Die Rettung eines Baudenkmals – ist zweimal gelungen. Einmal in den 1970 er Jahren, als der schon beschlossene Abriss abgewendet werden konnte. Zum anderen seit 1991, seit der Förderkreis St. Nicolai durch Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen den Erhalt der stark geschädigten Zerbster Kirchenruine initiierte und erreichte.

Zerbst. " Die Rettung eines Baudenkmals " ist auch der Titel des zweiten Nicolaibuches. Erschienen ist es im Dezember 2009. Der letzte große Anstrich in der Vorjahresbilanz des Förderkreises, dessen Mitglieder sich am Freitagabend in der Zerbster Volksbank zur Jahreshauptversammlung trafen.

Im bald 20. Jahr seines Bestehens nimmt der Förderkreis mehr denn je die Perspektiven für den vor 522 Jahren geweihten Kirchenbau in den Blick.

Mehr als 1, 2 Millionen Euro ( dabei 172 000 Euro Eigenanteile ) sind seit 1991 über Fördermaßnahmen in St. Nicolai geflossen. 55 850 Euro waren es 2009. Neben der Herausgabe des Nicolaibuches wurden, so Vereinsvorsitzender Walter Tharan im Jahresbericht, unter anderem Arkadenbögen stabilisiert und Gewölbeansätze gegen herabfallende Steine dauerhaft gesichert. Der Untergrund des Mittelschiffs wurde für einen besseren Wasserabfluss und eine bessere Tragfähigkeit geschottert. Am Raum unter der Aussichtsplattform des Mittelturmes gab es erste Arbeiten. Hier soll ein Ausstellungsraum entstehen.

Eine Ausstellung über Michael Praetorius könnte es hier in diesem Jahr geben und es könnte die Dauerausstellung mit den Nicolai-Modellen zur Europäischen Denkmalmesse 2008 ihren Platz finden. Dazu ist die Ausstattung des Raumes notwendig. Ein Projekt 2010.

Utopie 73 000 Euro ?

73 000 Euro möchte der Förderkreis im neuen Jahr in die Nicolaikirche investieren. Fördergelder sind beim Land, beim Landkreis, bei der Stadt Zerbst, bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und bei der Lotto-Toto GmbH beantragt. Einen Eigenanteil von 11 000 Euro hätte der Verein selbst aufzubringen. Dass die Mittel im geplanten Umfang zur Verfügung stehen werden, nennt Walter Tharan zum Jahresanfang und angesichts der allgemeinen Haushaltslagen ein wenig resignativ eher " eine Utopie. Im vergangenen Jahr betrug allein der Beitrag der Stadt Zerbst 22 500 Euro ".

Es geht 2010 um den weiteren Ausbau der Kirchenruine zur Kulturstätte. " Erhalt durch Nutzung " nennt der Vereinsvorsitzende das vorrangige Förderkreis-Anliegen seit 2008. Noch sei die richtige Lösung in der Diskussion, schreibt er im Buch.

Für dieses Jahr sind die Vorhaben abgesteckt. Der Ausstellungsraum. Ein Aufgang vom Kircheninnern, den der Südturm bekommen soll. Einen Arbeitseinsatz schlägt Walter Tharan seinen Vereinsmitgliedern für das Frühjahr vor. Die Randbereiche neben der neuen Schotterung müssen befestigt werden. Hier hatte es zum Weihnachtsmarkt Probleme gegeben. Im Südturm soll ein Vereinsraum hergerichtet werden. Auch das Geläut, dessen Wiederherstellung eines der größten Projekte des Förderkreises war, bedarf einer Reparatur. Wegen Problemen am Antrieb kann die kleinste Glocke nicht geläutet werden.

Ohne eine Nutzung geht ein Baudenkmal wie die Nicolaikirche verloren. Eine Erkenntnis, die Walter Tharan nicht zuletzt voriges Jahr von einer internationalen Konferenz im polnischen Gubin mitgebracht hat. Für eine Nutzung sei dann aber auch ein ständiges Management nötig. Manfred Höpner verweist auf zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern " mit viel Aufwand " für Konzertnutzungen hergerichtete Kirchen. " Das geht mit unserer Ruine nicht ", erklärt er mit Verweis auf die eher Freiluftsituation von St. Nicolai. Werde aber die Kirche " als Klotz am Bein " empfunden, was nütze dann das weitere Engagement des Förderkreises ?

Mitglieder finden

" Wichtig ist, dass Kirchgemeinde und Förderkreis in der richtigen Balance bleiben ", sagt OKR i. R. Dietrich Franke und dass die Kirchgemeinde St. Trinitatis gut beraten sei, das Dasein des Vereins zu schätzen. Dietrich Franke verweist auf die spezielle Situation der vier evangelischen Kirchen in der Stadt, die vollständig wieder hergestellte Trinitatiskirche, St. Bartholomäi und St. Marien als halbe Ruinen und St. Nicolai als totale Ruine. " Dasselbe Programm geht nicht für alle ", so brauche es auch für die Nicolaikirche ein eigenes Konzept.

Für den Förderkreis ist aus Dietrich Frankes Sicht überaus wichtig, " über das Format eines adeligen Damenstiftes hinauszukommen ". Die Mitgliederzahl meint er, die derzeit bei 36 steht. " Und wir müssen vielmehr über Zerbst hinaus bekannt machen, was hier im Zentrum der Stadt als Baudenkmal von höchster Qualität steht ", verweist er auf die in mehrfache Hinsicht bedeutsame Kirche. Dietrich Franke hinterfragt den Verkauf des Nicolaibuches und die geplante, aber noch nicht erfolgte Besprechung durch den ehemaligen Landeskonservator Gotthard Voss, die eine überregionale Beachtung von Buch und Bauwerk verspricht.

Und vielleicht zu wieder verstärkten Spenden führen würde. Ohne sie, unterstreicht Walter Tharan für bisherige Unterstützung dankend, ist die Arbeit des Förderkreises nicht zu leisten. Spenden in Höhe von 5321, 50 Euro hat der Verein im vergangenen Jahr erhalten, so Schatzmeister Ulrich Wygoda in seinem Bericht an die Jahreshauptversammlung. Und informiert, nicht unwichtig für potentielle Spender, dass dem Förderkreis 2009 die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verlängert wurde.