Aids tötet langsam und ist unheilbar. Aber : Es ist ein Problem in anderen Teilen dieser Welt. Mit diesem Vorurteil räumte gestern Bernadette Albrecht auf, als sie zum Auftakt der 207. Schulfesttage das Francisceum mit dem missio Aids-Truck vom katholischen Hilfswerk besuchte.

Zerbst. Bernadette Albrecht weiß, dass die meisten Schüler wissen, wie Aids übertragen wird. Auch wissen sie, was Aids bedeutet und kennen den Unterschied zwischen HIV und Aids. Aber : " Die globale Bedeutung dieser Krankheit bekommen Schüler erfahrungsgemäß kaum vermittelt ", sagt Bernadette Albrecht, als sie im Francisceum auf dem Weg in eine der achten Klassen ist. Diese haben gerade ihren Rundgang durch den missio Aids-Truck hinter sich und sind beeindruckt. " Das ist voll krass ", lautet das Fazit von Patricia Wilk, als sie den Bus verlässt. " Es ist interessant zu sehen, wie die Menschen in Uganda leben. " Mitschülerin Lisa Grögor ergänzt : " Das ist eine Erfahrung, die man sonst nie teilen könnte. Dass die Menschen dort so leben. "

Mit Menschen meinen die beiden Schülerinnen Kajunga, ein Mädchen aus Uganda, deren Schicksal im Bus geschildert wird. Sie ist eine von 14 Millionen Aids-Waisen in Afrika. Zudem ist sie ein Teenager und das älteste Kind, das vier Geschwister versorgen muss.

Im Land Südafrika spielt die Geschichte von Charles, der seinen Aids-kranken Freund Archie bis zum Tod pfl egt. Der hatte eine zwölfjährige Prostituierte vergewaltigt und sich angesteckt. " So wie ihr in die Disko geht, gehen wir hier zu Beerdigungen ", ist der Satz von Charles, der bei allen Schülern hängen blieb. Charles und Kajunga stehen stellvertretend für das Problem Aids in Afrika, das so viele Ursachen hat.

" Zum Beispiel sind Frauen in Afrika weniger wert als Männer ", erzählt Bernadette Albrecht und schildert damit auch eigene Erfahrungen. Sie hat in Kenia Projekte begleitet und die afrikanische Mentalität gut kennengelernt. " Polygame Ehen sind dort sehr verbreitet. Außerdem sind Vergewaltigungen durch diese Einstellung häufig zu finden. " Dies begünstigt Aids-Infektionen ebenso wie die Einstellung vieler Männer, Kondome seien unmännlich. Außerdem führe die Armut der Menschen und deren Leben in Slums in verdreckten Wellblechhütten ohne fl ießend Wasser und Kanalisation zu Frustration und Gewalt – auch sexueller Gewalt. " Um euch eine Zahl zu nennen : In Südafrika ist jeder Fünfte zwischen 15 und 49 Jahren HIV-positiv. " Mittlerweile würde dort jede Azubi-Stelle doppelt besetzt, da man damit rechnet, dass einer früher oder später an Aids stirbt. Auch in Chefetagen sind Doppelbesetzungen keine Ausnahme. Schulen und Krankenhäuser müssen schließen, weil Personal fehlt.

Doch auch in Deutschland ist Aids eine Gefahr, schließlich gibt es hier in diesem Jahr die höchste HIV-Infektionsrate, seit diese Statistik geführt wird. " Ihr merkt, Aids ist auch für euch ein Thema. " Sie habe Angst davor, wenn hunderttausende Touristen zur Fußball-WM nach Südafrika reisen. " Ich will mir nicht vorstellen, was das für die Infektionsrate bedeutet. "

Darum sagte sie den Schülern deutlich, dass Aids auch in deren Beziehungen ein Thema sein müsse. " Ungeschützter Sex ist wie russisch Roulette. Ihr wisst nicht, wie viele sexuelle Beziehungen euer Partner zuvor hatte. " Deshalb riet sie, auch bei möglichen One-Night-Stands oder beim Faktor Alkohol rational zu denken.