Magdeburg l Die Entscheidung sei einstimmig gewesen, sagt Roland Zander, Vorsitzender der Kleingartenkolonie Lerchenwuhne. Mehr als 100 Schollenbesitzer wollen aus dem Verband der Gartenfreunde - die Dachorganisation der mehr als 14 000 Laubenpieper in der Landeshauptstadt - austreten. "Wir sind unzufrieden mit der Arbeit des Verbandes. Deshalb wollen wir raus", so Zander, der schon mit der Gründung der Gartenpartei von sich reden machte.

Den Anfang nahm der Streit der Kleingärtner im vergangenen Jahr, als bekannt wurde, dass Magdeburg nach Stadtfeld auch Kleingärten im Neustädter Feld in Bauland für Eigenheime umwidmen will. Betroffen unter anderen: die Anlage "Lerchenwuhne". Die Schollenbesitzer fühlten sich vom Verband schlecht informiert. Mehrfach meldete sich Zander mit Rücktrittsforderungen an Ute Simon zu Wort (Volksstimme berichtete). Der nun beschlossene Austritt ist der vorläufige Höhepunkt. "Bekommen wir das hin, werden andere Vereine nachziehen", sagt Zander der Volksstimme.

Obwohl die Jahreshauptversammlung der Kleingartenkolonie im Verbandshaus der Gartenfreunde stattfand, erfuhr dessen Vorsitzende Ute Simon erst gestern von der Volksstimme von dem Beschluss der Lerchenwuhne-Laupenpieper. "Natürlich kann ein Verein unter Einhaltung der Fristen auch aus dem Verband austreten", so Ute Simon. Allerdings bleibe davon das Pachtverhältnis unberührt.

Bisher tritt der Verband als Zwischenpächter auf. Der Grundstückseigentümer - an der Lerchenwuhne unter anderen die Stadt - verpachtet das Gelände an den Verband. Der wiederum verpachtet es an die Kleingärtner. Ein Verein bündelt die Interessen der einzelnen Laubenpieper. So ein Pachtvertrag existiert dann meist in dreifacher Ausführung. Je ein Exemplar für Pächter, Verein und Verband. Derzeit liegt der Pachtzins pro Quadratmeter in Magdeburg bei 14 Cent. Im bundesweiten Vergleich ein niedriger Wert. In Verhandlungen mit der Stadt wollen die Lerchenwuhne-Gärtner einen neuen Pachtvertrag aushandeln. Der Verband als Zwischeninstanz fiele weg.

Eine deutliche Antwort kommt aus dem Magdeburger Rathaus. Zwar ist der Vorgang dort noch nicht bekannt. "Von einer Zerlegung des Verbandes würde ich wenig halten", sagt Finanzbeigeordneter Klaus Zimmermann auf Nachfrage. "Fest steht: Die Stadt hat einen Gesamtpachtvertrag mit dem Verband", so Zimmermann. Wenn der Verein kündigen will, dann könne er das tun. Pächter der Fläche sei trotzdem der Verband.