Die Messe- und Veranstaltungs GmbH ist eine der wichtigsten stadteigenen Gesellschaften. Sie betreibt unter anderem Elbauenpark, Amo, Stadthalle und Getec-Arena. Seit Januar hat die Gesellschaft mit Steffen Schüller einen neuen Geschäftsführer. Rainer Schweingel sprach mit ihm.

Volksstimme: Fünf Monate sind Sie jetzt in dem Amt, das Ihr Vorgänger 22 Jahre bekleidete. Welche Lage haben Sie vorgefunden?
Steffen Schüller:
Zunächst einmal eine große Struktureinheit. Es dürfte deutschlandweit einmalig sein, dass unter einer Gesellschaft so viele Objekte mit so unterschiedlichen Profilen zusammengefasst sind. Wir haben ein Stadion, eine Kirche, einen Park, ein Kulturhaus und eine Sport- und Konzertarena im Bestand, um nur einige Beispiele zu nennen.

Ist diese Mischung sinnvoll?
Durchaus. Die Struktur ermöglicht Synergieeffekte in der Vermarktung, da wir fast jedes Veranstaltungsprofil in einem unserer Objekte durchführen können. Bemerkenswert ist, dass wir mit 60 Mitarbeitern rund 20 weniger sind als noch 2006.

Sie schreien also nicht nach mehr Personal?
Wir sind gut aufgestellt, auch wenn es innerhalb des Personals sicher noch Weiterentwicklungen geben muss. Die Braunschweiger Gesellschaft hat beispielsweise 8 Veranstaltungsmeister. Wir haben 2. Wir müssen also zukünftig noch mehr auf Qualifizierung und auch den eigenen Nachwuchs setzen.

Sie sind im Januar ins Amt gekommen. Welche Sparauflagen haben Ihnen OB und Stadtrat mitgegeben?
Was Einsparungen betrifft, so haben wir aus meiner Sicht die Grenzen erreicht. Mein Ziel ist es dagegen, die Einnahmen zu verbessern und wenn wir etwas einsparen, dann um Mittel freizumachen für neue Angebote. Dabei setze ich insbesondere für den Elbauenpark auf mehr Besucher durch mehr Veranstaltungen, gekoppelt mit besserer Vermarktung und Werbung. Der Elbauenpark ist eine Perle und muss wieder deutlich stärker in das Gedächtnis der Leute in der Region zurück.

Da haben Sie aber mit Ihrem angekündigten Aus für die Panoramabahn doch aber genau das Gegenteil erreicht. Viele schütteln den Kopf über das Aus.
Das kann ich verstehen. Aber die Fakten sind andere. Die Betriebsgenehmigung läuft Ende des Jahres aus. Ein Weiterbetrieb kostet mindestens zwei Millionen Euro ohne Folgekosten für die nächsten Jahre. Ob da Kosten und Nutzen im sinnvollen Verhältnis stehen, ist zu bezweifeln. Wenn so viel Geld, dann eher für neue Angebote. Letztlich muss der Stadtrat entscheiden.

Der würde sich auch über eine Veranstaltungs- und Messegesellschaft freuen, die sich finanziell selbst trägt. Wann ist es so weit?
Das ist nahezu ausgeschlossen. Gesellschaften dieser Art sind auf Zuschüsse angewiesen, weil die Einnahmen die hohen Betreibungskosten der Veranstaltungsstätten nicht decken können. Wer was anderes behauptet, rechnet nicht ehrlich und zum Beispiel die Finanzierungskosten für die Messehallen heraus, die wir beispielsweise selbst tragen.

Wohin soll sich die Messegesellschaft denn entwickeln?
Ich möchte die Auslastung der Veranstaltungsstätten durch eine Vermarktungsoffensive verbessern. Neue Eigenveranstaltungen und zusätzliche Vermietungen sollen die Einnahmen erhöhen. Wir können beim Betrieb von Park, Hallen und Stadion jedoch nicht alles nur betriebswirtschaftlich sehen. Gerade der Elbauenpark und die Angebote der Hallen sind Teile des Stadtmarketings. Sie tragen mit zum Wohlfühlgefühl in Magdeburg bei. Deswegen kann das Motto nicht rein auf Gewinnerzielung oder Einsparung liegen, sondern die Frage ist: Wie können wir unter den aktuellen und künftigen Bedingungen ein attraktives und finanzierbares Angebot vorhalten.

Etwas konkreter bitte.
Ich verstehe meine Aufgabe darin, der Stadt als Gesellschafter Vorschläge zu unterbreiten. Der Stadtrat muss entscheiden.

Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Der besteht vor allem bei der baulichen Situation in mehreren Objekten ...

.. wie bei der sanierungsbedürftigen Stadthalle?
Ja, genau. Wir haben gerade das zehnjährige Jubiläum der Sanierungsplanungen von 2004, und die Situation ist natürlich nicht besser geworden. Zwar besteht akut keine Gefahr und der Hallenbetrieb ist sicher, dennoch muss etwas getan werden. Zum Beispiel benötigt die Halle eine bessere technische Ausstattung, damit Veranstaltungen effizient durchgeführt werden können.

Wie steht es um die Messe?
Sie ist eine Erfolgsgeschichte. Es gäbe sogar Bedarf für den Bau einer vierten Messehalle und bessere Kongressmöglichkeiten. Derzeit haben wir Vermietungsanfragen, die wir nicht bedienen können. Wir rechnen das gerade durch.

Warum kommen so wenig Weltstars nach Magdeburg?
Wir müssen uns mit unseren Künstlern nicht verstecken. Aber wir müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass Magdeburg im Dreieck Hannover, Leipzig und Berlin keine A-Destination für Künstler ist. Die ganz großen Top-Stars gehen eben woanders hin. Unser Ziel muss vielmehr sein, die Nische in der zweiten Ebene zu bedienen. Da können wir sicher noch zulegen ...

... zum Beispiel mit Open-Airs im Elbauenpark auf der Seebühne oder der MDCC Arena ...
... für das es aber keine Anfragen gibt ...

... weil der Mietpreis zu hoch sein soll, heißt es ...
... das glaube ich nicht. Wenn es jemanden gibt, der ins Stadion will, der soll sich bei mir melden. Wir sind sehr flexibel. An der Miete würde ein Open-Air im Stadion bestimmt nicht scheitern.