Magdeburg l Richter fällen täglich Urteile, die nicht immer jedermann gefallen. Jetzt könnte es dem Gericht selbst ähnlich gehen: Ein wahres Urteil soll gesprochen werden - diesmal allerdings aus Sicht des Volkes über die Arbeit des Gerichts. "Wir wollen wissen, wie gut oder schlecht unsere Arbeit und der Service der einzelnen Abteilungen ist", erklärt Frank Gärtner, Sprecher des Amtsgerichtes Magdeburg.

Ob Beantragung eines Erbscheins, Einsicht ins Grundbuch oder Beratungshilfe - alle Abteilungen machen mit bei der großen Zufriedenheitsumfrage. Das Magdeburger Amtsgericht, das mit seinen 16 Abteilungen täglich Hunderte Anfragen bearbeitet bzw. Besucher betreut, hat sich der Qualitätsoffensive der sächsischen Justiz angeschlossen.

Die Sachsen befragen in ihren örtlichen Justizbehörden schon zum 9. Mal. Erstmals ist mit Magdeburg eine Großstadt aus Sachsen-Anhalt mit im Boot. "Parallel mit uns laufen Umfragen in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Wir erhoffen uns in diesem länderübergreifenden Vergleich auch ein paar interessante Erkenntnisse, was dort vielleicht besser läuft als hier bei uns", sagt Gärtner.

Ein wichtiger Teil der Umfrage (ihr offizieller Titel lautet "Vergleichsring 09") ist die Bürgerbefragung. Sie läuft seit Anfang März und noch bis Ende April. Gefragt werden Bürger, die selbst Erfahrungen mit einzelnen Bereichen des Amtsgerichtes, wie Nachlassabteilung, Grundbuchamt oder Zivilabteilung gesammelt haben. "In allen Abteilungen liegen Fragebögen aus", informiert Projektbetreuer Jens-Uwe Drechsel-Neumann. Er wie auch Pressesprecher Gärtner ermuntern die Magdeburger dazu, sich nach ihrem Besuch im Amtsgericht kurz Zeit zu nehmen und den anonymen Fragebogen auszufüllen. Überall im Justizzentrum warten Stimmzettel-Urnen auf die ausgefüllten Bögen.

Jeder könne so die Chance nutzen, um Verbesserungen in der Arbeit der Behörde zu erreichen, so Gärtner. Ein Schritt dazu wird bereits getan. In einer ersten Umfrage sind Berufsgruppen wie Notare, Rechtsanwälte und Ämter, die viel mit dem Amtsgericht zu tun haben, befragt worden. Ein erstes Ergebnis liegt vor. Diese Gruppen vergaben die Durchschnittsnote 5,5 auf der Skala von 1 (unzufrieden) bis 7 (voll und ganz zufrieden). Die Feinauswertung läuft zwar noch, erklärt Rechtspfleger Drechsler-Neumann. Dennoch werden schon in Kürze Einladungen zum Beispiel an Notare verschickt.

Auf Workshops im Juni soll dann konkret besprochen werden, was an der Arbeit der Behörde verbessert werden kann. "Das zeigt, dass wir es ernst meinen", findet Amtsgerichtssprecher Gärtner.