Magdeburg l "Verträume nicht Dein Leben, lebe Deinen Traum", steht mit kursiven roten Buchstaben auf dem Heck des Wohnmobils von Helga und Hans Marten. Diesen Spruch lebt das Rentnerehepaar aus der Nähe von Hannover. Seit 15 Jahren reist es quer durch Deutschland und die Nachbarländer. Immer mobil. Immer aufm Sprung. Diesmal soll es eine Tour mit zwölf Wohnmobilen durch die Landschaften Polens werden. Einen ersten Zwischenstopp legten die beiden über das Wochenende in Magdeburg ein. "Zum ersten Mal", so gestehen sie und sind recht angetan von dem, was sie auf ihrem Spaziergang von der Stadt gesehen haben. "Vor allem der schöne Standort an der Elbe, wirklich toll. Fehlt nur noch ein Stromanschluss, falls man doch mal mehrere Tage bleiben möchte und die Batterie nicht mehr mitmacht", finden sie.

Die Martens sind typisch für die mobilen Touristen, die den Caravaning-Stellplatz am Petriförder in Bestlage anfahren. Ein und mehrere Nächte sind keine Seltenheit und an diesem Standort günstig zu haben. Drei Tage lassen sich für 5 Euro buchen. "Das geht nur, weil wir die Herrichtung als multifunktionaler Platz gefördert bekommen haben", berichtet der Beigeordnete für Wirtschaft und Tourismus Rainer Nitsche und freut sich auch über die mobilen Besucher. "Tagesbesucher haken die Stadt schnell ab. Mobile Touristen sind für uns fast noch interessanter", sagt er. Sie geben hier Geld aus in Cafés und Gaststätten, für Lebensmittel- und andere Einkäufe, für Freizeit, Kultur und Unterhaltung. Und weil sie so überdurchschnittlich reisefreudig seien, "sind sie für uns wichtige Multiplikatoren", sagt Nitsche.

Standort am Petriförder ist gefragt

Und so sind die 60 bis 70 Stellplätze (Verfügbarkeit je nach Veranstaltung auf dem Platz, u.a. Fischmarkt) vor allem in der warmen Saison häufig gut ausgelastet. 2300 Wohnmobile wurden zum Beispiel 2011 gezählt. Letztes Jahr waren es flutbedingt etwas weniger. Dennoch ist der Standort gefragt, taucht auch in einschlägigen Stellplatzführern auf. Seit Sommer 2012 ist er zudem mit einer Station für Frischwasserver- und Abwasserentsorgung ausgerüstet.

Da geht doch noch mehr, fanden deshalb zuletzt SPD- und Linken-Fraktion im Stadtrat und beauftragten die Verwaltung mit der Prüfung weiterer möglicher Standorte. Ziel: noch mehr Besucher anlocken. Doch die Bilanz nach der internen Prüfung in der Verwaltung sieht eher mau aus. Nitsche macht zunächst seinen Standpunkt deutlich: Wenn neue Stellplätze, dann über Dritte betrieben. Die Stadt habe im Moment andere Prioritäten, investiere u. a. in das geplante Tourist-Info-Zentrum am Schiffshebewerk.

Interesse von dritter Seite gab es sogar schon, und zwar für den avisierten Standort im nördlichen Bereich des Wissenschaftshafens. Jedoch spülte das Hochwasser 2013 alle Pläne weg. Es habe schwere Schäden gegeben, eine Nutzung sei nur mit Verlegung neuer Ver- und Entsorgungsleitungen über 200 Meter Distanz möglich. "Dafür fehlt uns das Geld", so Rainer Nitsche. Am zweiten in Frage kommenden Standort, dem Max-Wille-"Rummel"-Platz, müsste der Schaustellerverein VSG aktiv werden. "Der VSG ist Pächter und könnte sich damit eine neue Einnahmequelle sichern, wollte bisher aber nicht", erklärt Nitsche. Bleibt also erst mal nur der Standort Petriförder. Für den Rest gilt: Die Karawane zieht weiter.

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