Magdeburg I Mitten im Schneegestöber einen Kerzenstecker wechseln - das ist nur eine der vielen spannenden Anekdoten, die Rolf Becker, besser bekannt als Drehorgel-Rolf, von seiner Trabi-Reise nach Sotschi mitgebracht hat. "Der Kaukasus war schwerer zu fahren als das Himalaya", sagte Becker. Seine Trabi-Touren um die Welt sind fast schon legendär und angesichts ihrer Länge fast rekordverdächtig. Nach der 3000 Kilometer-Reise zu den Olympischen Spielen 2014 ließ Drehorgel-Rolf sich gestern mal wieder mit seinem grauen Trabi in Magdeburg blicken. In seinem typisch roten Overall erzählte der Weltenbummler von singenden Kosaken, der Fahrt mit einem russischen Mähdrescher und der Begegnung mit Spitzensportlern wie Rodler Felix Loch. "Bei den Spielen mitzufiebern, war klasse", schilderte der 66-Jährige seine Erlebnisse von Sotschi.

Vom Straßenkehrer bis hin zur SPD-Landtagsabgeordneten Rita Mittendorf - hier in Magdeburg kennen und grüßen alle den Trabi-Fahrer, obwohl er eigentlich aus Halle kommt. "Ich bin zu allen freundlich, auch zu den Magdeburgern" sagte Becker. Das ist wahrscheinlich genau der Grund, warum sich in Sotschi selbst das russische Staatsfernsehen auf ihn stürzte. "Per Live-Schaltung kam ich direkt in die Hauptnachrichtensendung. Gott sei Dank kann ich aus der Schule noch etwas Russisch", erzählte Becker. "Mit einem Trabi kann man sich eben besser in Szene setzen, als mit jedem Acht-Zylinder."

Seinen ersten 500er kaufte sich Drehorgel-Rolf bereits Anfang der siebziger Jahre. Bis heute gingen rund 80 Trabis durch seine Hände. Und mit denen war er schon auf vielen Olympia-Touren - zu den Winterspielen in Salt Lake City zum Beispiel. In Sotschi besuchte er Wettkämpfe und das Deutsche Haus in den Bergen von Krasnaja Poljana. Leisten kann er sich das durch Sponsoring und von Einnahmen aus Reisevorträgen. "Eine Tour durch Vietnam wäre noch ein Traum von mir", sagte Becker. Na, wer weiß, welche skurrilen Geschichten Drehorgel-Rolf danach so auf Lager hat.