Zerbst. Jana Reifarth, Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit des Fördervereins Schloss Zerbst, brachte ihre Zuhörer etwas zum Schmunzeln. "Damit Herr Herrmann auch im nächsten Jahr einen Rechenschaftsbericht halten kann, führen wir wieder verschiedene Veranstaltungen und Baumaßnahmen durch", leitete sie auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Freitagabend ihren Ausblick auf 2011 ein. Dass der Verein alles andere als zum Selbst- oder gar nur zum Berichtszweck aktiv ist, machten die gut eineinhalb Stunden im Vortragsraum der Kreissparkasse deutlich. 46 Mitglieder waren gekommen. 217 zählt der im achten Jahr bestehende Verein.

Vorsitzender Dirk Herrmann bilanzierte im aktuellen Rechenschaftsbericht ein erfolgreiches und mit Baumaßnahmen und vielseitigsten Veranstaltungen angefülltes Jahr. Eines, das auch von ungebrochenem Interesse am historischen Bauwerk zeugt. "2010 begrüßten wir insgesamt 6698 Gäste im Schloss." Eine Steigerung zum Vorjahr "um unglaubliche 49 Prozent". Neben den vom Verein angebotenen Veranstaltungen wie unter anderem Kulturfesttage-Beiträgen und "Nachts im fürstlichen Schloss", dem Schlossabend und "Musik trifft Denkmal", Benefizkonzert und Sonntagsöffnungen sei auch die Nachfrage an Sonderführungen gestiegen. Insgesamt 30-mal waren Teilnehmer von Klassentreffen, Geburtstagsfeiern, Reisegruppen und ähnlichem im Schloss zu Gast.

Ein besonderer Anziehungspunkt - und zugleich ein Höhepunkt in der Jahresbilanz 2010 - ist das aufwändig illusorisch wieder entstandene Zweite Fürstliche Vorzimmer. Zum Fläming-Frühlingsfest in Zerbst wurde es eröffnet. "Allein an diesem Nachmittag zählten wir 2500 Besucher", so Dirk Herrmann. Schwerpunkt der baulichen Projekte war zudem der erste Bauabschnitt der Sicherungsmaßnahme III mit einem Gesamtumfang von 100 000 Euro. Dirk Herrmann verweist ebenso auf eine Gewölbesanierung "aus Vereinsmitteln und Spenden, da kurzfristig keine Fördermittel zur Verfügung standen". Die Maßnahme im stark zerstörten Schlosshaupttrakt wurde notwendig, nachdem im strengen Winter 2009/2010 eine Gewölbekappe eingestürzt war und der Gesamtverlust eines Gewölbes aus dem Jahr 1690 drohte.

Neues im April

1092 Arbeitsstunden hat allein Ehrenmitglied Lothar Spitzer wieder im Schloss zugebracht. Er stellte im ersten und zweiten Obergeschoss 16 provisorische Fenster her, tauschte in 16 weiteren Fenstern beschädigte Folien aus und baute bereits 12 Fenster im Südbereich des Ostflügels in Verbindung mit der Sicherungsmaßnahme III. Zum Dank im Bericht gab es später ein Präsent.

Bessere Bedingungen für die Beleuchtung bei Abendveranstaltungen entstanden mit Unterstützung der Stadtwerke. Vielen für die ehrenamtliche Vereinsarbeit wichtigen Sponsoren und Spendern konnte Dirk Herrmann danken. Mit der Erweiterung von Decken und dem Treppenhaus im Südbereich des Schlossflügels ist für 2011 der zweite Bauabschnitt der Sicherungsmaßnahme III geplant, blickte Jana Reifarth auf Kommendes voraus. "Der Finanzierungsplan steht, nun hoffen wir auf die beantragten Mittel beim Land, bei Lotto-Toto, dem Landkreis und der Stadt."

Die Voraussetzungen sind geschaffen, um die neu entstandenen Räume künftig in die Führungen und die Veranstaltungen einbeziehen zu können. Geplant ist ein neuer Flyer in deutscher und russischer Sprache. Seit der Einweihung des Katharina-Denkmals in Zerbst stehen auch die Seiten des vereinseigenen Internetauftritts in russischer Sprache zur Verfügung.

Wenn sich im April zum ersten Mal die Schlosstüren für die Besucher öffnen, gibt es gleich zwei Neuheiten. Im Ausstellungsbereich wird ein Kupferstichkabinett eingerichtet. Einen Beitrag leistete dazu auch Vereinsmitglied Annegret Mainzer. Sie übergab einen Stich "Katharina II. und die drei Grazien". Neu sein wird ebenfalls der Eingang ins Schloss. Mit Unterstützung der Sparkassen-Stiftung Anhalt-Zerbst wird die bisherige Gittertür durch ein Holzportal nach historischem Vorbild ersetzt.

Zu den bisher geplanten Veranstaltungen sind noch zwei dazu gekommen. So wird am 29. April eine Ausstellung des Berliner Künstlers Daniel Thurau im Schloss eröffnet. Am 30. Juni gastiert die Kammer-Akademie Halle mit einem Konzert im historischen Gemäuer.

Vernünftiges Drumrum

"Großen Respekt für die Arbeit des Fördervereins" brachte Kulturamtsleiter Andreas Dittmann auch im Namen von Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) zum Ausdruck. Er verwies noch einmal auf die Denkmalaufstellung "bewusst im Schlossgarten und mit positiven Auswirkungen für die Wahrnehmung des Schlosses". Weniger rosig sei dagegen der Blick in die Zukunft, was die finanzielle städtische Unterstützung betreffe. Für 2011 ständen noch 10 000 Euro im Haushaltsentwurf. Welche Projekte ab 2012 gefördert werden könnten, wenn die Stadt dauerhaft mit einem unausgeglichenen Etat rechnen müsse, sei noch völlig offen.

"Was Sie weiterhin mit dem Gebäude vorhaben, verdient, dass auch das Drumherum vernünftig ist", ging der Amtsleiter auf die aktuelle Debatte um den Schlossgarten ein und forderte zu einer regen Beteiligung am öffentlichen Workshop am 24. März auf. "Es ist wohl die letzte Gelegenheit, bei der Bürger noch einmal Meinungen und Vorschläge zur Konzeption einbringen können."

Solide und ohne Unregelmäßigkeiten kennzeichneten Schatzmeister Jürgen Graßhoff und Rechnungsprüferin Gabriele Sanetra die Vereinsfinanzen. Eine neue Regelung zum Umgang mit säumigen Beitragszahlern war ein Anlass für die am Freitag verabschiedete Satzungsneufassung. Mit Dirk Herrmann, Christian Keck, Jürgen Graßhoff, Rosemarie Ewald und Jana Reifarth im Vorstand sowie Gabriele Sanetra und Christine Lux als Rechnungsprüfern gab es nach den turnusgemäßen Wahlen keine Veränderungen.