstätigkeit. " Zunächst habe ich Flohmärkte abgegrast. Auch habe ich bei Gebäudeabrissen oder Sanierungen in Absprache mit den Verantwortlichen gesucht. So fand ich unter anderem beim Dessauer Konsumgebäude einige Gropius-Drücker-Garnituren, die bereits im Abfallcontainer lagen ", berichtet Harald Wetzel. 1996 nahm er auch Kontakt zum Zerbster Heimatforscher und Ehrenbürger der Stadt Zerbst, Erich Hänze, auf, um sich mit ihm über Türdrücker auszutauschen und auch Einblicke in seine Sammlung zu nehmen. Seit 2001 vollziehe sich die Suche überwiegend über Ebay.

Die jetzige Ausstellung von Originaltürdrückern der verschiedenen Entwicklungsstadien mit Rosetten und Schildern, auch einigen Nachgüssen, Fotografien der Gebäude, an denen sich Gropiusdrücker befunden haben beziehungsweise befinden, Katalogauszügen produzierender Firmen, Werbeunterlagen, Büchern, Faksimiles von Gerichsturteilen und Texten lässt die interessante Geschichte gut nachvollziehen. Zu den Gebäuden, an denen Gropius-Drücker verwendet wurden, gehören unter anderem natürlich das Bauhaus Dessau, ebenso die Dessauer Siedlung Törten, das Konsumgebäude und das Arbeitsamt in Dessau sowie das Stadtheater Jena, das Haus Lange in Krefeld und die Altstädter Schule in Celle. In Celle im dortigen Haesler-Haus ist die Ausstellung im Sommer 2009 bereits auf großes Interesse gestoßen.

Revolutionärer

Gestaltungsschritt

Der Nachguss einer ebenfalls von Gropius stammenden Türklinke mit geschwungener, fast verspielter Form aus dem Jahr 1914 für ein Kölner Werkbundgebäude und die erste, noch mit Rundstab versehene " neue " Klinke dokumentieren gleich zu Beginn der grafisch übersichtlichen Exposition den " revolutionären Gestaltungsschritt " von Walter Gropius. hin zu klaren geometrischen Formen.

Harald Wetzel stellt zudem die Verbindung zur Berliner Bronzegießerei S. A. Loevy dar, die auch für Gropius eine " erste Adresse " war. Im Streit um die Urheberschaft des Gropius-Drückers, die sich Loevy sichern wollte, wurde nach mehr als dreijährigen Gerichtsverhandlungen am 13. Januar 1933 vom Reichsgericht Leipzig die letztgültige Entscheidung getroffen, dass diesem Drücker " keine eigentümliche künstlerische Schöpfung innewohnt " und folglich auch keine Urheberschaft erteilt werden könne. Folglich konnte jeder solche Drücker produzieren. Kriegsbedingt wurde 1940 die zivile Produktion der Drücker eingestellt, nachdem zuvor bereits ein Wechsel der eingesetzten Materalien erfolgte.

Die Bremer Firma " Tecnolomen " war 1983 die " Wiederentdeckerin " der Gropius-Drücker und bietet sie seither insbesondere als Designprodukte an. Inzwischen gibt es zahlreiche weitere Produzenten.