Altstadt. Die Sternsinger ziehen Anfang Januar durch die Stadt, um frohe Botschaften zu verkünden, Gottes Segen zu überbringen, Unheil fernzuhalten und Geld für Hilfsprojekte zu sammeln - in diesem Jahr für das afrikanische Malawi. Einer der Höhepunkte ist stets der Besuch beim Ministerpräsidenten.

Stolz tragen dort die Sternsinger ihre Lieder vor und werden mit einer Spende belohnt. Mit dabei ist dieses Jahr auch Henriette aus der katholischen Sebastiansgemeinde. Mit ihren Mitstreitern macht sie sich am Mittwoch gegen 14.40 Uhr von der Sebastianskirche auf zum Regierungschef. Rund eine Stunde dauert der Auftritt, dann kommt die böse Überraschung. Als die Zwölfjährige an die Sebastianskirche zurückkehrt, liegt am Fahrradständer nur noch der Helm, den sie mit angeschlossen hatte. Die Enttäuschung bei der Sternsingerin ist groß: "Ich war erschocken und konnte es kaum glauben", sagte sie danach. Sofort informiert sie ihre Eltern. Doch auch die können nichts tun. "Ich habe noch rund um die Kirche gesucht, aber leider keine Hinweise auf das Fahrrad gefunden", ärgert sich Mutti Nicola.

Bei dem gestohlenen Fahrrad handelt es sich um ein schwarzes 28-Zoll-Damenrad der Marke "Kettler" mit tiefem Einstieg und einem "Holland"-Lenker.

Wiegt der materielle Schaden schon schwer, so ist die Enttäuschung über den Verlust des neuen Fahrrades noch viel größer. "Da setzt sich jemand als Sternsingerin für andere ein und währenddessen machen sich Langfinger am Fahrrad zu schaffen. Das ist nicht zu fassen", ärgert sich die ganze Familie. Besonders tragisch ist zudem, dass Henriette bereits im vergangenen Jahr ein Fahrrad gestohlen wurde und sie erneut rund ein halbes Jahr auf den Ersatz-Drahtesel gespart hatte. Kurz vor Weihnachten war das Geld endlich zusammen. Das Rad konnte gemeinsam mit den Eltern gekauft werden und verschönerte das Weihnachtsfest.

Viel Freude hatte Henriette nicht an ihrem großen Drahtesel. Sie muss nun wieder auf das alte Kinderrad zurückgreifen. Auch die Hoffnung, dass das Fahrrad wieder auftaucht, ist eher gering. In Magdeburg verschwinden pro Jahr rund 4000 Fahrräder. Das sind durchschnittlich 10 Stück pro Tag. "Die Aufklärungsquote liegt in Magdeburg bei knapp 20 Prozent und ist im Vergleich zu anderen Städten sogar relativ gut", sagt Marc Becher von der Magdeburger Polizei, die natürlich auch im Fall von Henriette Ermittlungen ankündigt.

Ob die Suche von Erfolg gekrönt sein wird, steht in den Sternen. Zurück bleibt auf jeden Fall ein enttäuschtes fahrradloses Mädchen und mit ihr der Ärger über ein besonders dreistes Vorgehen eines Fahrraddiebes.

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