Neu-Olvenstedt l Zum achten Mal hat ein unbekannter Brandstifter in einem Mehrfamilienhaus am Gerstengrund Feuer gelegt. Am Sonnabendmorgen wurde eine Wohnungstür angezündet. Im Gegensatz zu früheren Bränden - da hatte der Feuerteufel an leeren Wohnungen und im Keller gezündelt - legte er am vergangenen Sonnabend an einer bewohnten Wohnung Feuer. Laut Polizei konnten die Mieter den Brand selbstständig mit einem Eimer Wasser löschen. Verletzt wurde niemand. Der Schaden wird auf 1000 Euro geschätzt. Die Kriminalpolizei stellte Reste eines Brandbeschleunigers an der Wohnungstür sicher.

"Ich hörte ein Knistern an unserer Tür. Mir war sofort klar, was los ist", sagte die Mieterin gegenüber der Volksstimme. "Ich bin nervlich am Ende." Die junge Frau wohnt mit ihrem Freund in der Wohnung. Ein Notarzt hatte die beiden am Sonnabendmorgen untersucht. "Körperlich fehlt uns nichts. Aber wir haben Angst", sagte die Frau.

Obwohl die Ermittlungen zur Brandserie im Gerstengrund auf Hochtouren laufen, kommt es seit November 2012 immer wieder zu Brandstiftungen im und vor dem Haus. "Der oder die unbekannten Täter setzen mit ihrem unverantwortlichen Handeln bewusst das Leben und die Gesundheit der Mieter aufs Spiel", sagt Polizeisprecher Marc Becher.

Bisher wurden die insgesamt fünf Brände im Treppenhaus jeweils kurz nach Ausbruch des Feuers von Mietern bemerkt. Bereits dreimal hatte es auch vor dem Haus gebrannt. Unbekannte hatten an Autos gezündelt. "Die Polizei konzentriert sich bei ihren Ermittlungen verstärkt auf das nahe Umfeld des Wohnhauses", so Becher.

Am vergangenen Donnerstag hatte der Vermieter, die Neutecta Grundinvest Aktiengesellschaft aus Leipzig, gegenüber der Volksstimme "einen konkreten Maßnahmenkatalog" für das Gerstengrund-Brandhaus angekündigt. In einem Schreiben hatte der Vermieter am selben Tag den Mietern des Hauses eröffnet, dass ein externes Unternehmen das Haus ab Februar reinigen wird, die Kosten auf die Bewohner umgelegt werden sollen. "Sonst haben wir immer noch nichts vom Vermieter gehört", sagte die Frau, deren Wohnungstür nun brannte. "Wir haben uns jetzt selber Rauchmelder geholt", sagte sie. Eigentlich ist das Vermieter-Sache. In Sachsen-Anhalt gibt es eine Rauchmelder-Pflicht. Allerdings wird bei Bestandsbauten wie dem Gerstengrund-Brandhaus eine Übergangsfrist bis Ende 2015 eingeräumt. Die Mieter im betroffenen Haus leben seit mehr als einem Jahr in Angst. Einige wollen nun ausziehen. Das Landeskriminalamt ermittelt, bislang jedoch erfolglos.