Magdeburg I Gleich einer Fantasiefabrik werden hinter den Mauern eines alten Firmengeländes in der Rogätzer Straße Prinzessinnen eingekleidet und deren Schlösser gebaut. Als Schmelztiegel der Kreativen gilt die Theaterwerkstatt, in der neben Maler, Tischler, Schlosser und Dekorateur auch etliche Schneider am Werk sind. Unter der Leitung des Kostümdirektors Stephan Stanisic entstehen dort so ziemlich alle Kleidungsstücke, welche die Schauspieler, Sänger und Tänzer des Magdeburger Theaters kleiden.

Mit sogenannten Figurinen, einer Art Skizze des Kostüms, wenden sich die Kostümbildner an die Gewandmeisterinnen Claudia Grabiger-Mewes (für Damen) und Francés Wegener (für Herren). Dann werden Einzelheiten besprochen, Stoffe bestellt, Maße der Akteure genommen und Schnittmuster gefertigt. Dabei seien die Vorstellungen der Ausstatter manchmal nicht so leicht umsetzbar, wie man denken könnte, verriet Claudia Grabiger-Mewes mit einem Augenzwinkern.

Derzeit ist die Gewandmeisterin, die bereits seit 1996 am Theater tätig ist, mit den Schnittmustern zu "Otto" (Oper von Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann; ab 15. März) beschäftigt. Allein die Rolle der Theophane (Sopranistin Kirsten Blaise) umfasse drei aufwendige Gewänder.

Doch damit nicht genug, neben den Kostümen für "Otto" werden derzeit auch die Roben für "Endstation Sehnsucht" (Schauspiel nach Tennessee Williams, ab 21. März), "Die Geschichte vom Soldaten" (Musikalisches Bühnenwerk nach Igor Strawinsky, ab 22. März) und "Der Bettelstudent" (Operette von Carl Millöcker, ab 3. Mai) gefertigt.

Während die Gewandmeisterinnen u.a. Stoffe aussuchen und die Schnittmuster erstellen, sind Anke Kreutzberg (Vorarbeiterin Damen), Ute Fries (Vorarbeiterin Herren) sowie die Schneiderinnen Kathrin Nagel, Kerstin Kirstein, Simone Cherubim, Regina Cuno, Heidrun Kirchhoff und Ingrid Kluge diejenigen, die sie in ein tragbares Kleidungsstück verwandeln. Zum großen Team der Schneiderinnen gehören zudem Heike Lange, Ute Lau, Angelika Löwenkamp, Kerstin Ruczkowski, Petra Runge, Gabriele Schlüter, Simone Schreiber, Elena Schweigert, Jutta Seebert, Claudia Stöckel, Bärbel Thiede und Carola Weber.

Bis gestern waren sie noch mit den Kostümen für "Der Rosenkavalier", der am kommenden Sonnabend, 22. Februar, 18.30 Uhr Premiere feiert, beschäftigt. Nun müssen noch kleine Änderungen vorgenommen werden, ehe die nächsten Arbeiten auf dem Tisch oder besser unter der Nähmaschine landen.

Obgleich Stress und Zeitdruck zum Alltag gehören, würde Kerstin Kirstein ihren Job keineswegs tauschen wollen. "Was wir hier machen, ist abwechslungsreich. Ich mag einfach das Individuelle", erklärt sie. Seit 15 Jahren arbeite sie am Theater, habe sich gewiss Milliarden Mal mit der Nadel in den Finger gestochen und auch schon das ein oder andere Mal eine Naht verflucht, und doch möchte sie die Arbeit nicht missen. Schönste Kleider, ausgefallene Gewänder - wo sonst könne man so etwas nähen. Daheim jedenfalls nicht. Wie viele Kleider und Gehröcke Kerstin Kirstein und ihre Kolleginnen in all den Jahren schon gefertigt haben, können sie nicht sagen. Wohl erinnern sie sich aber an jene, die sehr ausgefallen und aufwendig waren - die Schöne und das Biest zum Beispiel. Schließlich nähe man nicht allzu oft eine Kommode mit funktionierender Schublade.

Wer sich die Arbeiten der Theaterschneiderei anschauen möchte, hat natürlich bei den Theater-Vorstellungen Gelegenheit dazu. Der aktuelle Spielplan ist unter www.theater-magdeburg.de einsehbar oder zu erfragen unter Tel. 540 65 55.

Bilder