Zerbst. "Wer sein Problem nicht sehen kann, dem kann ich auch nicht helfen", sagt Suchtberaterin Cornelia Pfeffer und zeichnet damit die Grenzen ihrer Möglichkeiten auf.

Sie spricht aus langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit Suchtkranken, die sie seit zwölf Jahren in Zerbst für die Diakonie und seit einem Trägerwechsel 2008 für das Diakonische Werk Bethanien berät, motiviert und ihnen auf dem Weg aus der Sucht beisteht.

"Hier in Zerbst berate ich vor allem Alkoholsüchtige. Das ist die mit Abstand größte Gruppe", sagt die Diplom–Pädagogin mit einer Zusatzausbildung zur Suchttherapeutin. Doch wer nun an das typische Bild eines Trinkers mit dreckigen Sachen, ohne Kampfgeist und Willen denkt, der irrt. "Vom Arbeitslosen bis zum Arzt – Menschen aus allen Schichten kommen zu mir." Allerdings nicht immer freiwillig. Oftmals werden die Männer und Frauen von Behörden, Ämtern oder Gerichten zur Suchtberatung geschickt. "Wenn sie dann telefonisch um einen Termin bitten, muss ich ihnen meist erst die Angst vor mir und der Beratung nehmen." Denn, anders als bei den Behörden, steht bei Cornelia Pfeffer nicht der Druck, unbedingt trocken oder clean zu werden, im Vordergrund. "Natürlich ist das langfristig das Ziel meiner Arbeit, dass die Leute clean werden und es bleiben." Aber oftmals müsse sie mit dem Suchtkranken erst einmal herausarbeiten, welche Ziele diese im Leben haben, sie motivieren, die Sucht bekämpfen zu wollen.

Pfeffers Beratung folgt meist die Vermittlung in eine Entgiftung, anschließend Therapie, die Nachsorge und die soziale Integration des Abstinenzlers in die Gesellschaft. "Das ist der klassische Weg. Ist der nicht möglich, vermittle ich die Süchtigen in sozial-therapeutische Wohngruppen, zum Beispiel." Allerdings brechen auch viele die Beratungen ab. "Manche, die zu mir kommen, brauche ich nur den Antrag auf Therapie in die Hand drücken und die wissen, was sie tun müssen." Für jene, die großen Beratungsbedarf haben, nimmt sich die 41-Jährige Zeit in mehreren Beratungen. "Wenn es nach einer gewissen Zeit nicht weiter geht, mach ich eine Pause. Die Leute kommen wieder, wenn sie so weit sind."

Im vergangenen Jahr betreute Cornelia Pfeffer 158 Menschen, darunter 26 Frauen. "Das ist im Vergleich zu anderen Beratungsstellen ein hoher Frauenanteil", so Pfeffer. 122 Süchtige kamen mit Alkoholproblemen in die Beratung, 36 wegen Drogenabhängigkeit. Immerhin 14 Besucher der Beratung entschieden sich für eine Entwöhnungsbehandlung, 46 für eine stationäre Entzugsbehandlung.

Um mit Menschen bei Präventionsprojekten oder am Tag der offenen Tür der Einrichtung leichter in Kontakt zu kommen, gibt es die "Sonder"-Bar. Dort mixt Cornelia Pfeffer leckere alkoholfreie Cocktails, die bei Betreuten und Nichtbetreuten gut ankommen. "Von vielen Abstinenzlern höre ich irgendwann, dass Selters langweilig wird." So zeigt sie Alternativen bei alkoholfreien Drinks.

Telefonische Anmeldungen für Beratungstermine sind unter (0 39 23) 62 17 18 montags von 9 bis 17.30 Uhr, dienstags und mittwochs von 9 bis 16.30 Uhr, donnerstags von 9 bis 18.30 Uhr und freitags von 9 bis 13.30 Uhr möglich.

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