"Ihr Verein gehört zu den ältesten Vereinen der organisierten Geflügelzucht in unserem Land. Ihrer Arbeit gebührt höchste Anerkennung", hob Staatssekretär Jürgen Stadelmann im Grußwort des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt hervor. Am Freitag gab der Rassegeflügelzuchtverein Zerbst und Umgebung 1881 im Gartenheim "Zukunft" einen festlichen Empfang anlässlich seines 130-jährigen Bestehens.

Zerbst. Der Zerbster Verein hat in seiner 130-jährigen Geschichte Kriege, Inflationen, verschiedene Diktaturen, auch die Wende 1989/90 überlebt, so der Vorsitzende Hermann Stephan. Die derzeit 45 Mitglieder betreiben ihre Passion mit großem ehrenamtlichem Engagement als tiefes menschliches Bedürfnis. Zum Empfang präsentierte der Verein unter anderem mit Urkunden, Pokalen und Übersichten seine erfolgreiche Tätigkeit.

Es ist Anliegen der Züchter, die verschiedenen Rassegeflügelarten in ihrer genetischen Vielfalt zu erhalten, eine Genreserve zu sichern und letztendlich auch bäuerliche Traditionen zu bewahren. Zu reinrassig gezüchtetem Geflügel zählen neben Hühnern und Tauben auch Gänse, Enten, Puten und Perlhühner.

Obwohl fast alle Vereinsunterlagen bei der Zerstörung des Schlosses und des Stadtarchivs verbrannten, konnten einige Daten zusammengestellt und genannt werden: Gründung am 1. März 1881 als "Verein für Geflügel- und Vogelzucht"; 1. Vorsitzender war Postsekretär Adolph Schlegelmilch. Weitere Vorsitzende waren Lehrer Reinhold Specht, Lehrer Gustav Lange, Stellmachermeister Otto Adolph. Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg war am 16. Dezember 1945. Erinnert wurde an die folgenden Vorsitzenden Max Wieland, Otto Köppe, Erich Mengewein und Karl-Heinz Gottschling sowie Rudi Schilling, der heute als Ehrenvorsitzender dem Verein angehört. In den Spitzen zu DDR-Zeiten betrug die Mitgliederzahl 140 Züchterinnen und Züchter.

Als ein großes Problem der aktuellen Vereinsarbeit wurde die Überalterung der Mitglieder hervorgehoben. Ein Vereinsziel muss, erklärte Hermann Stephan, auf die Gewinnung vor allem jüngerer Züchter orientieren.

Der Zerbster Zuchtverein organisiert Schauen, nimmt an Stadtfesten teil. Mitglieder beteiligen sich auch erfolgreich außerhalb an Ausstellungen und Meisterschaften. Darüber hinaus pflegen die Rassegeflügelzüchter gemeinsam mit ihren Partnerinnen und Partnern ein reges gesellschaftliches Vereinsleben. So ist auch in diesem Jahr eine Fahrt vorgesehen.

"Einer der ältesten Zuchtvereine im Land"

Zu den Gratulanten am Freitag gehörten für die Stadt Zerbst der Kulturamtsleiter Andreas Dittmann sowie Kees de Vries, Vorsitzender des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses des Kreistages Anhalt-Bitterfeld, der die Grüße des Kreistages und des Landrates überbrachte. Weitere Sponsoren und Vertreter befreundeter Vereine schlossen sich den Glückwünschen an.

Landesverbandsvorsitzender Werner Westphal fügte an: "Wenn gerade in diesen Tagen die ersten Eier brechen und neues Leben entsteht, beginnt für uns eine neue wunderbare Zeit der züchterischen Tätigkeit."

Helmut Kühlhorn, Vorsitzender des Kreisverbandes Altkreis Köthen, in dem der Zerbster Verein organisiert ist, überbrachte Grüße und überreichte hochrangige Auszeichnungen. Für aktive langjährige Tätigkeit im Verein wurden Fritz Ehle und Andreas Gyra mit der Eherennadel in Gold des Landesverbandes Rassegeflügelzüchter Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Karl Müller aus Nedlitz und Günter Donner aus Zerbst wurden mit der "Goldenen Bundesnadel" des Bundes deutscher Rassegeflügelzüchter geehrt.

Mitglieder des Zerbster Rassegeflügelzuchtvereins haben herausragende züchterische Ergebnisse erreicht. An der Spitze steht Karl Müller; Europameister 2006 mit seinen Tauben "Römer blau mit schwarzen Binden", der diese Rasse seit 1955 züchtet. Deutsche Meisterehren erreichten Herrmann Stephan (Vorwerkhühner), Hubert Scheuer (Tauben "Show Homer") und Uwe Markmann (Welsh Harlekin Enten).

Der festliche Vereinsnachmittag war Ort und Anlass für viele fachliche Gespräche und regen Austausch von Erinnerungen.

 

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