Die Steckbyer Storchenmühle wartet ab sofort mit einer weiteren Attraktion auf. In die einstige Töpferwerkstatt ist neues Leben eingekehrt. Ingrid Pathe und Jürgen Buro aus Dessau präsentieren dort nun ihre handgefertigten Keramiken. Von kunstvollen Vasen über einzigartige Schalen bis zu dekorativen Figuren reicht die Palette der tönernen Waren.

Steckby. Neugierig drängen sich die Gäste in den winzigen Backsteinbau. "Das soll früher das Waschhaus gewesen sein", erzählt Ulrich Michelsen. Im März 2009 übernahm er zusammen mit seiner Frau Herma die Steckbyer Storchenmühle. Seither führen die beiden Berliner das Erbe von Familie Steinke fort. Und dazu gehört eben nicht allein die sanierte Mühle mit dem rustikalen Café und der lehrreichen Naturausstellung im Obergeschoss.

"Hier drin gab es eine Töpferwerkstatt", berichtet Ulrich Michelsen, wie sie die Besucher immer wieder darauf ansprachen. "Es herrschte ein großes Interesse bei den Leuten." Und Herma Michelsen schildert, wie eine Frau mal extra aus Mecklenburg-Vorpommern angereist war, um einen aus Ton geformten Vogel zu erstehen.

Die stetigen Nachfragen führten dazu, dass sich die neuen Mühlenbesitzer entschlossen, die vorherige Tradition wieder aufleben zu lassen. Gut traf es sich da, dass sich unter ihren Stammgästen Keramiker befanden. "Wir haben Michelsens vor zwei Jahren kennengelernt", schaut Ingrid Pathe zurück und ergänzt lächelnd: "Es war Liebe auf den ersten Blick - dieses Refugium und dieses Paar." Nur zu gern griff sie deshalb mit ihrem Mann Jürgen Buro das Angebot auf, etwas aus der einstigen Töpferwerkstatt zu machen. "Wir sind sehr froh, dass sich das so ergeben hat", bemerkt Ulrich Michelsen.

Innerhalb von nicht einmal vier Tagen verwandelten die Dessauer den zugestellten Raum in eine heimelige Galerie. Sie strichen die Wände weiß - bis auf eine, die stark unter Nässe gelitten hatte. Dort setzten sie eine neue davor, die sie mit schwarz-goldenen Querstreifen versahen, ein Muster, das sich ebenfalls auf ihren Vasen wiederfindet.

"Das ist die orientalische Ecke", sagt Ulrich Michelsen. Er ist beeindruckt, wie sie alles hergerichtet haben. Er weist auf die schlichten Regale, auf denen tönerne Figuren und Vasen stehen. "Wir empfinden die Galerie als große Bereicherung für das Ensemble", betont er.

Die Gäste der Eröffnungsveranstaltung am sonnigen Karfreitag sind offensichtlich der gleichen Meinung. Interessiert betrachten sie die ausgestellten Stücke. Keines davon ist auf der Töpferscheibe entstanden. "Wir sind Keramiker", erklärt Ingrid Pathe, wie sie die verschiedenen Gefäße aus Tonplatten montieren. "Die Platten rollen wir wie Nudelteig aus." Sie erläutert den Besuchern, dass sie auf die japanische Raku-Brenntechnik zurückgreifen. "Durch diese Technik färbt sich der weiße Ton schwarz."

Noch glühend heiß wird die Keramik in ein verschließbares Gefäß mit Sägespäne gelegt, die sich dadurch entzündet und auch die farbigen Glasuren verkohlt. Mit einer Bürste müssen die Muster wieder an die Oberfläche geholt werden. Auch Blattgold und Porzellan-Einlagen verwenden Ingrid Pathe und Jürgen Buro zur Gestaltung ihrer Unikate. Sie stellen Gebrauchsgegenstände wie Vasen, Schalen oder Übertöpfe für Blumen her. Daneben fertigt das Künstlerpaar dekorative Figuren an. Grüne Frösche und Schafe mit gelocktem Fell fallen da genauso ins Auge wie verträumt lächelnde Mädchen mit Spangen im Haar. Rasch hat manch einer ein hübsches Mitbringsel entdeckt.

Das Herstellen von Keramiken sei aus einem Hobby heraus entstanden, verrät Jürgen Buro. Längst betreiben die beiden Unruheständler in Dessau ihre Werkstatt "Terra-Art". Nun kommt "Die kleine Galerie" auf dem idyllischen Gelände der Storchenmühle hinzu, auf die wenig später mit Sekt, Wein und Saft angestoßen wird. Dazu greift die gesellige Runde zu gereichten Stückchen von Speckkuchen, Bienenstich und Streuselkuchen.

Geöffnet ist die Keramik-Galerie zu den gleichen Zeiten wie die Storchenmühle, das heißt donnerstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr.