Mit einer Festveranstaltung hat das Jugendwaldheim Spitzberg sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Gastredner würdigten die waldpädagogische Arbeit der Einrichtung. Auf vielfältige und erlebnisreiche Weise lernen Heranwachsende hier den Wald als Ökosystem und Wirtschaftsraum kennen.

Spitzberg. Mit der Wende begann auf dem Spitzberg ein neues Kapitel. Damals verwandelte sich das idyllisch gelegenen Kinderferienlager in ein Jugendwaldheim. Am 20. März 1991 nahm die Geschichte einer Einrichtung ihren Verlauf, die inzwischen auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückblicken kann. Unzählige Mädchen und Jungen lernten seither den Wald als komplexes Ökosystem kennen, das nicht nur Lebensraum bietet und der Erholung dient, sondern als Holzlieferant ebenfalls einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt.

"Die Jugendlichen bekommen hier ein positives Bild vom Wald und seinen Mehrfachfunktionen vermittelt", formulierte es Detlef Radtke. Als der Leiter des Betreuungsforstamtes Nedlitz, zu dem das Jugendwaldheim Spitzberg gehört, oblag es ihm, die Festveranstaltung zu moderieren. Die musikalische Eröffnung übernahmen die Anhaltiner Jagdhornbläser aus Dessau, die die vielen Gäste zwischendurch erneut mit verschiedenen Stücken unterhalten sollten.

"Ich bin stolz darauf, dass sich eines der fünf Jugendwaldheimen Sachsen-Anhalts auf unserer Gemarkung befindet", erklärte der Ortsbürgermeister von Rodleben, Frank Rumpf. "Spitzberg ist eines der besten, weil sich hier eine Familie einbringt", konstatierte der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Wolfgang Braun. Er dachte dabei an die Leiterin des Jugendwaldheims Annetta Matthias und ihren Mann Jörg, der als Koch für das leibliche Wohl der Einrichtungsgäste sorgt.

Neben ihren auch von anderen gewürdigten persönlichen Einsatz hob Braun ebenfalls ihr engagiertes Team lobend hervor. Zu diesem zählen - außer den Beiden - fünf speziell zu Waldpädagogen ausgebildete Forstwirte. Als "hochmotiviert" charakterisierte Detlef Radtke die Spitzberg-Mitarbeiter, denen er allen für ihre geleistete Arbeit dankte.

"Eine hohe pädagogische Aufgabe wird hier erfüllt", betonte Wolfgang Braun. Und mit dieser Meinung stand er wahrlich nicht allein. Den Heranwachsenden werde gezeigt, dass der Wald nicht nur zum Spazierengehen da ist, sagte Wilhelm Uschmann. Und der Leiter des Forstbetriebes Anhalt muss es wissen. Schließlich war er von 1997 bis 2006 als "unmittelbarer Vorgesetzter von Frau Matthias" für das Jugendwaldheim zuständig, das sich seiner Ansicht nach sehr positiv entwickelt hat.

Waldeinsätze geben praxisnahe Einblicke

Den Beleg lieferte der Vortrag von Annetta Matthias. Illustriert mit einigen Fotos schilderte sie, wie mitten in der Natur ein erlebnisreicher Lernort geschaffen wurde, der immer wieder Schülergruppen anzieht. Ein Magnet sind da die Jugendwaldeinsätze, die sich an Schüler ab Klasse 8 richten. Bei den fünftägigen Aufenthalten absolvieren die Jugendlichen vormittags Arbeitseinsätze in den Revieren des Forstbetriebes Anhalt. Vom Hochsitzbau über das Entfernen von Zäunen bis zum Anpflanzen neuer Bäume reicht das Spektrum, wie Toren Reis, Revierleiter im Revier Hoher Fläming, berichtete.

Die Einsätze dienen in erster Linie dazu, bei den jungen Leuten das Interesse für den Wald zu wecken. Gleichzeitig lernen sie, eigenständig zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und im Team zu agieren. Sie erhalten Einblicke in grüne Berufe und den Berufsalltag überhaupt, was Steffen Baum als wichtig erachtete. Seit 1998 hat der jetzige stellvertretende Direktor der Sekundarschule Schkopau Erfahrungen mit den Jugendwaldeinsätzen auf dem Spitzberg gemacht. "Die Schüler erleben ein neues Gemeinschaftsgefühl, Abenteuertum und einen geregelten Tagesablauf", konnte er das Angebot nur weiter empfehlen, das bislang nicht wenige Schulen in Anspruch genommen haben - viele davon bereits mehrfach. So führte das Jugendwaldheim seit 1991 über 550 Durchgänge mit insgesamt fast 13 000 Teilnehmern durch, schaute Annetta Matthias in die Statistik.

Übrigens runden vielfältige Freizeitangebote die einwöchigen Aufenthalte ab. An den Nachmittagen können die Schüler Exkursionen unternehmen, die nähere Umgebung mit dem Rad erkunden oder sie begeben sich auf den 2004 eingeweihten Walderlebnispfad mit seinem Holzxylophon, der Weitsprunggrube oder der Köhlerhütte samt Meiler. Auf dem 2,3 Kilometer langen Parcours warten verschiedene Stationen auf die Wanderer, die ihnen auf interessante, spielorientierte Weise umfangreiches Wissen über den Wald und die Natur vermitteln. "Da kann auch ein Erwachsener einiges lernen", gab Frank Rumpf zu.

"Waldfüchse" erleben Natur mit allen Sinnen

Auf das gleiche Konzept wird bei den Waldjugendspielen gesetzt, bei denen der Nachwuchs an bis zu zehn Stationen den Wald mit allen Sinnen erlebt und dabei viel über ihn lernt. Und auch hier ist die Nachfrage mit der Zeit gestiegen. Fanden die Waldjugendspiele anfangs nur einmal im Jahr mit sechsten Klassen statt, stellen sich mittlerweile jährlich durchschnittlich sieben Grundschule mit jeweils 80 bis 100 Schülern aus Klasse 1 bis 4 begeistert dem lehrreichen Wettstreit, wie Annetta Matthias ausführte.

Sie erzählte ebenfalls, dass das Jugendwaldheim seit zwei Jahren das von der SDW getragene "Waldfüchse"-Projekt unterstützt. Es richtet sich an Kindergartenkinder und umfasst acht Aktionstage, an denen sich die kleinen Naturforscher auf spannende Entdeckungstouren begeben und als angehende Umweltschützer mitunter tüchtig Hand anlegen. Besonders eifrig seien die Steppkes immer beim Müllsammeln im Wald, verriet Annetta Matthias.

Auch den Tag der Regionen, der alle zwei Jahre zahlreiche interessierte Besucher auf den Spitzberg lockt, ließ sie nicht unerwähnt. 2012 werden Jung und Alt das nächste Mal Gelegenheit haben, den Wald als Arbeitgeber, Rohstofflieferant und Erholungsort kennenzulernen. Zu guter Letzt sprach die Jugendwaldheimleiterin all ihren Wegbegleitern ein Dankeschön aus.