In den nächsten Jahren soll zwischen Elbe und Fläming die Straße der Gotischen Flügel-altäre entstehen. 15 Dorf-kirchen wollen dazu ihre historischen Schätze der Öffentlichkeit zeigen. In Rosian und Isterbies wird die Sanierung der Gotteshäuser vom Leader-Programm unterstützt.

Rosian/Isterbies/Loburg. "Wir haben unwahrscheinlich viele Kirchen", sagt Elke Kurzke. Die Leader-Managerin der Aktionsgruppe Mittlere Elbe-Fläming schaute sich in dieser Woche die Dorfkirchen in Isterbies und Rosian an. In die Sanierung der beiden Gotteshäuser fließt Geld aus der Europäischen Union. Viele Gotteshäuser, weiß sie, könnten Geld für Sanierungen gebrauchen. Das könne das Leader-Programm aber nicht leisten, fügt sie hinzu. Damit die beiden Dorfkirchen in Rosian und Isterbies überhaupt einen Zuschuss für die Sanierung bekommen, mussten sich Pfarrer und Kirchengemeinden auf Inhalte besinnen. Entstanden ist die Straße Gotischer Flügelaltäre, sagt der Loburger Pfarrer Georg Struz. Vor den Toren Brandenburgs bis kurz vor Magdeburg, quer durch den Fläming, wollen 15 Dorfkirchen ihre kirchlichen Schätze einer breiten Öffentlichkeit zeigen. In Loburg hat sich dazu ein Förderverein gegründet.

Damit erfüllen die beiden Dorfkirchen in Rosian und Isterbies eine der Grundvoraussetzungen für die Leader-Förderung. Denn mit den Subventionen sollen vor allem Touristen in das Land gelockt werden.

Auf ihrer Rundreise durch das Leader-Aktionsgebiet hat sich Elke Kurzke von den Baufortschritten in den beiden Dorfkirchen überzeugt. Im vergangenen Jahr erhielten die beiden Häuser Geld. "Da die Mittel noch nicht abgerechnet sind, wollte ich mich vom Baufortschritt überzeugen", erklärt sie. Die Kirche in Isterbies soll so etwas wie das Zentrum der neuen Straße werden. Ein Anbau an die Kirche soll hierfür genutzt werden, erklärt Pfarrer Struz. Bis 1935, schildert er, hätten in dem Anbau die Särge der verstorbenen Mitglieder der Gutsfamilie gelegen. Erst danach sind sie bestattet worden. Bis in die 1970er Jahre wurde der Anbau als Trauerhalle genutzt. Dann stand der große Raum mit dem mächtigen Kreuzgewölbe leer. Hier will Georg Struz eine Ausstellung über die Flügelaltäre auf der Straße installieren. Hier sollen sich die Besucher informieren können, was sie sich von den 15 zur Verfügung stehenden Kirchen ansehen werden, schwärmt er.

Bis es soweit ist, wird es aber noch eine Weile dauern. Auf rund 650 000 Euro schätzt der Pfarrer die Gesamtkosten der Kirchensanierung. Jüngst wurde der Dachstuhl wieder hergerichtet. Zwar hatte die Kirche eine neue Dacheindeckung nach dem Mauerfall erhalten. Allerdings, bedauert er, sei damals auf die Sanierung des Dachstuhls verzichtet worden. Ein Fehler, der sich jetzt teuer räche. Auch von der Kirche müssten demnächst die Ziegel abgenommen werden, um den maroden Dachstuhl zu erneuern.

Im Innern der kleinen Kirche, die im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde, ist ebenfalls viel zu machen. Besonders eindrucksvoll ist allerdings der Flügelaltar, schwärmt Georg Struz. Um 1480 ist das Meisterwerk entstanden. In den nächsten fünf Jahren, hofft er, soll die kleine Kirche in neuem Glanz erstrahlen.

Dann geht es weiter in Richtung Rosian. Hier steht ebenfalls eine kleine Dorfkirche mit einem wertvollen Flügelaltar. Das Bauwerk mit romanischem Ursprung wurde im 18. Jahrhundert ins barocke verändert. Der Altar stammt aus dem Jahr 1530 und wurde bereits vor dem Mauerfall restauriert, sagt er. Ursprünglich müssen die Erbauer der Kirche geplant haben, das Gotteshaus zu vergrößern. Denn die damals angelegten Fundamente sind erhalten geblieben. Warum der Bau nicht vergrößert wurde, ist offen.

Interessant ist auch bei dieser Kirche der kleine Turm am Giebel. Während die eine Wand des Turms fest gemauert ist, bestehen die anderen Seiten aus Fachwerk. Auf den Dachbalken liegt der Turm auf.

Im vergangenen Jahr wurde der Altarraum saniert. Ein neuer Dachstuhl nebst Dach wurde aufgebaut. An der Außenmauer entdeckten die Bauarbeiter noch den historischen Kratzputz. Der musste für die Öffentlichkeit erhalten bleiben, schildert der Pfarrer weiter. Ebenso erhalten geblieben ist ein Fenster.

Ganz zu Anfang hatten die Kirchen keine Glasfenster, sondern nur Öffnungen, weiß er. "Im Winter wurden die mit Strohballen verschlossen", sagt er. Auch in Rosian wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an der Kirche gewerkelt. Die Fenster, einst romanisch, wurden zu Barockfenstern. Im Altaraum wurden von inner zwei Fenster zugemauert. Von außen ist dies leicht zu erkennen. Die alten Fensterrahmen sind sogar erhalten geblieben. Die Fensteröffnungen hätte Georg Struz gern wieder. Allerdings sehe dies die zuständige Denkmalbehörde anders. "Wir sind dazu mit den Fachleuten im Gespräch", verweist er. Im Innern gibt es zwischen den ehemaligen Fenstern Wandmalereien an der Wand. Die will der Pfarrer wieder besser sichtbar machen.

Noch viel bleibt in den beiden Kirchen zu tun. Im vergangenen Jahr gab es für die Isterbieser Kirche rund 28 800 Euro aus dem Leader-Programm, sagte Elke Kurzke. In diesem Jahr könnten es noch einmal rund 30 000 Euro werden, verspricht sie. Für Rosian gab es einen Bewilligungsbescheid für mehrere Vorhaben.

Dass sich viele Touristen aus aller Welt für die Kirchen der Region und das Land Luthers interessieren, ist Elke Kurzke nicht verborgen geblieben. "Viele wundern sich aber, dass die Bevölkerung längst nicht so kirchentreu und gläubig ist", hat sie außerdem beobachtet. Vielleicht erhalten die Kirchen wieder mehr Zuspruch, wenn die kleinen Dorfkirchen saniert sind und in neuem Glanz erstrahlen.