Lange Winter, Aprilwetter im Mai, Klimawandel und so weiter – dies alles sind Themen, die gerade die Landwirtschaft betreffen. Wonach richtet sich der moderne Bauer von heute? Gelten da die alten Bauernregeln überhaupt noch?

Zerbst. Seit 1991 gibt es den Betrieb des Gemüsebauern Udo Weiß in Zerbst. Seit nun fast 20 Jahren säen, ernten und pikieren die zehn Mitarbeiter auf 15 Hektar Nutzfläche unter unterschiedlichsten meteorologischen Bedingungen.

"Die Sonne darf nicht fehlen"

"Aufgrund des langen Winters in diesem Jahr sind wir etwas verspätet in der Keimung und Aufzucht der Pflanzen. Aber wir glauben, dass die Natur den Ausgleich schafft und die Ernte nicht später als sonst erfolgen wird", so Udo Weiß. "Wir arbeiten mit Gewächshäusern und Abdeckungen, wie zum Beispiel bei unseren Kartoffelpflanzen, um die Kälte und Nässe auszugleichen. Natürlich sind dadurch unsere Heizkosten nahezu explodiert."

Trotz aller moderner Technik sind die Pflanzen immer noch vom Wetter abhängig. "Die Sonne darf zur Reifung natürlich nicht fehlen. Da helfen die besten Gewächshäuser nicht". Auch der viele Regen in den letzten Wochen ist eher hinderlich. "Die Felder sind einfach zu nass, um sie befahren zu können, obwohl wir eigentlich aussäen müssten."

Der Mai und der Juni sind für den Betrieb die arbeitsintensivsten Monate, da ist es wichtig, sich rechtzeitig über das Wetter der nächsten Wochen zu informieren. "Dabei spielen Erfahrung, der Wetterbericht, aber auch der Bauernkalender eine Rolle. Momentan haben wir zum Beispiel die Eisheiligen, auch Maifröste genannt, dementsprechend müssen wir uns einrichten."

"Der Bauer muss sich anpassen"

Doch auch in den anderen Monaten gibt es genug Arbeit auf dem Hof. "Wir säen und setzen ganzjährig Pflanzen und Gemüse. Schließlich muss unser Hofladen, den mein Sohn Oliver führt, immer mit Produkten gefüllt sein." Der Hofladen wurde 2004 zur Selbstvermarktung der Ernteerzeugnisse eröffnet.

"Ob es einen Klimawandel gibt oder ob das Wetter sich heute anders auswirkt als vor 20 Jahren, kann ich nicht sagen. Der Bauer im Allgemeinen muss die meteorologischen Gegebenheiten hinnehmen und sich einfach anpassen."