Zerbst. Die Zerbster Innenstadt hat ein hochmodernes Multimedianetz. Mit einem symbolischen Knopfdruck setzten gestern Vormittag der Zerbster Bürgermeister Helmut Behrendt (FDP) und Telecolumbus-Konzernsprecher Hannes Lindhuber das für rund eine Million Euro modernisierte einstige TV-Kabelnetz neu in Betrieb. In 3500 der insgesamt 4500 ans Netz angeschlossenen Wohnungen stehen ab sofort neben den Fernseh- und Radioprogrammen auch Telefonieren und Internet-Nutzung zur Verfügung.

Kabelnetz-Betreiber Telecolumbus hat seit Ende 2009 das 1991/1992 verlegte Breitbandkabelnetz in Zerbst massiv modernisiert, teils neu verlegt. Zugleich wurde die Kopfstation (wo die Fernsehsignale der Satelliten empfangen und ins Netz eingespeist werden) nicht nur technisch aufgerüstet, sondern auch ans Internet angeschlossen. 3450 Wohnungen sind von hier aus ans Internet angebunden.

Eine Million Euro

Das Kabelnetz erschließt durchweg die in der dichtbewohnte Innenstadt gelegenen Wohnungen der Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst, der Wohnungsgenossenschaft "Frohe Zukunft", der Zerbster Immobilien- und Managementgesellschaft sowie des Zerbster Bauvereins. Während der Aus- und Umbauphase habe es eine "hervorragende Zusammenarbeit zwischen den Technikern, Handwerkern und Wohnungsunternehmen und letztlich den Kunden in den Wohnungen gegeben", lobte Lindhuber. Auch die bislang noch nicht modernisierten Anschlüsse in den weiteren rund 1000 am Netz angeschlossenen Wohnungen könnten kurzfristig modernisiert werden. Hierbei handelt es sich in der Regel nicht um Wohnungen der aufgeführten Unternehmen.

Im Einzelnen hat Telecolumbus in Zerbst eine moderne Empfangs- und Betriebsstation für das Kabelnetz gebaut, eine neue Glasfaser- und Coaxial-Zuführung verlegt und das Netz für einen Frequenzbereich bis 862 MHz aufgerüstet. Nur so ist es möglich, neben den Radio- und Fernsehprogrammen auch Internet- und Telefondienste über den Kabelanschluss zu ermöglichen. Erforderlich wurden ferner Installationen in den Wohngebäuden und Wohnungen. Hier wurden Multimediadosen installiert, während in nunmehr sämtlichen Gebäuden die Leitungen sternförmig neu verlegt wurden. Bislang waren die Wohnungen "in Reihe" angeschlossen. Ferner wurden bereits für künftige Nach-Installationen Leerrohre verlegt, wo sich dies ergab.

Neues Zeitalter

Telecolumbus hat gerade im Internet-Anschlusssektor nach dem aktuell höchsten technischen Standard installieren lassen. "Der Übertragungsstandard DOCSIS 3.0 ist Maß der Dinge. Mit dieser Ausrüstung lassen sich Übertragungsraten von bis zu 100 MBit pro Sekunde realisieren, wir haben aktuell 100 MBit als Höchstmaß definiert und angeboten", so Lindhuber. Tatsächlich ist selbst diese Datenrate enorm, denn auch im Daten-Upload (ins Internet) lassen sich deutlich höhere Mengen realisieren. Für den Hausgebrauch können dieser Tage Download-Raten von sechs MBit/s wohl noch reichen. Jedoch würde die Kommunikation, der Datentransfer gerade in der individuellen Unterhaltung künftig ganz andere Dimensionen erreichen, so Lindhuber. Das Zerbster Netz sei darauf bereits vorbereitet. "Das hat weder Magdeburg noch Halle. Das ist europaweit eines der besten Netze", so Lindhuber.

Zudem standen mit dem für 2012 von allen deutschen Fernsehsendern angekündigten Ausstieg aus dem analogen Fernsehsignal-Zeitalter ohnehin technische Aufrüstungen an. "Wir wollen natürlich beste Qualität. Man kann jedoch selbstverständlich alle bisherigen auf analoges Fernsehen zugeschnittenen Geräte auch weiter nutzen. Wir wandeln in diesen Fällen das bessere digitale Signal um und speisen in der Wohnung des Kunden weiterhin ein analoges Signal ein."

Lindhuber kündigte für das zweite Quartal sinkende Tarifangebote für die Internet-Nutzung an. Ferner sollen erstmals Tarife für Gewerbetreibende angeboten werden. Bislang richtete sich das Kabelnetz- Angebot ausschließlich an Wohnungen. Im Herbst schließlich soll es möglich werden, Videos aus dem Internet abzurufen und anzusehen ("Video on demand").