Magdeburg l Soll die 106-jährige Geschichte der Magdeburger Gießerei wirklich im April für immer enden? Mit dieser Vorstellung können sich die 100 Mitarbeiter der Salbker Gießerei unter dem Dach des Unternehmens Global Castings nicht anfreunden. Gewerkschaftssekretär Axel Weber von der IG Metall sieht hinter den Schließungsplänen "ein abgekartetes Spiel": "Hier soll vielleicht auch ein Konkurrent aus dem Weg geräumt werden", argumentiert er und erklärt: "Die haben hier früher alles gemacht, was eine Gießerei kann. Erst mit der Übernahme zu Vestas (Vorgänger-Eigentümer - d. Red.) vor rund zehn Jahren wurde der Betrieb auf einen einzigen Kunden für Windkraftanlagen spezialisiert und die Putzerei nach Polen ausgelagert. Und jetzt führt die Firmenspitze, die auch nach dem Verkauf an Global Castings dieselbe ist, diese selbst verursachte Spezialisierung als Hauptschließungsgrund an."

Das Unternehmen hatte am Donnerstagabend erklärt, dass Überkapazitäten der Gießereien in der Global-Castings-Gruppe abgebaut werden müssten. Für den Magdeburger Standort bestünden keine Chancen auf Weiterbetrieb oder ein Umschwenken auf die Fertigung alternativer Produkte. Auch die Gewinnung neuer Kunden sei aussichtslos.

Die IG Metall bestätigt zwar Überkapazitäten in der Gießereibranche, vermutet aber hinter der Schließung dennoch Kalkül des Unternehmens. Gewerkschaftssekretär Axel Weber: "Ist die Gießerei erst mal dicht, kann man sie so schnell nicht wieder aufmachen." Hintergrund sei der Wegfall von Bestandsschutzregelungen beispielsweise bei Emmissionswerten. Sie müssten bei der Wiederaufnahme des Betriebs erst mühsam neu erfüllt werden.

Zudem hat die Belegschaft den Verdacht, dass mit einer schnellen Schließung ein unliebsamer Konkurrent aus dem Markt entfernt werden solle. Somit bestehe kein Interesse an der Fortführung durch einen Investor.

Die Gewerkschaft will gemeinsam mit dem Betriebsrat auf Investorensuche gehen. "Wir können nichts versprechen, aber wir werden alles Menschenmögliche tun, um Investoren auf die Gießerei aufmerksam zu machen", sagte Axel Weber von der IG Metall. Betriebsrat und IG Metall wollen mit Stadt, Land und Gießereiverbänden sprechen und Möglichkeiten einer Rettung ausloten.

Auch eine Internetkampagne nach dem Motto "Eine Belegschaft verkauft sich selbst" zieht die IG Metall in Betracht.

Die Belegschaft präsentiert sich geschlossen. Sie will für den Erhalt der Gießerei das tun, was die Kollegen seit Jahrzehnten am kochenden Kessel mit flüssigem Eisen beweisen: Kämpfen wie aus einem Guss.