Zerbst. Die Unfallkasse Sachsen-Anhalt in Zerbst hat sich nach Ansicht ihres Vorstandsvorsitzenden, des Zerbster Bürgermeisters Helmut Behrendt ( FDP ), zu einem der modernsten Dienstleister auf diesem Gebiet in den neuen Ländern entwickelt. Direktor Max Rönninger bestätigte, dass sich die Unfallkasse in Zerbst in zahlreichen Benchmarkingvergleichen gut geschlagen haben. " Wir möchten natürlich zu den führenden Unfallkassen gezählt werden ", erklärte er den Anspruch der Unfallkasse.

Im vorigen Jahr hat die in Zerbst ansässige Unfallkasse Sachsen-Anhalt noch knapp 51 300 Unfälle und Berufskrankheiten betreut und reguliert. Im Jahr 1998 waren es noch über 90 000 Fälle gewesen. " Die demografischen Fakten sind knallhart ", betonte Direktor Max Rönninger beim Besuch von Sozial- und Gesundheitsministers Norbert Bischoff ( SPD ) in der vorigen Woche ( Volksstimme vom 26. Februar ). Vor allem schlagen die rückläufigen Schülerzahlen ins Kontor.

Unter wirtschaftlichen Aspekten habe die Unfallkasse diesem Prozess Rechnung tragen müssen. Bereits vor über zehn Jahren habe die Unfallkasse moderne Datentechnik eingeführt. Die ermöglicht es, dass sämtliche Vorgänge im Datennetz bearbeitet werden können. Nach Rönningers Angaben haben zahlreiche Unfallkassen anderer Bundesländer einen solchen Standard noch nicht erreicht.

Dieser Weg hatte zur Folge, dass 15 Arbeitsplätze ersetzt werden konnten. Seit 1998 bis heute ist die Zahl der Vollbeschäftigten von 133 auf 89 gesunken. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 159 auf noch 108. Rönninger versicherte, dass dieser Prozess sozial verträglich verlief. Dazu gehörte auch, dass sämtliche Mitarbeiter mitgegangen sind, ihre Arbeitszeit von 40 auf 30 Stunden abzusenken. Insgesamt habe es nur eine Kündigung gegeben.

Etwa 70 Prozent der von der Unfallkasse betreuten Vorgänge sind Unfälle von Kindern und Jugendlichen. Über die Unfallkasse sind alle Bediensteten des Landes und im kommunalen Bereich versichert ebenso wie Kinder, Schüler und Studenten sowie ehrenamtlich Engagierte, außer Feuerwehrleute.

" Werden Fehler bei der medizinischen Behandlung gemacht, können sie erhebliche Auswirkungen haben, für das Leben der betroffenen Menschen und finanziell ", betonte Rönninger. Die Unfallkasse hat sich ein Netz von Vertragsärzten, Rettungsdiensten und Spezialkliniken erschlossen, mit dem sie dem begegnen will.

Lebensqualität soweit es geht zurückzugewinnen zähle zum Anliegen der Unfallkasse. Bei einem auf dem Schulweg schwerverletzten Kind oder bei einem Brandopfer, bei dem nicht die richtige Behandlung organisiert wird, können sich die zu tragenden Kosten auf mehrere Millionen Euro summieren, erläuterte Rönninger.

Die seit 1991 in Zerbst ansässige Unfallkasse Sachsen-Anhalt wird auch in nächster Zeit weiterhin in Zerbst bleiben. Aktuell gibt es in dieser Frage keine Bewegung. Das bestätigte auf Anfrage der neue Sozial- und Gesundheitsminister Norbert Bischoff ( SPD ) bei seinem Besuch Ende voriger Woche in Zerbst. Dessen Vorgängerin Gerlinde Kuppe hatte in den Vorjahren aufgekommene Fusionsüberlegungen zunächst gestoppt. Auch im Bund gibt es derzeit keine entsprechenden Gesetzesaktivitäten.

Die Fusionsfrage stellte sich in den letzten Jahren immer wieder nach Planentwürfen der Berliner Vorgängerkoalition. Danach waren Fusionen mit Unfallkassen benachbarter Länder oder mit der Feuerwehrunfallkasse denkbar. Je Bundesland sollte es nur noch eine öffentliche Unfallkasse geben.