Viele Hände werden benötigt, um die Hochwassersituation in großen Teilen des Landkreises zu bewältigen. Ein-Euro-Jobber könnten mit zupacken – theoretisch jedenfalls. Die tatsächlichen Regelungen stoßen allerdings auf Kritik, wie beispielsweise beim Biederitzer Bürgermeister Kay Gericke (SPD).

Biederitz. In Ausnahmesituationen werden alle helfenden Hände gebraucht. Auch wenn die Pegel sinken, ist noch immer viel zu tun. Der Gedanke, dass Ein-Euro-Jobber Hand anlegen, liegt nahe. Allerdings: "Am Donnerstag gab der Landkreis bei einer Zusammenkunft der hochwassergefährdeten Gemeinden bekannt, dass Hochwasserschutz jedoch nicht im Rahmen der Maßnahmen der Ein-Euro-Jobber möglich ist", kritisiert Gericke. Nur ein freiwilliger Einsatz der Maßnahmenteilnehmer sei mit Absprache der Träger möglich. Die betroffenen Personen könnten dann für den Hochwasserschutz freigestellt werden, erläuterte gestern Torsten Narr, Geschäftsführer des Jobcenters des Jerichower Landes, gegenüber der Volksstimme.

Für Kay Gericke unverständlich. Schließlich gäbe es in Biederitz etwa 30 Ein-Euro-Jobber, "die für den Träger ¿Natural‘ im Einsatz sind und zu deren Aufgaben der grüne Bereich des Ehle-Umflutgeländes zählt", weiß der Bürgermeister. Da dieses Areal jetzt überflutet ist, fällt diese Aufgabe weg. Für Gericke ist deshalb und angesichts des Hochwassers ein Einsatz der Ein-Euro-Jobber im Hochwasserschutz denkbar.

Doch mit der Regelung, die jetzt getroffen wurde, sieht er Schwierigkeiten: "Melden sich die Ein-Euro-Jobber freiwillig, werden sie zwar freigestellt, bekommen aber in dieser Zeit auch kein Geld. Woher soll also die Motivation kommen, dass sich die Leute melden?"

Torsten Narr hat die Regelung mit ausgearbeitet und erklärt: "Als die Anfrage kam, ob Ein-Euro-Jobber für die Hilfe beim Hochwasser eingesetzt werden können, war die mögliche Freistellung der Ein-Euro-Jobber die schnellste und unkomplizierteste Lösung. Wenn sich die Männer und Frauen freiwillig melden, kann die Gemeinde, in der sie bisher eingesetzt waren, auch frei über ihren Einsatz verfügen, ohne dass es mit dem Jobcenter abgestimmt werden muss. So können schnell Entscheidungen vor Ort gefällt werden, ohne Umwege."

Dank der sinkenden Pegelstände müssen gerade keine Sandsäcke gefüllt werden, doch von einer wirklichen Entspannung der Lage könne auch nicht die Rede sein, so Gericke. Er hat außerdem schon die Folgen des Hochwassers im Auge. "Auch wenn wir gerade keine zusätzlichen Helfer benötigen, werden einige Aufräumarbeiten auf uns zukommen. Hierzu werden wir uns nächste Woche nochmal mit dem Jobcenter verständigen", kündigt der Biederitzer Bürgermeister an.

Neben der Sorgen um Drängwasser und Sickerstellen ergeben sich noch weitere Probleme durch den Deichtourismus. Das Hochwasser aus der Nähe zu betrachten, reize viele Menschen und verleitet sie, die Deiche zu betreten. Trotz Verstärkungen seit den letzten Hochwasserereignissen blieben diese aber empfindlich und müssten gegen nicht notwendige Benutzung geschützt werden, teilte die Kreisverwaltung mit. "Das Betreten sämtlicher Deichanlagen im Landkreis ist deshalb verboten."

Ein Verstoß dagegen könne mit einem satten Bußgeld von bis zu 50 000 Euro geahndet werden.