Von Thomas Drechsel

Zerbst. Dutzende Spezialisten bemühen sich seit Anfang März auf dem Zerbster Flugplatzgelände um Sicherheit für den Bau eines rund 100 Hektar großen Solarkraftwerkes. Es geht um verbuddelte Fässer, Autoteile, Panzerketten - Hinterlassenschaften der sowjetischen Luftstreitkräfte.

Es geht noch viel mehr um Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg. Der Militärflugplatz Zerbst war Ziel heftiger Attacken wegen der hier stationierten deutschen Jäger. Zum Kriegsende hin stiegen auch ME 262, die ersten mit Strahltriebwerken ausgestatteten Jagdflugzeuge, vom Zerbster Flugplatz aus auf.

Am 10. April, sechs Tage vor der Bombardierung der Stadt, wurde das Flugplatzgebiet mit einem dichten Bombenhagel übersät. Bei dem rechts abgebildeten Schwarzweiß-Foto handelt es sich um die Reproduktion eines Original-Fotos der amerikanischen Luftwaffe, aufgenommen aus 10 000 Metern Höhe, wenige Stunden nach dem schweren Bombardement. Das Foto einschließlich der Aufnahme des Wartungshangars mit ME 262-Maschinen wurde von der Zerbster Volksstimme erstmals zum 50. Jahrestag der Bombardierung im Jahr 1996 veröffentlicht.

Gut zu erkennen sind die Krater detonierter Bomben im rechten Bildbereich, bei genauem Hinsehen sind auch kleinere Krater zu sehen. Derartige Fotos helfen den Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst, gezielt nach Blindgängern zu suchen. Aktuell gab es acht konkrete Verdachtsbereiche, vier sind untersucht, in einer wurde eine 500-Kilo-Bombe in vier Metern Tiefe aufgespürt und gesprengt.

Zusätzlich wird jede in Frage kommende weitere Fläche auf dem über 400 Hektar großen Gelände von Hand mit Detektoren erforscht. Weite Bereiche gleichen deshalb Mondlandschaften, aus denen jedoch meist ganz trivialer Eisenschrott geborgen wird.

   

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