Das deutsche Handwerk will sich stärker in den Blick der Menschen rücken. Mit einer 50 Millionen Euro schweren Kampagne wollen auch Zerbster Handwerker in den nächsten fünf Jahren auf ihre Leistungen, ihr Potenzial, ihre Rolle im Wirtschafts- und Sozialgefüge hinweisen.

Zerbst. " Ohne das Handwerk geht nicht viel zusammen. Doch kaum jemand macht sich darüber Gedanken ", meint Roland Prokop. Der Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Anhalt-Bitterfeld sieht " eine große Gefahr, dass uns der Nachwuchs fehlt, wenn die vielen attraktiven Berufsbilder nicht bekannt sind. Beim Handwerk ging es noch nie lediglich um verstopfte Abflussrohre oder einen Kurzschluss. Aber nicht mal mehr das wird wahrgenommen. "

Eine Forsa-Umfrage hatte letztendlich vor Monaten den letzten Anstoß für eine Image-Kampagne gegeben. Das Handwerk werde, so das Umfrage-Fazit, gerade bei der Jugend unterschätzt. " Die Leistungen werden gar nicht mehr wahrgenommen ", sagt Prokop. " Wir müssen klarmachen, dass gerade das Handwerk ein wichtiger Teil der Wirtschaftswelt ist., Die Wirtschaftsmacht von nebenan ‘", leiht sich Prokop einen der Slogans aus der millionenschweren Kampagne. In nahezu sämtlichen Fernsehsendern sollen die Videospots laufen, in Kinos sowieso. Die Handwerker-Botschaft soll den Deutschen in den kommenden fünf Jahren auf Schritt und Tritt gedruckt, erzählt, gesungen und begründet begegnen.

Ist das nicht ein bisschen übertrieben ? " Das deutsche Handwerk erbringt bundesweit jährlich einen Umsatz von rund 500 Milliarden Euro. Es hat rund 4, 8 Millionen Beschäftigte. Es bildet aus wie keine zweite Branche. Jeder Mensch ist von Handwerksleistungen unmittelbar umgeben. Man braucht sich doch bloß in der eigenen Wohnung umzuschauen. Und das alles wird eindeutig zu wenig geschätzt. Nein, die Kampagne ist nötig ", erklärt Prokop.

Ziele sind deutschlandweit wie regional dieselben : Wer die Leistungen des Handwerks schätzt, beschäftigt keine Schwarzarbeiter. Der wirbt auch bei jungen Leuten, sich für eine Ausbildung im Handwerk zu interessieren. " Denn das Handwerk ist nach wie vor ein hervorragender Broterwerb. Wir haben hochmoderne, sehr spezialisierte Berufsbilder. Das wissen bloß zu wenige. "

Finanziert wird die Kampagne durch den Zentralverband, letztlich durch die Innungsmitglieder in den Handwerkskammern. " Kein einziger Cent kommt aus der öffentlichen Hand ", beteuert Kreishandwerksmeister Prokop.

Am 16. Januar lief ein Image-Video in Kinos und im Fernsehen an. Es zeigt auseinanderfallende Gebäude, Autos, Infrastruktur. Wegen der Erdbeben-Katastrophe in Haiti wurde dieser Spot vorerst nicht mehr ausgestrahlt. Stattdessen sind Plakate aufgebaut, und bei Veranstaltungen wird für das Handwerk geworben. Demnächst dürften die Handwerker-Fahrzeuge dann auch entsprechend beschriftet sein, sogar für die Meisterbüros gibt es bereits markig-witzige, aussagekräftige Slogans.