Magdeburg l Die Beschlussvorlage für den Stadtrat im Juni lässt keinen Interpretationsspielraum. Zu viele Förderschulen, zu wenig Schüler, so das Fazit. Derzeit besuchen 62 Schüler in sechs Klassen die Gebrüder-Grimm-Förderschule. 90 wären aber nötig, um eine Schließung abzuwenden. Die Prognose für das kommende Jahr sieht mit 50 Schülern noch düsterer aus.

Die Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun sollen nun in die Comeniusschule an der Kritzmannstraße geschickt werden. Darüber hinaus soll den Eltern - wenn es die Platzkapazitäten zulassen - an den Standorten der Förderschulen Salzmannschule und Erich-Kästner-Schule ein Wahlrecht eingeräumt werden.

"Wenn zu wenig Schüler da sind, kann man da wenig machen", kommentierte Detlef Hubold, Vorsitzender des Stadtelternrates, auf Nachfrage der Volksstimme. Heißt: Das zuständige Referat im Landesschulamt schaut sich die Zahlen an, prüft die Lage vor Ort und trifft eine Entscheidung. Wenn - wie im Fall der Grimm-Schule - die Schülerzahl eindeutig unterschritten wird, es weitere Einrichtungen mit ähnlichem Profil gibt, dann besteht wenig Hoffnung. "Ich gehe nicht davon aus, dass es im Stadtrat größere Diskussionen geben wird", so Hubold weiter. Die Grimm-Schulleiterin war für die Volksstimme am gestrigen Dienstag nicht zu sprechen.

Eine Vielzahl der Kinder wird voraussichtlich auf die Comeniusschule an der Kritzmannstraße ausweichen. Die Schulleitung habe bereits Zustimmung signalisiert, heißt es in der Beschlussvorlage. Ähnliches Bild an der Salzmannschule. An der Stormstraße befindet sich nicht nur die Förderschule, sondern bis zum Ende dieses Schuljahres auch die Grundschule Stormstraße. Diese zieht aber um. Es werden dadurch Plätze frei, die durch die Grimm-Schüler nun besetzt werden sollen.

Aber auch das Gebäude der Grimm-Schule wird in den kommenden zwei Jahren nicht leerstehen. Der Standort wird als Außenstelle des Albert-Einstein-Gymnasiums fungieren. Im aktuellen Schuljahr besuchen bereits drei fünfte Klassen das Haus. Im kommenden Schuljahr sollen voraussichtlich drei weitere hinzukommen.

Die Ausnahmegenehmigung für die Außenstelle läuft für drei Jahre. Dann muss das neue Gymnasium stehen. Eine knappe Ratsmehrheit hatte Anfang Februar beschlossen, den alten Berufsschulkomplex am Lorenzweg umzubauen und zu sanieren (Volksstimme berichtete).