Die Archäologen um Grabungsleiter Dr. Gösta Ditmar-Trauth haben das Feld geräumt. Der gesamte Marktplatz wurde untersucht und gehört jetzt den Tiefbauern, die ihn neu gestalten und befestigen.

Zerbst. "Das war ein Glücksfall", meint Dr. Gösta Ditmar-Trauth. "Eine derart große stadtzentrale Fläche zu untersuchen, war das eine Glück. Dass Weltkriege und die Bebauung sich auf dem Platz nicht auswirkten, das andere." In dieser Woche wurden die Grabungen abgeschlossen, nun werden die Funde nachuntersucht. Die Baustelle selbst gehört nun ganz und gar der Tiefbaufirma Strabag sowie den fürs Pflastern und die Boden-Elektrik gebundenen Unternehmen.

Erwartungsgemäß hat es konkreten Aufschluss über Aufhöhungen zum Zwecke der Nivellierung des Geländes gegeben, auch die üblichen Funde aus mittelalterlichen Abfallgruben stellten sich ein. Wesentlich klarer als je zuvor konnte Trauth parallel zu den Grabungen und Funden eine Skizze zur damaligen Gliederung des Marktes und zu seiner Einteilung fertigen. "Wir konnten zusammenhängende strukturelle Erkenntnisse gewinnen. Zum Beispiel war der südliche Markt-Bereich bis hin zur Breiten Straße baulich gegliedert. Von den beiden Straßen oder Wegen durch große Findlinge wie ein Straßenbord abgegrenzt, fanden wir in der Mitte der Fläche regelrechte Parzellierungen. Diese Einteilung muss es in der Zeit zwischen Mittelalter und 30-jährigem Krieg so gegeben haben."

Der Markt selbst ist wahrscheinlich ab dem ausgehenden 14. Jahrhundert entstanden. "Der Markt wurde angelegt, um benachbarte Siedlungen zu verbinden. Im Fall von Zerbst die bürgerliche Siedlung um die Nicolaikirche und die Burgsiedlung der heutigen Breite."

Die Grabungen erbrachten allerlei Kupfer- und andere Erzschlackereste. "Diese Metalle waren damals sehr hochwertige Waren. Die wurden auf dem oberen Markt gehandelt", so Trauth. Womöglich sei das Rathaus auch deshalb genau dort gebaut worden, um diesen "feineren Markt" vom groben Getöse und Getümmel des Holzmarktes abzuschirmen. Zum einstigen Rathaus selbst konnte das Grabungsteam nicht mehr viel finden. Spätestens Bau und Abriss von "Block 38" hat hier den Untergrund zum Schweigen gebracht. "Wir konnten lediglich bestätigt finden, dass die Fassade des alten Zerbster Rathauses ein Anbau war."

Momentan ist auch Trauth zufrieden, die Grabungen beendet zu haben. "Natürlich sind wir unter den Augen der wirtschaftenden Anrainer tätig. Auch sie wollen vorankommen", so Trauth über die unvermeidbare Rolle von Archäologie im Tiefbaugeschehen. Zum Schluss hin sei er "auf die Leute zugegangen mit vorzeigbaren Funden und Erläuterungen. Das ist auf Interesse gestoßen, was uns natürlich freut." Die Grabungen hätten sich "gut im Zeitrahmen bewegt, auch wenn es in den letzten Wochen bei den Bauberatungen ungemütlich wurde. Doch auch das ist nun vorbei". Gerade sein Mitarbeiter, der Zerbster Frank Besener, "hat da einiges aushalten müssen. Er ist ohnehin eine ganz wichtige Säule unseres Wirkens hier in Zerbst", lobt Trauth. In wenigen Wochen, so hoffen beide, können sie erneut in die Tiefe: Auf der Alten Brücke soll das alte Kaufhaus entfernt werden.

 

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