Im Elbbereich Tochheim/Breitenhagen werden derzeit die Buhnen durch Steinschüttungen verlängert. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht darin eindeutig einen Ausbau des Flusses, der einer Prüfung und Genehmigung bedarf.

Tochheim/Breitenhagen l "Das ist keine Wiederherstellung oder Reparatur, sondern ein Ausbau und dazu bedarf es einer Genehmigung und Prüfung und die fordern wir ein", erklärt Ernst Paul Dörfler. Beim BUND engagiert sich der leidenschaftliche Flussschützer für die Elbe, an der er aufgewachsen ist. "Hier befinden sich die größten Auenwälder Mitteleuropas", spricht er von "unserem wertvollsten Naturschatz, dem das Wasser abgegraben wird".

Mit Sorgen beobachtet er derzeit die Steinschüttungen im Bereich Tochheim/Breitenhagen, mit denen die Buhnen im Auftrag der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost mehrere Meter in den Fluss hinein verlängert werden. "Das läuft schon seit Wochen", berichtet er Dietmar Weihrich. Der Vorsitzende des Umweltausschusses des Landtages von Sachsen-Anhalt macht sich gestern Vormittag ein persönliches Bild von den laufenden Arbeiten. "Wir haben Bedenken, dass da durch die Hintertür doch der Ausbau der Elbe passiert", teilt der Grünen-Politiker die Befürchtungen des BUND.

Wie Dörfler erläutert, steigt der Pegel durch die Verengung des Flusses zunächst zwar an, langfristig sinkt der Wasserstand jedoch. Denn durch die sich erhöhende Fließgeschwindigkeit erodiert die Sohle und die Elbe gräbt sich immer tiefer in ihr Bett ein. "Damit sinkt der Grundwasserspiegel in der Aue", schildert Weihrich die auf Dauer negativen Auswirkungen. Vor allem bei Niedrigwasser trocknet die Landschaft immer aus.

"Man versucht, die Elbe befahrbarer zu machen, obwohl weniger Güter transportiert werden", schüttelt Dörfler den Kopf. Er holt eine Grafik hervor, die belegt, dass sich die Transportmengen seit 1998 halbiert haben und auf rund eine Million Tonnen pro Jahr gesunken sind. Zugleich präsentiert er die damalige "grandios verfehlte" Prognose, laut der 2010 beachtliche 23 Millionen Tonnen auf der Elbe transportiert werden sollten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund sei die Sinnhaftigkeit eines Ausbaus des Flusses zu hinterfragen. Dabei stört ihn besonders, dass die Öffentlichkeit nicht an den Diskussionen und Entscheidungen beteiligt wird. "Wir sind der Meinung, dass die Elbe uns allen gehört", setze sich der BUND dafür ein, dass die Bürger hier mitreden dürfen. Zumal man die durchgeführten Maßnahmen gar nicht richtig abschätzen könne, da vieles unter Wasser passiere, gibt Dörfler zu bedenken.

In Anbetracht der aktuellen Bauarbeiten sagt Weihrich zu, das Thema in den Umweltausschuss zu bringen. Zwar ermögliche die neue, noch zu beschließende Geschäftsordnung des Landtages, Dinge öffentlich zu behandeln. Dass das in dem Fall passiere, könne er allerdings nicht versprechen. Derartige Eingriffe, wie sie jetzt bei Tochheim und Breitenhagen passieren, würden eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung voraussetzen, erklärt er. Zudem sollte auch eine Kosten-Nutzen-Analyse erfolgen, findet Dörfler.

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