Seit 125 Jahren dreht sich für die Mitglieder des Imkervereins Zerbst und Umgebung alles um die Honigbiene. Derzeit machen dem fleißigen Volk lediglich die kühlen Temperaturen Probleme. Der harte Winter hatte hingegen kaum Einfluss auf die Bienenvölker.

Von Desirée Mainzer

Zerbst. Vielleicht haben es einige aufgrund des langen Winters mit großen Schneemengen und dem nahtlosen Übergang in Regentage mit zum Teil sintflutartigem Charakter noch nicht bemerkt, aber es ist tatsächlich Frühling. Ein wichtiges Glied in der Kette der landwirtschaftlichen Entwicklung ist dabei die Honigbiene, die neben der Honigproduktion eine noch weitaus wichtigere Aufgabe erfüllt: Nämlich die Bestäubung von Pflanzen. Nur dadurch entstehen die für den Frühling und natürlich auch den Sommer typischen blühenden Landschaften.

"Der Schnee und die Kälte des letzten Winters hatten kaum Einfluss auf die Bienen. Allerdings fehlen ihnen jetzt warme Temperaturen und ein wenig Sonne", berichtet Gisela Thiem. Sie ist seit mehr als 40 Jahren begeisterte Hobbyimkerin.

"Imker kann im Grunde jeder werden, der ausreichend Zeit hat und sich gut genug darauf vorbereitet. Ganz wichtig ist, dass jeder, der Bienen halten möchte, daran denkt, sein Volk beim Veterinäramt anzumelden, um eventuell auftretende Krankheiten unter Kontrolle zu halten und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können", berichtet Manfred Werner, Vorsitzender des Imkervereins Zerbst und Umgebung. "Unser Verein bietet auch Unterstützung gerade für Jungimker. Diese können sich bei Bedarf Geräte wie Beuten und eine Honigschleuder ausleihen. Wir stellen ihnen einen erfahrenen Imker als Paten zur Seite. Auch in den Versammlungen leiten wir sie an, was in dem entsprechenden Jahresablauf zu tun ist."

Die Haltung von Bienen ist die für die Volkswirtschaft drittwichtigste Art der Tierhaltung – nach den Rindern und den Schweinen. In Deutschland gibt es circa 750 000 Bienenvölker. Innerhalb der letzten Jahre gab es eine Verringerung um 300 000 Völker. Das hat vielerlei Gründe. Die Menschen haben aufgrund ihrer Berufe meist nicht genügend Zeit und der Nachwuchs fehlt. Zudem befinden sich die Imker bereits im hohen Rentenalter.

Ein Problem, womit alle Bienenhalter zu kämpfen haben, ist der Rückgang der Blühpflanzen durch die zunehmende landwirtschaftliche Nutzung der freien Flächen und die fehlende Aufnahme von Trachtpflanzen in die Fruchtfolge. "Das Land Sachsen-Anhalt bietet seit diesem Jahr ein Förderprogramm zur Anlage sogenannter ¿Blühstreifen‘. Wir sind deswegen auch schon im Gespräch mit mehreren landwirtschaftlichen Betrieben der Umgebung, um diese von der Teilnahme an eben diesem Programm zu überzeugen. Bisher sind wir noch nicht auf viel Zustimmung gestoßen. Die Auflagen des Programms schrecken die Landwirte ein wenig ab", berichtet Manfred Werner. Informationen zu diesem Programm können Interessenten im Internet unter www.mlu.sachsen-anhalt.de finden.

Des Weiteren könnte aber auch die Stadt Zerbst zur Erhaltung der Bienen beitragen, indem in die Bepflanzung der Grünflächen mehr Bäume aufgenommen werden würden, die auch für die Insekten nutzbar sind. "Dazu gehören zum Beispiel nicht Platanen, wie sie auf dem neugestalteten Markt gepflanzt wurden." Natürlich sei aber lobend zu erwähnen, dass im "grünen Gürtel" um die Zerbster Stadtmauer herum und auch innerhalb der Stadt Linden gepflanzt worden sind, ergänzt Gisela Thiem.

Der Imkerverein Zerbst und Umgebung hat zur Zeit 30 Mitglieder, die insgesamt 269 Bienenvölker besitzen. "Am 21. August dieses Jahres begeht der Verein sein 125-jähriges Jubiläum in Hechts Hotel und Restaurant. Dazu sind Imker auch aus anderen Vereinen und alle Interessierten, die erst noch Imker werden wollen, herzlich eingeladen", berichtet der Vereinsvorsitzende. An diesem Tag können sich alle eine Ausstellung zur Imkerei ansehen, Fachvorträgen beiwohnen oder auch an Verkaufsständen vor allem Imkermaterialien erwerben. Gewiss werden auch andere Bienenprodukte angeboten.

Die Biene wird häufig als Störenfried und nerviges Insekt empfunden, wenn sie denn im heimischen Garten um den geliebten Obstkuchen herumschwirrt. Oft wird aber die aufdringliche Wespe am nachmittäglichen Kaffeetisch im Freien mit der Biene verwechselt. Dennoch sollte man ihre Wichtigkeit und auch die der Wildinsekten für die Umwelt nicht vergessen und sich für den Erhalt ihres Lebensraumes einsetzen.