Die Erinnerung, Mahnung und das Gedenken an die Zerstörung der Stadt Zerbst vor genau 66 Jahren standen am Sonnabend bei einer Kranzniederlegung auf dem Heidetorfriedhof sowie am Nachmittag in der St. Trinitatiskirche im Mittelpunkt öffentlicher Veranstaltungen.

Zerbst. Die völlig sinnlose, weil kriegsunerhebliche Zerstörung der Stadt Zerbst wenige Wochen vor Kriegsende, das hundertfache Leid unter Zerbster Familien war zentrales Thema zweier Ansprachen des Zerbster Bürgermeisters Helmut Behrendt. Am Sonnabendvormittag begrüßte er "die aus diesem Anlass alljährlich hier anwesenden Menschen" am Ehrenmal des Heidetorfriedhofs: Stadträte, Zerbster, vor allem ältere, auch Zeitzeugen. "Werdet nicht müde, von jenen Tagen zu berichten", erklärte Behrendt. "Und werdet nicht müde, zuzuhören", wandte er sich der jüngeren Generation zu. Das Vergessen, so der Bürgermeister, sei seine größte Sorge. Denn sie bereite den Boden für eine Wiederholung jenes Grauens.

574 Menschen fanden am 16. April 1945 in Zerbst den Tod. Sie verbrannten, erstickten in den Luftschutzkellern oder wurden von umher fliegenden Trümmern erschlagen. Die Folgen des Fliegerangriffs waren katastrophal: Über 4000 Wohnungen, 7 Schulen, 4 Kirchen, das Schloss mit seinem wertvollen Museum, das historische Rathaus und viele kleinere Wohnhäuser aus mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte wurden zerstört.

66 Jahre danach warnte der Bürgermeister am Sonnabendnachmittag zu Beginn eines Gedenkkonzertes in der St. Trinitatiskirche davor, das Erinnern an die Folgen des 2. Weltkrieges zum Ritual verkommen zu lassen. Auch heute sterben Menschen bei kriegerischen Auseinandersetzungen, und: Aktuell nehmen 7500 deutsche Soldaten an elf kriegsähnlichen Einsätzen in zehn Regionen der Welt teil. "Immer wieder erfahren wir, dass bei diesen Einsätzen deutsche Soldaten sterben - oder dass sie töten. Beides finde ich entsetzlich und bedenklich. Wir dürfen und können in unserer Trauer um die Opfer der Kriege in aller Welt - um Soldaten und zivile Opfer - keinesfalls nachlassen", so der Bürgermeister.

Seiner angemessen schwermütigen Rede folgte ein dem Erinnern und Gedenken gewidmetes, jedoch beinahe heiteres, frisches Konzert des tschechischen Collegium Marianum. Von den Besuchern begeistert aufgenommen, wurden Stücke von Johann Friedrich Fasch, Frantisek Jiranek und Antonin Reichenauer hervorragend vorgetragen.

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