Die Dampfzug Betriebsgemeinschaft startete am Wochenende in die diesjährige Saison. In historischen Wagen ging es von Loburg nach Altengrabow.

Loburg. Die vier kleinen Personenwagen sind gut besetzt am vergangenen Sonntag. Zum Fensteröffnen lässt sich aber kein Passagier hinreißen, als der kleine Zug den Bahnhof Loburg verlässt. Um den Gefrierpunkt bewegt sich die Außentemperatur.

In den historischen Personenwagen, die älter als 100 Jahre sind, muss trotzdem kein Fahrgast frieren. "Damals hatten die Wagen eigene Öfen, sagt Paul Palmer. Der Lokführer aus Dessau kennt sich mit der Technik aus. Er und seine Kollegen haben die kleinen Öfen in den Wagen gestartet. Wohlige Wärme breitet sich so in den zumeist hölzernen Waggons aus.

Rund 100 Gäste lassen sich von Loburg nach Altengrabow und wieder zurück bringen. Zum Einsatz kommt diesmal eine kleine Diesellok. "Das ist eigentlich eine Rangierlok", sagt Paul Palmer. Das kleine Gefährt legt die zwölf Kilo-meter lange Strecke mühelos zurück. Mit einer Spitzen- geschwindigkeit von 35 Stundenkilometern ist sie nicht viel schneller als die Regionalbahn, die zwischen Magdeburg und Loburg verkehrt.

Doch was fasziniert die Leute an dem historischen Zug? Eigentlich müsste jeder froh sein, nicht mehr auf Holzbänken zu sitzen, sondern in modernen und klimatisierten Zügen zu fahren? Für Paul Palmer, der jahrzehntelang als Lokführer unterwegs war, ist es schlicht die Technik, beschreibt er. "Die Dampflok war der Computer des 19. Jahrhunderts", ist er überzeugt. Erst mit der Entwicklung der Eisenbahn kam die Wirtschaft in Europa so richtig in Schwung. Plötzlich, schildert er, war es kein Problem mehr Menschen und Waren zu jeder Zeit über große Entfernungen zu transportieren. Lange vor dem Auto war der Zug das Transportmittel für die Massen.

Paul Palmer kann sich noch an die Dampflokomotiven erinnern, die bis den 1970er Jahren noch auf den Schienen in der DDR zu sehen waren. Erst danach wurden sie von den moderneren Dieselloks abgelöst. Zwischen 30 und 40 Liter Diesel hatte am Sonntag die kleine Lok für die Fahrt nach Altengrabow und zurück verbraucht, schätzt der erfahrene Lokführer.

Den Passagieren habe die Fahrt ausgezeichnet gefallen, freut er sich. Der Glühwein-express machte dabei seinem Namen alle Ehre. Die Zuspruch auf das beliebte Warmgetränk war so groß, dass die Hobby-eisenbahner am Ende nicht mehr von dem berauschenden Trank zur Verfügung hatten, bedauerte Paul Palmer. "Da haben wir uns wohl etwas verschätzt", meint er.

Auch ohne den Glühwein konnte die Reise zurück nach Loburg fortgesetzt werden. Damit die Hobby-Eisenbahner überhaupt mit ihren alten Fahrzeugen das Schienennetz benutzen dürfen, musste die Dampfzug Betriebsgemeinschaft als Eisenbahnverkehrsunternehmen auftreten, erklärt Paul Palmer. Neben Museumsfahrten bietet die Gemeinschaft auch andere Dienstleistungen an. Nur so können die Historiker mit ihren alten Zügen auf den Gleisen der Bahn fahren. Bezahlen müssen sie dafür übrigens auch. Etwa fünf Euro kostet die Benutzung pro Kilometer Strecke, erklärt er. Außerdem müssen alle Sonderfahrten Wochen vor dem Termin offiziell angemeldet werden. Erst nach der Freigabe der Strecke darf sich der Zug in Bewegung setzen. So war es auch am Sonntag. Erst als Hans-Joachim Berger das offizielle Start- zeichen gibt, kann sich der Zug bewegen.

In Loburg hat die Betriebsgemeinschaft noch eine Dampflok zu stehen. Momentan ist sie aber defekt, sagt Paul Palmer weiter. Auf die wenigen Mitglieder der Betriebsgemeinschaft warte einfach zu viel Arbeit. Außerdem rechne er mit einer größeren Summe für die Instandsetzung. Rund 30 000 Euro nannte er in diesem Zusammenhang.

Die Fahrt mit einer Dampflok sei sowieso nur im Sommer möglich, führt er weiter aus. Dann sei allerdings die Waldbrandgefahr zu beachten. Deswegen nutzen die Mitglieder nicht so gern eine Dampflok in der Region. In einem anderen Teil Deutschlands, beschreibt er, werde eine Dampflok auf einer reinen Privatstrecke eingesetzt. Dort seien die Vorschriften nicht ganz so streng. Die nächsten Veranstaltungen für die Loburger Bahnfreunde stehen bereits fest Am 1. Mai, kündigt Paul Palmer an, wird es eine Osterfahrt geben. Außerdem planen die Eisenbahnhistoriker ein Kinderfest sowie ein Schuppenfest.

Am 1. April werden die histroischen Eisenbahnwagen ebenfalls unterwegs sein. Diesmal geht es ohne Passagiere nach Dessau, verrät er. 100 Jahre elektrischer Lokbetrieb werde dort gefeiert. Historische elektrische Loks sollen dort auf den Gleisen fahren.

Höhepunkt des diesjährigen Veranstaltungskalenders wird die Fahrt zum Sachsen-Anhalt-Tag nach Gardelegen sein, weiß er. Für die lange Fahrt wird sich die Betriebsgemeinschaft eine modernere Lok anmieten. Das habe vor allem mit der technischen Ausstattung der Lokomotiven zu tun, weist er hin. Auf den Hauptstrecken, die der kleine Traditionszug auf den Weg nach Gardelegen unvermeidbar befahren muss, müssen die Lokführer über den Bahnfunk erreichbar sein. Außerdem muss die Lok über eine automatische Bremse verfügen, sollte ein rotes Signal überfahren werden. "Unsere kleinen Dieselloks mit diesem Standard auszurüsten wäre sehr teuer. Deswegen werden wir von einem anderen Unternehmen eine Lok mieten", erklärt Paul Palmer.

Mit der Betankung der Lokomotive sei es ebenfalls nicht so einfach, gesteht er ein. Während am vergangenen Sonntag einige große Kanister für die Betankung reichten, passen in den Tank einer großen Lok mal schnell 2000 Liter Kraftstoff. "Wenn wir das mit Reservekanistern heranschaffen müssten, würde es wohl Tage dauern", erklärt er. Deshalb setzen die Eisenbahnfreunde hier lieber auf einen modernen Tankwagen. Am 26. Juni geht es übrigens nach Gardelegen. Dass der historische Zug dabei viel bestaunt werden wird, ist den Eisenbahnfreunden klar.

Mit ihren Fahrten wollen sie die historische Technik erhalten und auch die Bevölkerung für die rollenden Museumszüge begeistern. Bisher ist das ihnen immer gut gelungen, auch wenn das Wetter wie am vergangenen Sonntag nicht ganz so mitspielte.