Magdeburg l Über die neue Straßenbahn nach Reform freuen sich nicht alle. Denn mit der neuen Tram fielen Bushaltestellen weg. Das sorgt nun bei mehreren Anwohnern einer Wohnsiedlung für Unmut. Die Ursache für den Ärger liegt allerdings woanders.

Rentnerin Sylva Sturm (85 Jahre) ist seit Jahren treue Kundin der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB). Ob Arzt oder Einkauf - mehrere Dinge erledigt sie mit Bus und Bahn. "Bis vor kurzem war das auch noch sehr komfortabel", sagt sie.

Mit der Gestaltung der Linien im Süden Magdeburgs wurden allerdings auch Busstrecken neu strukturiert. Die Haltestelle am Neptunweg/Skorpionstraße, die Sylva Sturm regelmäßig nutzte, gibt es nicht mehr. "Ich bin 85 Jahre. Dass ich jetzt bis zur Werner-Seelenbinder-Straße laufen muss, ärgert mich", erzählt die Magdeburgerin am Volksstimme-Reportertelefon. Damit geht es ihr wie vielen der Bewohner der Eigenheim-Siedlung am Neptunweg. Auch Gerda Mallek (82 Jahre) nutzt Bus und Bahn regelmäßig. "Warum redet niemand mit uns", fragt sie. Auch sie findet es nicht in Ordnung, dass sie nun mehrere Hundert Meter weiter bis zur nächsten Haltestelle laufen muss.

"Mit der Liniennetzgestaltung konnte es passieren, dass wenige Fahrgäste einen längeren Fußweg zur Haltestelle haben", räumt MVB-Sprecherin Juliane Kirste ein. Zugleich weist sie darauf hin, dass für einen Großteil der Fahrgäste eine spürbare Verbesserung der Nahverkehrs-Anbindung im Süden der Stadt erreicht worden sei.

Mit dem neuen Netz war eigentlich geplant, die Linie 54 mit der Straßenbahn zwischen Bördepark und Reform zu ersetzen. "Es war weiterhin angedacht, die Buslinie 58 über den Neptunweg, Juri-Gagarin-Straße direkt an die Straßenbahnendstelle zu führen", sagt MVB-Sprecherin Kirste. Bei dieser Planung wäre auch die Haltestelle Skorpionstraße erhalten geblieben - und damit auch der längere Fußweg Sylvia Sturm und Nachbarn erspart geblieben.

Allerdings durften die MVB die ursprüngliche Planung nicht umsetzen. Denn die Busstrecke wird als verkehrsberuhigte Zone geführt. "Eine Befahrung der Juri-Gagarin-Straße und der Otto-Baer-Straße lässt das mit Bussen leider nicht zu", so Kirste weiter.

Laut MVB entspricht die Entfernung zwischen den einzelnen Haltestellen in diesem Gebiet den Vorgaben der Landeshauptstadt Magdeburg (siehe Infokasten). "Eine Alternative, um für Frau Sturm und andere Fahrgäste in diesem Bereich einen kürzeren Fußweg zur Haltestelle zu ermöglichen, ist leider schwer umsetzbar", so Kirste gegenüber der Volksstimme. Sylva Sturm will mit ihrer Nachbarin trotzdem für ihre Haltestelle kämpfen. "Das Problem betrifft nämlich nicht nur mich", sagt sie.

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